Taff-Festspielnacht Wagner-Klänge auf der Wiese

Zum zweiten Mal lädt Taff – Wir sind Festspiel an den Goldbergsee nach Marktschorgast ein. Das Orchester der Bayreuther Festspiele und seine Solisten begeistern.

Von Ute Eschenbacher

Sie entließen das begeisterte Publikum mit zwei Zugaben aus der „Walküre“ und dem „Tannhäuser“ auf den Heimweg. Die Musiker der Bayreuther Festspiele dirigierte der Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister.

Im schwarzen Samtrock erinnerte er in der Gestalt sogar ein wenig an Richard Wagner. Sensibel und zugleich bestimmt leitet er das Festspielorchester im ersten Teil des Programms durch die „Tannhäuser“-Ouvertüre und das Vorspiel zum dritten „Lohengrin“-Aufzug. Tenor Klaus-Florian Vogt, seit 2007 auf dem Grünen Hügel und in diesem Jahr wieder als Lohengrin zu hören, sang eine ergreifende „Gralserzählung“.

Sodass sogar der Moderator, der fränkische Kabarettist Martin Rassau ganz ehrfürchtig sagte: „Das war jetzt so schön, das dürfte gar nicht mehr aufhören, gell.“ Und natürlich durften Witze über die harten Stühle im Festspielhaus, die teuren Bratwürste, den rechthaberischen Dirigenten Thielemann, das sonst im Graben versteckte Orchester oder Bayreuths Berliner Flughafen – die Stadthalle, nicht fehlen.

An sommerlich weiß gedeckten Tischen und Stühlen bei kühlen Getränken und einem Happen zu Essen hörten die elegant gekleideten Wagner-Kenner und Kennerinnen gebannt zu. Die Grillen zirpten um die Wette, die Temperaturen waren lau und genau richtig.

Eine neue Tradition begründen?

Der Marktschorgaster Bürgermeister Marc Benker bedankte sich, ein Teil der Bayreuth-Familie zu sein. „Ich würde mich freuen, wenn in Marktschorgast wieder eine längere Bayreuth-Tradition begründet würde.“ Von 1980 bis 1996 fanden am Goldbergsee die beliebten Serenaden statt. Ob es im nächsten Jahr wieder eine Festspielnacht geben werde, ließ die Vorsitzende des Teams der aktiven Festspielförderer, Regina Ehm-Klier allerdings offen. Hinter so einem Abend stehe ein „unfassbarer Aufwand“. Der Verein fördert zudem die Kinderoper und unterstützte die Konzerte im Festspielpark.

Dirigent Cornelius Meister, Einspringer für den „Ring“, erzählte über sein erstes Jahr in Bayreuth 1998, als Stipendiat aus Hannover. Zuletzt kehrte er als musikalischer Assistent zurück und sollte in diesem Jahr „Tristan und Isolde“ übernehmen. Aber es kam bekanntlich anders. Er habe schon im Goldbergsee gebadet, sagte er in Rassaus Mikrofon.

Und lustig sei Wagner etwa im „Siegfried“ auch. Der Dirigent dürfe im Festspielhaus sitzen. Aber es sei eine „Three-Shirts-Show“, die Hemden müssten dreimal gewechselt werden. „Trotzdem ist es eine unglaubliche Atmosphäre, wenn der Graben kocht.“ Worauf Rassau konterte: „Es kommt auch keiner raus.“

Nach der Pause war die Wiese beleuchtet in Blau und Gelb getaucht. Ein sehnsüchtiges „Siegfried-Idyll“ und eine berührender „Liebestod“ beschlossen den zweiten Teil der magischen Sommernacht.

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