Statt im Glas aufs Brot Start-up: Hannah und Paulas Weinaufstrich

Dass man Wein auch in anderer, nicht flüssiger Form genießen kann, beweisen die Bayreutherinnen Paula Lipovac (links) und Hannah Kerschbaumer. Sie haben in Berlin das Start-up-Unternehmen Hannah & 
Paulas Cheers Weinaufstrich gegründet. Das gleichnamige Produkt gibt es in fünf Geschmacksrichtungen. Foto: red

BERLIN/BAYREUTH. Ein Apfelbaum als Denkanstoß? Bei der Fahrt mit dem Rad durch den Park im Gleisdreieck in Berlin kam Hannah Kerschbaumer beim Anblick des Baumes die Eingebung: Könnte man nicht einen fruchtigen Brotaufstrich herstellen, der sich von den gängigen Marmeladen, Mus und Cremes unterscheidet? Nach mehreren Gläsern Wein beim Gedankenaustausch mit ihrer Freundin Paula Lipovac war die Idee geboren: Warum Wein nur aus Gläsern trinken, wenn man ihn auch auf Brot streichen kann? Ein Start-up war – gedanklich – geboren: Hannah & Paulas Cheers Weinaufstrich.

Hannah und Paula – zwei junge Frauen, die eine langjährige Freundschaft verbindet. Sie stammen beide aus Bayreuth, besuchen das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium und ziehen nach dem Abitur im Jahre 2012 nach Berlin. Hannah wirft sich in ein Studium der Wirtschaftspsychologie, Paula strebt eine handwerkliche Karriere an, die ihrer schon langjährigen Passion entspricht: sie absolviert eine Kochlehre, erst im Restaurant Habel am Reichstag und dann im Hilton.

2014 wird sie zur zweitbesten Jung-Köchin Berlins gekürt. Genug kann bekanntlich nicht genügen. Und so ziehen die beiden Freundinnen weiter nach Barcelona: Hier absolviert Hannah den Master in Marketing und Commercial Management, während Paula ihre Kochkenntnisse in der Sterne-Gastronomie bei Albert Adrià vertieft.

Nach einem Jahr, mit dem Master in der Tasche und um viele Kocherfahrungen reicher, kehren beide nach Berlin zurück. Und nun? „Wir wollten uns selbstständig machen, wussten aber nicht womit“, sagt Paula Lipovac im Gespräch mit dem Kurier. Bis Freundin Hannah dem Apfelbaum begegnet. Nach einer weinseligen Nacht war klar: „Wir wollten einen Weinaufstrich kreieren, den man auch zum Kochen und Backen verwenden kann“, sagt Paula.

Versuchslabor Küche

Aus ihrer Küche in ihrer Wohnung in Lichtenberg wird ein Versuchslabor: „Wir haben zwei Monate lang getüftelt und getestet, haben die Weine ausgesucht und immer wieder gerührt, gerührt, gerührt“, sagt Paula. Die Herausforderung lag darin, das Bindemittel mit dem Alkohol in Einklang zu bringen.

Nach zwei Monaten konnten sie den Schneebesen zur Seite legen: Die Konsistenz entsprach ihren Vorstellungen und unterschied sich deutlich von gängigen Produkten. „Unsere Weinaufstriche sind absolut chemiefrei und tatsächlich handgerührt“, verspricht die Köchin. Ohne künstliche Zusatzstoffe oder Geschmacksverstärker.

Ein „authentisches und cooles Produkt“, das alle Testphasen mit Partnern und Freunden überstand. Fünf Produkte verließen serienreif Paulas Küche in kleinen, 200 Gramm fassenden Gläsern: Chardonnay, Rosé, Merlot, Cabernet Sauvignon und Pinot Grigio.

Große Nachfrage

Im Oktober 2018 wurde aus der Idee tatsächlich ein Start-up-Unternehmen: Nach dem Gang zum Notar war die Firma Hannah & Paula’s Cheers UG gegründet. Und jetzt begann die eigentliche Arbeit. Paula: „Montag und Dienstag stehen wir in der Küche, rühren und füllen den Aufstrich in Gläsern. Mittwoch und Donnerstag werden die Gläser etikettiert. Freitag ist Bürotag und am Wochenende stehen wir mit unseren Ständen auf Märkten.“

Die Nachfrage sei groß, die Resonanz äußerst positiv. Mittlerweile hätten auch Weinhandlungen und Feinkostläden ihre Aufstriche in ihr Sortiment aufgenommen. Auch der Verkauf über das Internet befinde sich im Aufwärtstrend. Die Besonderheit ihres Produktes liege in dessen Konsistenz, sagt Paula. Lagert man das Glas im Kühlschrank, sei der Aufstrich cremig und eigne sich zur Verköstigung zu Brot und Käse. Bei Zimmertemperatur werde der Aufstrich weich, sodass man ihn zum Kochen, zum Backen und zum Verfeinern verwenden kann.

Man könne den Aufstrich ebenso zum Frühstück genießen wie zum Abendbrot. Oder einfach zwischendurch. Ausgenommen schwangere Frauen: Wegen des Alkoholgehaltes raten Paula und Hannah vom Konsum während der Schwangerschaft ab.

Schwarze Zahlen

Leben können die Firmengründerinnen noch nicht vom Verkauf oder besser gesagt: wollen sie noch nicht. Sie schreiben wohl schwarze Zahlen, sagt Paula. Aber das Geld, das nach Abzug aller Kosten übrig bleibt, legen sie zurück, um Kosten zu begleichen, die sie noch nicht auf dem Schirm haben. Zum Beispiel Kosten für eine Untersuchung durch ein neutrales Lebensmittelinstitut.

Dieses Gutachten verlangt nämlich ein großes deutsches Lebensmittelunternehmen, das Interesse an Hannahs und Paulas Weinaufstrich bekundet hat. Die Befürchtung, dass ihr Produkt die Anforderungen nicht besteht, haben die Firmengründerinnen nicht. Nur eine Sorge treibt sie um: „Wenn die Jahrgänge unserer Weine ausgetrunken sind, müssen wir neue testen“, sagt Paula. Dann heißt es wieder: Viel Wein trinken und rühren, rühren, rühren.


Info: Weitere Infos zum Weinaufstrich findet man im Internet unter hannah-paula.com.

 

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