Tag des offenen Denkmals Ein Bau mit besonderem Charme

BAYREUTH/KULMBACH. Immer am zweiten Sonntag im September lockt er Tausende Besucher an: Der Tag des offenen Denkmals. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ vor dem Hintergrund des 100. Bauhaus-Jubiläums. Ein ganz besonderer Anlaufpunkt in der Stadt Bayreuth war die ehemalige Schokofabrik im Stadtteil St. Georgen in der Gaußstraße 6.

Um Umbrüche sollte es gehen, die auf etwas Neues, Revolutionäres, Fortschrittliches hindeuten. Und um neue Nutzungskonzepte für alte Baudenkmäler. Zwei kostenlose Führungen boten der Verein Schoko unter Vorsitz von Peter Weintritt und Quartiersmanagerin und Architektin Ulrike Färber. Die Stadt Bayreuth hatte die ehemalige Schokoladenfabrik im Februar 2015 gekauft.

Nach der Schokolade kamen Textilien

Das Obergeschoss ist normalerweise aus statischen Gründen und wegen fehlender Fluchtwege immer noch gesperrt. Aber am Tag des offenen Denkmals durften Besuchergruppen einen Blick hineinwerfen. Die Schokofabrik war im Jahr 1909 von einem Fürther Architekten gebaut worden. Die Bahngleise direkt vor der Tür ermöglichten die Anlieferung von Kakaobohnen und den Vertrieb der fertigen Schokolade. Im Zweiten Weltkrieg als Rüstungsfabrik genutzt, versuchte ein Investor danach einen Neustart. Dies ging jedoch nicht lange gut und in den sechziger Jahren war endgültig Schluss mit der Süßwarenproduktion.

Der Gebäudecharakter: Roh und ungeschliffen

Danach zog eine Näherei ein und danach „fiel die Schoko in einen Dornröschenschlaf“, berichtete Weintritt, der sich als Vater zweier Skater für den Erhalt der Anlage einsetzte. Das „Rohe und Ungeschliffene“ mache den Charme des Gebäudes aus. Konzertsaal, Skaterhalle, Café und Bandraum unten sind seit 2012 nutzbar. Für die ungenutzte Fläche im Obergeschoss war im Jahr 2017 bereits ein Raumkonzept in Abstimmung mit der Stadt entwickelt worden. „Wir haben hier ein wunderschönes Baudenkmal mit einem besonderen Charme“, sagte Stadtbaureferentin Urte Kelm vorab im Gespräch mit dem Kurier. Studenten der FH Coburg hätten sich im Rahmen ihres Studiums über eine Sanierung im Bestand Gedanken gemacht.

Baubeginn voraussichtlich Anfang 2021

In diesem Jahr beginne noch die Suche nach einem Architekten, der mit einem denkmalgeschützten Gebäude sachgerecht umgehen könne. Akustik, Dämmung und Tragwerk stellten besondere Herausforderungen dar. Dafür sei eine europaweite Ausschreibung durchzuführen. Ab Frühjahr 2020 könnten Um- und Ausbau geplant werden. Mit einem Baubeginn sei frühestens 2021 zu rechnen. Um mit den Baumaßnahmen beginnen zu können, sei ein positiver Fördermittelbescheid abzuwarten. „Die Notwendigkeit der Sanierung erkennt man an dem Objekt. Ich freue mich auf alle Fälle darauf“, sagte Kelm, die von Investitionskosten in Höhe von zwei Millionen Euro ausgeht.

Fabrikantenwohnung neben der Produktion

Noch sind die Backsteine an den Wänden zu sehen, hängen Kabel von der Decke und bedeckt Staub die Böden. Weintritt führte die Gruppe unter anderem ins „Fabrikanten-Arbeitszimmer“, das zur „Denkfabrik“ werden soll. Durch die Decke des einstigen Schlafzimmers regnet es und überall stehen alte Fensterrahmen , „ein Steckenpferd des Denkmalschutzes“. Der große Saal in der Mitte mit Bühne soll möglichst für verschiedene Nutzungen offen sein. Neben Büros und Werkstätten sind ein Ton- und ein Tanzstudio geplant und Räume für Künstler und Musiker zum Proben. Selbst eine Dachterrasse könnte genutzt werden.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading