THW-Großeinsatz Hausmauer in Auerbach stürzt ein

Frank Heidler
THW-Helfer aus drei Ortsverbänden sicherten das Mauerloch vom Anbau eines Auerbacher Gebäudes in der Unteren Vorstadt ab. Foto: Frank Heidler

Der teilweise Einsturz der Außenmauer vom Anbau eines leerstehenden Wohnhauses in der Unteren Vorstadt in Auerbach hat für landesweites Aufsehen gesorgt. Dabei ist vom alten Mauerwerk auf etwa drei mal fünf Metern der vordere Teil der bis zu einem Meter dicken Steinwand herausgebrochen.

Die Folge: nach bisher unbestätigten Angaben ist ein Schaden von mindestens mehreren zigtausend Euro entstanden. Verletzt wurde laut Polizeiangaben niemand.

Eine schmale Gasse trennt das leerstehende Haus Nummer 14 vom Nachbarhaus. „Die Gasse ist bis auf weiteres für Fußgänger gesperrt“, bestätigte Bauhofleiter Matthias Regn auf Anfrage.

Sämtliche acht Bewohner aus dem Nachbarhaus waren aus Sicherheitsgründen evakuiert worden, schildert Feuerwehrkommandant Sven Zocher den nächtlichen Schrecken. Von der angebotenen Notunterkunft machte aber keiner Gebrauch. „Die sind alle auf Arbeit gegangen“, sagte Zocher, der zusammen mit Kreisbrandmeister Michael Schmidt, Kreisbrandinspektor Hans Sperber und insgesamt 20 Helfern angerückt war. „Wir haben die Einsturzstelle abgesperrt.“

Laut Polizeichef Thomas Dietrich bestand die eingebrochene Mauer vor allem „aus viel Sand und wenig Zement“.

Einer der Bewohner aus dem Nachbarhaus ist Balazs Schnobl. Er war „wahrscheinlich um zwei oder halb drei“ ein Ohrenzeuge des Mauer-Einsturzes. „Ich habe es rumpeln gehört.“ Beim anschließenden Blick aus dem Küchenfenster in Richtung Gasse konnte er aber die Geräuschursache nicht entdecken. Diese sah er erst Stunden später, um halb fünf Uhr morgens, als er das Haus Nummer 15 wie an jedem Morgen Richtung Arbeitsstelle bei Heim und Haus verlassen wollte. „Ich spreche am besten Deutsch und habe die Polizei alarmiert.“

Laut Polizeibericht ging um 4.50 Uhr „eine Mitteilung über eine eingestürzte Hausmauer“ ein. Kurz darauf fuhr eine Streife in die Straße Unterer Markt.

Über 50 Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) sowie Polizei und Rettungsdienst waren nach dem Mauereinsturz im Einsatz.

Die Feuerwehr sorgte für nötige Absperrungen, das THW aus Amberg, Sulzbach und Kelheim stützte den ganzen Vormittag die Maueröffnung mit Holzbalken und Metallträgern ab. Ein spezielles Messgerät misst den ganzen Tag millimetergenau, ob an der Einsturzstelle weitere Verschiebungen in der Mauer zu befürchten sind. Trotz dieser Maßnahmen bezeichnete der Amberger THW-Sprecher Christian Birner in seinen Interviews zur Mittagszeit das in Mitleidenschaft gezogene Gebäude als „akut einsturzgefährdet“.

Sehr seltenes Ereignis

Ein Mauereinsturz wie dieser in Auerbach sei ein „sehr seltenes Ereignis“, erklärte der Sprecher in die TV-Kameras und Mikrofone weiter. Laut Bauhofleiter Regn gab es in Auerbach bisher lediglich geplante Sicherungsarbeiten an der Alten Münze und an der Degelsdorfer Straße – aber noch nie einen ungeplanten Mauereinsturz.

Einschneidende Folgen hatte der Mauereinsturz auch für den Nachbarn Sinan Gök, obwohl der gar nicht direkter Anwohner ist, sondern ein Stück weiter hinten in der Gasse wohnt. „Er darf sein Auto nicht aus der Garage holen und zur Arbeit fahren“, sagte dessen Mutter Selma Gök. Sie ist eine der Mitbesitzerinnen des Nachbarhauses und versuchte ebenfalls um die Mittagszeit, wieder in das Nachbargebäude, Hausnummer 15, zu gelangen.

Doch sie musste sich erst mal gedulden, bevor es eine Freigabe durch die Verantwortlichen des THW gab.

Versicherungsfachmann und Erdgeschossmieter Mike Matthis fand „einen Zettel“ der Polizei am Eingang seiner Büroräume, dass er das Gebäude nicht betreten dürfe. Was ihm wegen des Betretungsverbotes einen ungeplanten freien Tag „wegen einer behördlichen Anordnung“ bescherte.

Geschäftsfrau Susanne Wagner-Dörrzapf aus dem Laden am Unteren Markt zögerte nicht lange und versorgte sämtliche Helfer mit frischem Kaffee. „Es wird heute sicherlich ruhiger bei uns, aber das ist höhere Gewalt.“ Da ließen sich mögliche Umsatzeinbußen wegen des gesperrten Marktes sicherlich verschmerzen, sagte sie. Ihre Eltern wohnen direkt über dem Geschäft. Vom Mauereinsturz auf der anderen Straßenseite hätten diese nichts mitbekommen.

Das einsturzgefährdete Haus war erst vor wenigen Wochen von der bisherigen Besitzerin Conny Wittmann verkauft worden.

 

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