Thema: Basketball Schwierigkeiten vor dem Start

Foto: Peter Kolb

Der sensationelle vierte Platz im Jahr 2017 und seine Bestätigung als Tabellensechster 2018 haben gezeigt, was Medi Bayreuth in der Basketball-Bundesliga alles erreichen kann. Allerdings hat Rang zwölf im Frühjahr dieses Jahres auch daran erinnert, dass nichts davon selbstverständlich ist. Damit sind praktisch schon die Aussichten umrissen, mit denen die Mannschaft von Trainer Raoul Korner in die neue Saison geht, die am kommenden Dienstag gleich mit dem traditionsreichen Derby-Kracher gegen Bamberg beginnt: Alles ist denkbar, vielleicht mit Ausnahme der Meisterschaft und dem Abstieg. Das mag schwer zu ertragen sein für jene Anhänger, die sich nur bei sicheren Siegen wohlfühlen. Aber es ist perfekt für jeden Zuschauer, der Spannung zu schätzen weiß.

Der obere Rand dieser Bandbreite von Möglichkeiten wird freilich nur zu erreichen sein, wenn alles optimal läuft. Und damit ist es im Grunde schon jetzt vorbei, bevor die Saison überhaupt begonnen hat. Lücken in der Personaldecke hat es während der Vorbereitung zwar in fast jedem Jahr mal gegeben, aber diesmal trafen sie den weitgehend umformierten Kader mit Neuzugängen auf sämtlichen sechs Ausländerstellen besonders empfindlich. Vor allem auf der Center-Position, wo das Improvisieren aufgrund der physischen Anforderungen besonders schwierig ist, stand die ursprünglich vorgesehene Besetzung in keinem Testspiel zur Verfügung. Der mit vielversprechenden Referenzen vorgestellte Amerikaner Travis Reid wurde erst gut zwei Wochen vor dem Punktspielstart fit, und Nationalspieler Andreas Seiferth fällt wegen seiner überaus unglücklichen Verletzung als Folge eines Freizeit-Unfalls voraussichtlich sogar noch bis November aus. Ohne diese Stammkräfte wirkte das Medi-Team in den meisten Testspielen unter den Körben verwundbar. Außerdem konnten sich die stellvertretend dort eingesetzten Spieler keinen Rhythmus in ihren angestammten Rollen erarbeiten, was den Weg zu einer eingespielten Mannschaft zweifellos verlängern wird. Zusätzlich verstärkt wurde dieser Effekt noch durch ein hausgemachtes Problem: Charles Cooke hatte sich offenbar als Fehlgriff unter den Neuzugängen erwiesen und wurde durch Lucious „Lucky“ Jones ersetzt, dem nun ebenfalls nur zwei Wochen zur Vorbereitung blieben.

Diese Schwierigkeiten können zu Beginn der Saison kaum ohne Auswirkungen bleiben. Die erschreckende Höhe der 56:97-Niederlage gegen Bamberg beim Heimturnier am vergangenen Sonntag hat manchen Beobachter vielleicht sogar schon Schlimmes befürchten lassen, aber Anlass zur Panik besteht ganz sicher nicht. Dafür garantieren bewährte Kräfte wie neben Andreas Seiferth auch Kapitän Bastian Doreth oder der in der Vorbereitung auffällige Lukas Meisner und erst recht der Trainerstab. Und auch die individuelle Qualität der Neuzugänge dürfte nicht nur bei Rückkehrer James Robinson erwiesen sein, sondern auch schon bei Bryce Alford, Travis Reid und James Woodard. Sobald es mit dem Zusammenspiel voran geht, sollte es also erhebliches Steigerungspotenzial geben. Die Frage ist nur, wie schnell das geht. Aber mit mehr als 40 Punkten Differenz wird Medi Bayreuth gegen Brose Bamberg schon am Dienstag nicht mehr verlieren – jede Wette!

eberhard.spaeth@kurier.de

 

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