Verein verlängert Vertrag mit Bräuning
Obwohl Bräuning im Jahr 2018 kein einziges Spiel für den FC St. Pauli bestreiten konnte, hielt der Verein zu ihm – verlängerte seinen Vertrag und machte ihn sogar zum Kapitän. Trainer Joachim Philipkowski schätzte ihn so sehr, dass er auch heute noch von seinem ehemaligen Schützling schwärmt. „Theo ist ein toller Mensch, der bei uns auch Kapitän war, weil er große Qualitäten darin hatte, eine Mannschaft zu führen und zu pushen. Dass er sich so schwer verletzt hat, ist sehr schade, denn ich habe bei ihm auch eine Qualität gesehen, die es ihm ermöglicht hätte, höher als in der Regionalliga zu spielen. Er war fußballerisch sehr gut, lauf- und schussstark. Er hat sich immer voll reingehängt und sein Teamgeist, die Fähigkeit auf und neben dem Platz für seine Mitspieler da zu sein, war schon außergewöhnlich. Das habe ich so selten erlebt.“
Comeback gegen den VfB Lübeck
Schließlich ging es für den Stuttgarter sogar wieder halbwegs bergauf. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich, wenngleich an Normalität weiterhin nicht zu denken war. Vor jedem Training musste sich Bräuning aufgrund seiner Knieverletzung eine Stunde zusätzlich aufwärmen. Der harte Kampf zahlte sich dennoch aus. Am 2. März 2019 feierte Bräuning gegen den VfB Lübeck in der Regionalliga Nord sein Comeback. „Es war unglaublich, ich wollte nie aufgeben und konnte es kaum glauben, wieder auf dem Platz zu stehen“, erinnert er sich.
Und die restliche Saison lief gut für den Abräumer. In zehn Spielen bereitete er drei Tore vor, spielte sich erneut in den Fokus der Profis und durfte unter Trainer Jos Luhukay auch bei diesen mittrainieren. Ganz schmerzfrei war er jedoch noch lange nicht. „Ich konnte nach den Spielen teilweise nicht einmal die Treppen zu meiner Wohnung hoch. Ich musste ab und zu den Aufzug nehmen“, gibt er zu. Das sei alles andere als gesund gewesen. Seinen Traum vom Fußballprofi wollte er deswegen dennoch nicht aufgeben. „Das war alles andere als rational von mir. Ich wollte unbedingt wieder Fußball spielen, wollte erfolgreich sein und habe trotz dieser Schmerzen weitergemacht – heute hätte ich wohl anders entschieden“, erzählt er.
Weitere schwere Verletzung im Training
Nach der Sommerpause folgte dann das nächste schwarze Kapitel im Leben des leidgeprüften Fußballers. Gleich im ersten Training verletzte sich Bräuning erneut schwer am Knie. Neben einem Meniskusriss erlitt er dieses Mal zudem einen Knorpelschaden. Wieder war eine Operation unumgänglich und wieder wollte Bräuning nicht aufgeben. „Ich war am Boden. Ohne meine Familie, meine Freunde aus Stuttgart und meine Teamkameraden hätte ich das nur schwer durchgestanden, aber ich wollte es noch einmal versuchen“, erzählt er. Doch dieses Mal blieb es beim Versuch.
Er suchte Spezialisten in Hannover, Berlin, Hamburg, ja sogar in Enschede in den Niederlanden auf – helfen konnte ihm jedoch keiner. Der Tag war gekommen, als die medizinische Abteilung des FC St. Pauli schließlich entschied, das Kapitel zu beenden. „Als Philipkowski auf mich zukam und mir sagte, dass der Verein leider nicht mehr mit mir plant, war ich nicht mehr geschockt. Ich habe damit gerechnet. Die Rückschläge zuvor waren schlimmer“, so Bräuning, der anschließend wieder zurück nach Stuttgart zog, wo er sich in die Behandlung des Mannschaftsarztes der Stuttgarter Kickers, Dr. Christian Mauch, begab.
Bräuning will dem Fußballgeschäft treu bleiben
Ein Glück – denn über ihn lernte er auch Theo Rieg kennen, einen ehemaligen Spieler der Stuttgarter Kickers, der ebenfalls sehr früh seine Karriere beenden musste. „Ich habe viel mit ihm über das Leben und über den Fußball gesprochen, das hat mir sehr geholfen. Und eines Tages habe ich dann für mich den Entschluss gefasst, es geht nicht mehr – ich höre auf“, erzählt Bräuning, der zeitweise kein Fußballspiel mehr sehen wollte.
Diese Zeiten gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Auch wenn er keinen laufintensiven Sport mehr betreiben kann, schaut Bräuning heute nach vorn. Erst vor Kurzem beendete er sein Sportbetriebswirtschaftstudium erfolgreich mit der Note 1,7. In Zukunft will er im Fußballgeschäft wieder angreifen – neben dem Platz versteht sich. Bis es so weit ist, hat Theodor Bräuning aber noch etwas vor, dass während seiner Fußballzeit voll auf der Strecke blieb. Für eine Weile will er einfach mal raus. Raus in die Welt, ein wenig Reisen – und weg vom Fußball.
Dieser Text erschien erstmals am 02.08.2022