"Ich glaube nicht, dass wir bei Söder am Kabinettstisch sitzen wollen"
Markus Käser (41) aus Pfaffenhofen strebt ebenfalls an die Spitze der Bayern-SPD. Als Windrad-Verfechter hat er einen Bürgerentscheid gewonnen, erklärt er. „Es hat Morddrohungen gegeben und gekreuzte Metzgermesser vor der Haustüre.“ Er sagt: „Der Schulz-Hype übertüncht, dass nicht alles bestens ist bei der Bayern-SPD.“ Die acht Millionen Wählerinnen und Wähler in Bayern leben nicht alle in Großstädten. „Gewinnt die SPD auf dem Land nicht, wird Schulz auch nicht Kanzler. Scharf lehnt er eine Bayern-Groko ab: „Ich glaube nicht, dass wir bei Söder am Kabinettstisch sitzen wollen.“
In der Fragerunde nach der Kandidaten-Vorstellung ist die Rückkehr zum G9, dem neunjährigen Gymnasium, ein Thema. Florian von Brunn mahnt, andere Schulformen nicht zu vergessen. Barthel fragt, woher die G8-Idee gekommen sei, und antwortet, der Gedanke dahinter sei, den Menschen maximal und optimal zu verwerten.
Der Ruf nach Abschaffung der Rente mit 67 wird laut. Barthel sagt: „Die Debatte wird zynisch geführt von Professoren, die leicht länger arbeiten können gegenüber jenen, die nicht mehr können.“ Wie hältst Du es mit der Flüchtlingspolitik? Kohnen sagt, es fehle nach wie vor ein Einwanderungsgesetz. Und zum Beispiel ein Freihandelsabkommen mit Afrika.
Ihr Sohn hat ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana abgeleistet und dort erfahren, die Zölle auf Kakao seien so hoch, „dass die Leute gehen, weil sie nichts mehr verdienen“. Käser kann sich in der Diskussionsrunde eine Spitze gegen Kohnen nicht verkneifen: Wenn man schon acht Jahre am Ruder war, kann man sich nicht hinstellen und sagen: Wir machen jetzt einen Neuanfang.“
Hintergrund: Abstimmung Landesvorsitz
Bei dem Mitgliedervotum stimmen 59.000 Mitglieder der bayerischen SPD über den künftigen Landesvorsitz ab. Sieben Vorstellungsrunden gibt es, in jedem Bezirk eine. Eine Frau und fünf Männer kandidieren. Die Briefwahl beginnt am 3. April mit dem Versenden der Wahlunterlagen und dauert bis zum 11. Mai (Einsendeschluss). Die Stimmen werden am 12. Mai ausgezählt. Alle, die bis zum 3. April in die Bayern-SPD eintreten, dürfen noch mitwählen. Vereint eine Kandidatin oder ein Kandidat eine absolute Mehrheit der Stimmen in der Mitgliederbefragung auf sich, verzichten die Unterlegenen auf eine Kandidatur auf dem Parteitag.
Alle sechs BewerberInnen gaben schriftlich eine entsprechende Verzichtserklärung ab. Der Verzicht gilt auch für den Fall, dass keiner die absolute Mehrheit der Stimmen im Mitgliedervotum erreicht. Zur Wahl auf dem Parteitag in Schweinfurt am 20./21. Mai stellen sich dann die zwei KandidatInnen auf Platz Eins und Zwei der Mitgliederbefragung. Der Parteitag ist an das Mitgliedervotum nicht gebunden, kann sich der starken Willensbekundung aber wohl kaum entziehen.