Studiobühne Neue Saison mit üppigem Spielplan

Nach zwei recht harten Corona-Jahren blickt die Bayreuther Studiobühne wieder optimistischer in die Zukunft. Die Herbst- und Winterspielzeit mit einer Mischung aus anspruchsvollen, lustigen und zeitkritischen Stücken startet am 25. September.

Die federführenden Köpfe der Studiobühne wirken erleichtert über das Ende der Corona-Beschränkungen. „Wir können uns aufs Theater konzentrieren und wieder richtig loslegen“, sagte Intendant Jürgen Skambraks am Freitag im Theater bei einem Pressegespräch, an dem weitere Schauspieler und Regisseure der kommenden Vorstellungen teilnahmen.

9000 Zuschauer in der Sommersaison

Die Sommersaison auf den bewährten Freilichtbühne sei sehr gut gelaufen, sagte Skambraks rückblickend. „Wir hatten 9000 Zuschauer, wobei die Eremitage der Gewinner war.“ Das Kinderstück „Robin Hood“ sei nach zwei Tagen ausverkauft gewesen und 24 Mal gespielt worden. Die Zuschauerzahl entspreche der Hälfte der Besucher, die das Theater im ganzen Jahr begrüßen könne. „Wir machen Theater wie immer und haben tolle Spielstätten, aber keine Events“, sagte Skambraks im Hinblick auf die seiner Ansicht nach zu geringe mediale Resonanz. Dabei würde alles dafür getan, „dass Leute wieder Lust auf Theater bekommen.“

In den kommenden Monaten rechnet die Studiobühne nicht mit coronabedingten Beschränkungen. „Der Vorverkauf hat begonnen und wir hoffen auf ein volles Haus.“ Eine Maske während der Aufführung zu tragen, stehe den Zuschauern frei.

Lustiges und Ernstes von Karl Valentin

Der Start in die Herbst- und Wintersaison ist gleich für diesen Sonntag geplant. Der Karl-Valentin-Abend „Die Zukunft war früher auch besser“ unter der Regie von Werner Hildenbrand feiert auf der Hauptbühne Wiederaufnahme-Premiere. Der erste Teil sei lustig und witzig, der zweite tiefgründig und kabarettartig, so Hildenbrand. Erstmals zum 40. Bestehen der Studiobühne und 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gespielt, habe das Stück ungeahnte Aktualität durch den Ukraine-Krieg. „Eine groteske, doppelbödige Auseinandersetzung mit dem Krieg und seinen Folgen“, beschrieb Hildenbrand die Handlung. Fünfmal steht es auf dem Theaterprogramm.

Verloren in einem Erdhügel

Die zweite Wiederaufnahme-Premiere am Samstag, 1. Oktober, ist Samuel Becketts absurdes Stück „Glückliche Tage“, inszeniert von Jürgen Skambraks. Der Inhalt sei skurril und sonderbar, geht es doch um eine Frau, die in einem Erdhügel feststeckt und verloren vor sich hin redet. Das Beckett-Stück lockte besonders junge Leute ins Theater, so die Erfahrung der ersten Inszenierung. Daher habe es noch einmal Eingang in den Spielplan gefunden. Außerdem wurden zwei Gastspiele eingeplant: Am Freitag, 30. September, wird unter dem Titel „Die Vermessung der Demokratie“ ein Porträt über Wilhelm Leuschner gezeigt. Und am Samstag, 5. November, heißt es „Tarte d’Ort – Bayreuth“, wenn das Ensemble Ernst von Leben im Studio einen improvisierten Krimi zum Besten gibt.

Preisgekröntes Theater-Solo-Stück

Zwei Lesungen widmen sich zum einen dem Briefwechsel von Paul Celan und Ingeborg Bachmann („Wie Mohn und Gedächtnis“) und zum anderen als Live-Hörspiel dem walisischen Schriftsteller Dylan Thomas („Unter dem Milchwald“). Ab November wird darüber hinaus ein preisgekröntes Theater-Solo-Stück zu sehen sein. Verfasst von Kristine Walther, die selbst spielt, und Jürgen Skambraks befasst sich das Drama „Kleist – Wenn ich dich nur hätte...“ mit dem heutigen Klassiker, der zu Lebzeiten nicht die Berühmtheit erlangte, die ihm gebührt hätte. Dreimal wird „Kleist“, in Klagenfurt als Mono-Drama ausgezeichnet, zu sehen sein.

Bezauberndes Kinderstück zu Weihnachten

Und natürlich dürfen Weihnachtsstücke auf dem Spielplan nicht fehlen. Für Kinder ab vier Jahren wird Sigrid Kern „Frohe Weihnachten, kleiner Eisbär“ nach den Büchern von Hans de Beer inszenieren. Ganz bezaubernd und liebevoll wird die Geschichte von Weihnachten aus der Sicht von Tieren erzählt. „Am Ende bleibt übrig, was Weihnachten eigentlich ist – ein Fest der Liebe.“ Zu jeder Szene hat sie mit Harald Schmudlach Lieder komponiert, die dem Kinderstück etwas Musicalhaftes verleihen, wie sie selbst schildert.

Ein eher missratenes Weihnachten erleben die Zuschauer in „Lametta“, einem Lustspiel von Fitzgerald Kusz. Es sei eines der jüngeren Stücke des Nürnbergers, so die Regie führende Birgit Franz, und er habe zugesagt zur Premiere am 3. Dezember nach Bayreuth zu kommen. An diesem Heiligen Abend in einer chaotischen Patchwork-Familie ist so überhaupt nichts heilig. Weil Ex-Partner, Kinder aus früheren Beziehungen und die Schwiegermutter für Missstimmung sorgen. Ein Volksstück, das voller Situationskomik und schwarzem Humor aufzeigt, wie man Weihnachten am besten nicht feiert.

Vorschau auf drei Neuproduktionen

Als ob das nicht schon genug wäre, gaben die Akteure der Studiobühne noch einen Ausblick auf das kommende Jahr. So wird im Januar unter der Regie von Marieluise Müller „Ophelias Schattentheater“ gespielt, nach dem Buch von Michael Ende. Eine ältere Dame erinnert sich an die Figuren, die sie als Souffleuse begleitet durfte. Das Altern steht im Mittelpunkt und das, was hinter den Kulissen des Theaters passiert. Absurdes Theatergeschehen kommt auch im Februar auf die Bühne, wenn „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco aufgeführt wird. Dominik Kern nimmt sich als Regisseur der „Rhinozeritis“ an, die eine ganze Stadt befällt. „Eine merkwürdig komische Parabel“ nennt er die Handlung, die auf so vieles auch in der Gegenwart passt. Zuletzt sei noch die März-Premiere „Ein Kind unserer Zeit“ erwähnt, ein Theaterstück nach dem Roman von Ödön von Horváth. Hochaktuell, da das Werk in der Zeit von Hitlers aggressiver Politik verfasst wurde und die Überfälle auf Nachbarländer vorhersah. Es schildert die brutale Eigendynamik eines jeden Krieges und die damit einhergehenden Grausamkeiten. Regie führt Dorothea Kirschbaum.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Die Gastronomie im Theater ist wieder geöffnet. Sowohl die Theke vor und nach den Aufführungen als auch der Theaterkeller, der ab Dezember vom Team der Waldhütte betreut wird.

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