Tod mit 85 Trauer um Josef Schmidt

Setzte sich sein ganzes Leben lang für eine Wirtschaft ein, in deren Mittelpunkt der Mensch steht: Josef Schmidt. Foto: Monika Limmer

BAD ALEXANDERSBAD. Josef Schmidt, Gründer von Schmidt-Colleg, ist am Freitag im Alter von 85 Jahren in Bad Alexandersbad gestorben.

Schmidt war nicht  nur ein Pionier deutscher Management-Literatur, sondern engagierte sich auch gesellschaftlich sehr stark. Bis ins hohe Alter war Josef Schmidt vielseitig interessiert und ausgezeichnet informiert. Er liebte es, über Philosophie zu sprechen, und auch über das aktuelle Wirtschaftsgeschehen wusste er bestens Bescheid.

Er war ein großer Freund des Unternehmertums. Doch über Manager, die trotz miserabler Leistungen Millionengehälter kassieren, schüttelte er den Kopf. Ebenso über manche sogenannte Berater, denen nichts anderes einfällt, als Unternehmen mit ständig neuen unsinnigen „Restrukturierungsprogrammen“ auf vermeintlich noch mehr Effizienz zu trimmen. Eine Ökonomie, die nur auf Zahlen fixiert ist, war ihm stets ein Graus.

Herz und Verstand, Leidenschaft und Kreativität, Verantwortung und Moral waren für Schmidt elementare Bestandteile der Wirtschaft. Schmidt plädierte in seinen 3500 Seminaren und Vorträgen unermüdlich dafür, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Einer seiner Lieblingssätze lautete: „Mitarbeiter sind keine Kostenverursacher, sondern Gewinnproduzenten.“

Der Weg des gebürtigen Fichtelbergers zum Pionier und späteren Grandseigneur der deutschen Management-Literatur war keineswegs gerade. Selbstständiger Bäckermeister, Aldi-Filialleiter, Mitarbeiter bei Helfrecht – das waren seine Stationen gewesen, ehe er 1985 Schmidt-Colleg gründete.

Schmidt, ausgestattet mit einem ausgeprägten Unternehmer-Gen und großer persönlicher Strahlkraft, machte die Firma weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Kongresse und Seminare, aber auch Management-Literatur gehören noch heute zum Portfolio des Unternehmens. Josef Schmidt blieb trotz vieler Erfolge und Auszeichnungen – darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande – immer auf dem Boden. Stolz könne leicht in Überheblichkeit umschlagen, warnte der erfolgreiche Buchautor.

Eine zentrale Rolle in seinem Leben spielten Ethik und Religion. Schmidt mochte besonders die Philosophen Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer. Der Gründer von Schmidt-Colleg war bekennender Christ, manchen religiösen Dogmen stand er allerdings kritisch gegenüber.

Der Glaube war auch die Basis seines vielseitigen gesellschaftlichen Wirkens. Josef Schmidt engagierte sich für die Christiane-Herzog-Stiftung, die sich für Mukoviszidose-Kranke einsetzt. Er war Gründungsmitglied des Fichtelberger Männerchores, saß im Stiftungsrat des berühmten Windsbacher Knabenchores und unterstützte eine Stiftung, die junge Unternehmer fördert. „An den Vorteil anderer Menschen denken, dann kehren auch bei dir Gewinn und Erfolg ein“, so seine Devise.

Schmidt hinterlässt viele Spuren. Zu einigen oberfränkischen Familienunternehmern hatte er sein Leben lang eine enge Verbindung. Er empfand es als große Auszeichnung, wenn seine „Kunden“ über ihn sagten: „Der redet so, wie ich denke.“

Schmidt verlor trotz seiner flammenden Plädoyers für Wirtschaftsethik nie seinen Realitätssinn, nie den Bezug zur Praxis. Gewinn sei für Firmen und das Wohl ihrer Mitarbeiter überlebensnotwendig, betonte er stets. Nur dürfe Profit eben nicht alles sein.

Schmidt sagte einmal, am Ende seines Lebens wolle er sagen können: „Ich war ein Gemeinwohl-Ökonom.“

 

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