Thema: Klimawald Zürgelbaum und Zerreiche

Zum Artikel „Unsere Fichten machen schlapp“, Kurier vom 3. August.

Es verblüfft mich schon, welche Baumarten da auf ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel (Richtung heiß und trocken) getestet werden – oder eben nicht.

Dürreempfindlich sind vor allem Buchen, Hainbuchen, Linden und Tannen. Sie alle lieben weder Hitze noch Trockenheit, sondern brauchen frische, feuchte Böden. Warum also sind die überhaupt unter den Test-Baumarten oder habe ich da etwas falsch verstanden? Und warum werden nicht auch echte Exoten getestet? Da müssten die Forstbaumschulen dann natürlich mitziehen.

Von unseren Nadelbäumen kommen Schwarzkiefer (Pinus nigra) und an den Bestandsrändern – wegen des hohen Lichtbedarfs – auch die Lärche (Larix Decidua) in Betracht. Das war’s dann aber auch schon.

Bei den Laubhölzern sollte unbedingt der Zürgelbaum (Celtis Australis) getestet werden. Er stellt hohe Ansprüche an die Wärme, alles andere ist ihm ziemlich wurst. Von unseren Eichen ist die wärmeliebendere Stieleiche (Quercus robur) – auf Sandböden – der Traubeneiche vorzuziehen. Und warum nicht Zerreiche (Quercus cerris) und Flaumeiche (Quercus pubescens) mit testen, die Kalkböden in sonniger, warmer trockener Lage mögen?

Auch bei den Ahornen wird man fündig: Unser Feldahorn (Acer campestre) und der französische Ahorn (Acer monspessulanum) sollten ebenfalls Hitze und Trockenheit aushalten. Esskastanie und Robinie sind weniger geeignet: die erste braucht frische, feuchte Böden, die andere ist spätfrostgefährdet und Spätfröste hatten wir in den letzten Jahren ja durchgehend. Dafür sollte aber die lichtbedürftige Hängebirke (Betula pendula) an Waldrändern mit zum Einsatz kommen.

Apropos: Waldränder. Bis vor Hitze und Trockenheit die Baumarten gewechselt werden müssen, sollten unsere bestehenden Wälder wenigstens im Osten (trockener Wind) und im Süden (Sonneneinstrahlung) wieder ordentliche Waldränder bekommen – aus allem, was im Frühjahr schön blüht (Insekten) und im Herbst Beeren trägt (Vögel). Kostenlos, aber sehr effektiv wird so die Feuchtigkeit in Luft und Boden bewahrt.

Bereits vor 50 Jahren sollten die Fichteneinheitsforsten in möglichst artenreiche Mischwälder überführt werden, um den Wald zu stabilisieren und die Ausbreitung von Schädlingen zu erschweren. Gelungene Beispiele gibt es. Was ist inzwischen getan worden, oder eben nicht?
 

 

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