Thema: Landratsamt Aus für Außenstelle

Foto: Ralf Münch

KOMMENTAR. Der Wunschtraum war zu schön, um wahr zu werden: Im Landratsamt wird der Platz knapp, und der Landkreis richtet Außenstellen ein: In Speichesdorf, in Pegnitz und in Bad Berneck. Jede Kommune bekommt ein paar Büros und Beamte aus dem Landratsamt, und die Orte werden aufgrund dieser Infrastrukturmaßnahme blühen und gedeihen. 

Aber: Seit Freitag ist dieser Traum ausgeträumt. Die Landkreisverwaltung hat die Zahl von bislang 35 notwendigen neuen Büros auf 50 erhöht. Das bedeutet: Die Latte für die neue Außenstelle wurde nach oben gelegt.

Wo im Landkreis gibt es denn eine leer stehende Immobilien, in die man schnell mal 50 Büroräume einrichten kann? Hinzu kommt: Es muss genügend Parkplätze für die Beschäftigten und die Besucher geben, das Gebäude muss behindertenfreundlich sein und es sollte gut mit Bahn und Bus erreichbar sein. Da hat der bestehende Standort in Bayreuth in der Markgrafenallee doch große Vorteile. Das war die klare Botschaft, die die Landkreisverwaltung in dieser Woche ausgesandt hat. 

Natürlich wird alles noch geprüft, und die letztendliche Entscheidung trifft der Kreistag, doch inzwischen ist klar, wohin die Reise gehen wird: Die Dezentralisierung hat kaum Chancen. Landrat Hermann Hübner, der sich derzeit im Urlaub befindet, hat sich in der Vergangenheit nie so richtig für Außenstandorte stark gemacht, er hielt sich in dieser Frage eher zurück.

Im kommenden März ist Landratswahl, dann ist die Amtszeit von Hübner zu Ende. Warum soll er da noch so ein großes Fass aufmachen, das nur Unruhe und Ärger bringen wird? Was wird die Folge sein, wenn die Stadt A eine Außenstelle bekommt, die Gemeinde B aber nicht?

Dann werden die Messer gewetzt, denn der eine Nachbar gönnt dem anderen Nachbarn nichts. So engstirnig ist das Denken im Landkreis. Wenn das Fichtelgebirge eine neuen Seilbahn bekommt, will die Fränkische Schweiz auch ein schönes Millionengeschenk. So läuft das Spiel, das keinen Zusammenhalt bringt und eher an einen Streit unter Kindern im Sandkasten erinnert. 

Der Landkreis wird sich an diesem Spiel wohl nicht beteiligen. Alles bleibt in etwa, wie es ist. Die Kreisverwaltung sitzt zentral in Bayreuth und wird sich hier um bis zu 50 Büroräume vergrößern. Und eine größere Zahl von neuen Arbeitsplätzen wird geschaffen. Der Freistaat beschließt neue Gesetze, die umgesetzt werden müssen. Die Familienverhältnisse sind zunehmend zerrüttet, neue Sozialarbeiter müssen in die Bresche springen. An mehr Personal kommt die Behörde nicht vorbei. 

peter.engelbrecht@
nordbayerischer-kurier.de

 

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