Den relativ niedrigen Nitratwert des Juragruppen-Wassers führt Hümmer auf freiwillige Ausgleichszahlungen an Landwirte im Wasserschutzgebiet zurück. Die sollen den Bauern dabei helfen, möglichst wenig Nitrat in den Boden zu bringen oder Zwischenfrüchte anzubauen, die das Nitrat wieder herausholen. Solche Ausgleichszahlungen leistet aber nicht nur die Juragruppe. Auch die Creußener Gruppe, die Gemeinden Heinersreuth und Weidenberg, die Seybothenreuther Gruppe und die Stadtwerke Bayreuth haben seit Jahrzehnten Kooperationen mit Landwirten. Für freiwillige Prämienzahlungen an die Bauer im Wasserschutzgebiet wendet die Benker Gruppe zwischen 15.000 und 20 000 Euro im Jahr auf. Das entspricht rund fünf Cent pro Kubikmeter Wasser und damit dem Wert der Juragruppe. 20.000 Euro an freiwillige Ausgleichszahlungen leisten auch die Stadtwerke Bayreuth, allerdings bei der fünffachen Wassermenge. Die Adlitzgruppe, mit dem niedrigsten Nitratwert, zahlt nichts.
Pflanzenschutzmittel nur in zwei Brunnen nachweisbar
Hans Hümmer legt Wert darauf, dass die Werte des Pflanzenschutzmittels Atrazin und dessen Abbauprodukts Desethylatrazin unter den Grenzwerten liegen. Die Stoffe sind seit Jahrzehnten verboten, finden sich aber immer noch im Boden. Die Werte im Wasser sind aber bei allen untersuchten Wasserversorgern der Region gleich niedrig. Sie liegen unter 0,02 Mikrogramm pro Liter und sind damit kaum noch messbar. Einzig in den Messprotokollen der Juragruppe taucht für den Brunnen in Moggendorf ein Wert von 0,04 Mikrogramm und für den Brunnen Hollfeld ein Wert von 0,08 Mikrogramm Desethylatrazin pro Liter auf. Auch der Atrazinwert liegt beim Hollfelder Brunnen mit 0,03 Milligramm pro Liter über dem Durchschnitt, genauso wie die Werte für Atrazin (0,03) und Desethylatrazin (0,05). Alle Werte liegen aber immernoch unter dem Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Liter.
Kaum einer testet auf Arznei- und Röntgenkontrastmittel
Das hat bis auf die Juragruppe und die Stadtwerke Bayreuth tatsächlich noch keiner der Wasserversorger getestet. Muss nach der Trinkwasserverordnung aber auch nicht sein. Das freiwillig zu tun, lehnen einige Unternehmen ab. Man beziehe schließlich kein Wasser aus Uferfiltrat- oder Oberflächenwasseraufbereitungsanlagen. Das Wasser könne daher gar nicht belastet sein. Hans Hümmer hat es dennoch überprüfen lassen. Nachdem herauskam, dass in Baden-Württemberg zwölf von 20 Wasserproben belastet waren. Hümmer sagt: „Der Druck von Medien und Bevölkerung wird dazu führen, dass das Wasser eines Tages auf diese Mittel getestet werden muss.“
Wo das Wasser herkommt
Die Gemeinde Weidenberg hat drei Tiefbrunnen bei Schafhof, sowie die Weissenbachquelle im Sophienthaler Forst. Darüber hinaus kauft die Gemeinde rund 90000 Kubikmeter Wasser zu - aus Kirchenpingarten und von der Seybothenreuther Gruppe. Auch diese verfügt über einen eigenen Tiefbrunnen in Draisenfeld. Der kleine Nachbarort versorgt selbst nur rund 2000 Personen, verkauft aber 140000 Kubikmeter Wasser im Jahr an sogenannte Wasserkunden.
Die Stadtwerke Bayreuth betreiben insgesamt 15 Tiefbrunnen, die bis zu 180 Meter tief sind. Sie stehen bei Lehen, Seybothenreuth und am Eichelacker im Westen der Stadt. Dazu kommen Quellen aus dem Fichtelgebirge. Über die Hälfte der fünf Millionen Kubikmeter Wasser bezieht Bayreuth aber von der Fernwasserversorgung Oberfranken.
Die Benker Gruppe versorgt die Bindlacher Ortsteile Benk, Deps und Katzeneichen, die Goldkronacher Stadtteile Dressendorf, Leisau und Kottersreuth, sowie die Bad Bernecker Stadtteile Neudorf und Goldmühl mit Trinkwasser. Dazu kaufen die Städte Goldkronach und Bad Berneck und die Gemeinde Himmelkron Wasser ein. Insgesamt verkauft der Zweckverband so rund 225000 Kubikmeter Trinkwasser. Das Wasser stammt aus Brunnen zwischen Bindlach und Ramsenthal und wird aus einer Tiefe von rund 150 Metern gefördert.