Immer wieder fällt auch der Name von Familienministerin Franziska Giffey. Zwar könnte die Plagiatsprüfung ihrer Doktorarbeit einen Strich durch diese Rechnung machen. Berlins SPD-Fraktionschef Raed Saleh meint aber, die 41-Jährige hätte das Zeug zur Parteivorsitzenden. "Franziska Giffey ist ein Talent", sagt er. "Ihre Stärke ist, dass sie nicht ihren Kurs permanent wechselt, je nachdem wie es gerade im Mainstream passt, sondern sie hat eine Linie."
Giffey scheint sich schon vorsichtig warmzulaufen. "Es ist extrem wichtig, dass im Vorsitz jemand ist, der Bauch und Herz erreicht", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Genau dafür ist sie selbst bekannt. Zugleich spricht sich die Familienministerin indirekt für ein Führungsduo aus: "Wenn Sie eine schwere Aufgabe haben, arbeiten Sie doch lieber zusammen mit anderen Menschen, oder?"
Ein solcher Mensch könnte Weil sein. Der 60-jährige Ministerpräsident könnte mit seiner Erfahrung der Gegenpart zu Giffeys Unverbrauchtheit sein. Ein Mann aus den Bundesländern neben der Frau aus Berlin. Er ist in der Wirtschaftspolitik zu Hause, sie im Sozialen. Doch der Ruf nach Berlin, so hört man, müsste für Weil schon sehr laut sein. Eher zusagen würde womöglich Generalsekretär Lars Klingbeil. Der ist genauso jung wie Giffey, es wäre ein starkes Zeichen für einen SPD-Neuanfang.
Wie stellt man sicher, dass ein Führungsduo funktioniert? So richtig weiß man auch in der Wissenschaft nicht, wann und warum zwei Leute miteinander können. "Gleich und gleich gesellt sich gern", lautet die eine Theorie, "Gegensätze ziehen sich an" die andere. Bestimmte Charaktere schließt der Frankfurter Personalberater Heiner Thorborg aus: "Leute mit Ego-Problemen und mangelndem Teamgefühl, Mimosen, Kontrollfreaks, Geldgierige, Spielernaturen, Diven und vermeintliche Charismatiker eignen sich einfach nicht für Doppelspitzen", schrieb er mal im "Manager Magazin".