Bayreuth/Köln - Von der Zigarette loskommen wollen viele Raucher, doch der Abschied von der Sucht fällt oft schwer. In der Kurier-Telefonaktion gaben Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln am Dienstag wertvolle Tipps. Hier dazu einige Fragen und Antworten.

Mein Mann liegt krank im Bett und raucht gerade nicht. Sollte er gleich ganz aufhören?

Das liegt nahe, hat aber seine Tücken. Bei einer Erkrankung handelt es sich um eine Ausnahmesituation, in der das Nichtrauchen meist problemlos ist. Doch dann kommt der Alltag zurück, in dem sich auch die alten Gewohnheiten wieder melden. Vielleicht kann er die Zeit jetzt nutzen, um sich auf einen Rauchstopp vorzubereiten. Er sollte sich Folgendes überlegen: In welchen Situationen rauche ich normalerweise? Welche Alternativen und Ablenkungen könnte ich mir dafür vorstellen? Am besten, er schreibt alles auf. Das ist eine gute Vorbereitung, um das Nichtrauchen auch im Alltag durchzuhalten.

Ich habe am Wochenende aufgehört, aber ich bin so schlecht drauf, dass ich am liebsten niemanden sehen möchte. Was kann ich tun?

Das ist eine völlig normale Erscheinung und passiert vielen, die mit dem Rauchen aufhören. Der Körper reagiert darauf, dass ihm das Nikotin entzogen wird. Aber seien Sie gewiss, das vergeht nach einigen Tagen. Auch, wenn Sie niemanden sehen möchten – besser ist es, möglichst vielen Bescheid zu sagen. Die meisten werden mit Verständnis und Zuspruch reagieren. Versuchen Sie, in den nächsten Tagen möglichst viel zu tun, was Ihnen Spaß macht und was Ihnen gut tut.

Ich hatte letztes Jahr aufgehört, aber Silvester doch mal eine geraucht und muss gestehen, dass mir die Zigarette wieder geschmeckt hat. Ist das normal? Bleibt das für immer so?

Das ist das Heimtückische am Nikotin: Die Rezeptoren, die das Wohlgefühl beim Rauchen auslösen, verschwinden nie wirklich. Sie bleiben, auch wenn Sie aufgehört haben. Stellen Sie sich das so vor, als wenn die Rezeptoren nur schlafen. Wenn Sie rauchen, wecken Sie sie auf und dann wollen sie wieder ihre alte Dosis Nikotin haben. Deshalb ist es so wichtig, sich konsequent keine Zigarette mehr anzuzünden. Das Rückfallrisiko ist zu hoch.

Britische Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass E-Zigaretten durchaus als Alternative zur Tabakzigarette akzeptiert werden können. Sehen Sie das auch so?

Eine allgemeine Empfehlung zur Verwendung von E-Zigaretten anstelle regulärer Tabakzigaretten können wir – Stand heute – nicht geben. Dafür sind die Langzeitrisiken durch den Konsum von E-Zigaretten noch nicht gut genug erforscht. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen an der Lunge sollten besonders vorsichtig sein. Viele Menschen, die von der Tabakzigarette auf die E-Zigarette umsteigen, fangen zudem irgendwann doch wieder an, klassische Zigaretten zu rauchen. Eine Erklärung dafür ist, dass sie ihr Verhaltensmuster nie verändert haben.

Ich merke, dass ich im Homeoffice mehr rauche als im Büro. Was kann ich tun?

Machen Sie eine Strichliste. Besser noch, eine Tabelle mit Uhrzeit und Anzahl der Zigaretten. Machen Sie den Strich, bevor Sie rauchen. Das hat den netten Nebeneffekt, dass manch unbewusste Zigarette in der Schachtel stecken bleibt, weil der meist automatisierte Rauchvorgang durch den Strich unterbrochen wird. Vergleichen Sie die Anzahl auf Ihrer Strichliste mit der Zahl der üblicherweise am Arbeitsplatz gerauchten Zigaretten. Liegt sie darüber, sollten Sie innehalten, bevor Sie sich an das höhere Level gewöhnen. Ist Ihnen das gelungen, können Sie sich gratulieren, denn Sie haben dadurch gezeigt, dass Sie Ihr Rauchverhalten kontrollieren konnten. Ein guter Anfang, um demnächst den generellen Rauchausstieg zu wagen.

Womit kann man das Verlangen nach einer Zigarette am besten austricksen?

Mit Bewegung beispielsweise. Finden Sie heraus, was zu Ihnen passt - und wenn es ein Purzelbaum ist! Manchmal genügt es, einfach aufzustehen und sich zu strecken oder sich einen frischen Tee zu brühen. Oder Sie machen sich auf den Weg nach draußen. Ehe Sie angezogen sind, ist das Verlangen vorüber. Es geht darum, einige wenige Minuten zu überbrücken, die das Verlangen andauert. Suchen Sie sich etwas, was Sie für diesen kurzen Zeitraum zuverlässig ablenkt.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich genug Willen habe, um einen Rauchstopp durchzuhalten. Können Sie mir einen Rat geben?

Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Motivation. Was ist der Grund oder was sind die Gründe, weshalb Sie aufhören wollen? Stellen Sie sich die Vorteile, die Sie mit dem Rauchstopp verbinden, möglichst konkret vor: Wie Sie zu Fuß in den dritten Stock steigen, ohne völlig aus der Puste zu geraten. Wie Sie mit einem besseren Gefühl zum ärztlichen Check gehen. Wie viel Geld Sie sparen, wenn Sie zum Beispiel ein ganzes Jahr lang nicht geraucht haben werden. Wichtig ist dabei, dass es sich um Ihre ganz persönlichen Motive handelt. Nur so erhalten Sie den nötigen Antrieb für Ihren Rauchstopp. Sie können sich zum Beispiel auch eine Motivationsliste schreiben, auf der steht, warum Sie aufhören wollen. Diese Liste hängen Sie gut sichtbar auf, sodass Sie immer wieder lesen können. Auch das kann Sie zusätzlich stärken.


Beratung für Rauchentwöhnung der BZgA: 08 00/8 31 31 31 (kostenlos auch aus dem Mobilfunknetz) Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 Uhr bis 18 Uhr.

Das Rauchfrei-Start-Paket unter anderem mit Info-Broschüre, Kalender für die ersten 100 Nichtraucher-Tage, Anti-Stress-Ball, Pfefferminzpastillen ist kostenlos zu bestellen per E-Mail: order@bzga.de, per Post: BZgA, 50819 Köln, per Fax: 02 21/8 99 22 57.

Informationsbroschüren „Ja, ich werde rauchfrei“ oder „Rauchfrei in der Schwangerschaft“ können kostenfrei bestellt oder direkt herunter geladen werden unter: www.bzga.de/infomaterialien/

Ein interaktives Rauchfrei-Programm gibt es unter www.rauchfrei-info.de; unter www.rauchfrei-programm.de sind Gruppenkurse in Wohnortnähe zu finden.