Segeln Sie haben ihre Jolle gut im Griff

Klaus Trenz
Bei einer Segelregatta auf dem Starnberger See schafften Benni und Jan in der Gesamtwertung nach drei Wettbewerben den zweiten Platz. Foto: Carsten Porzler

Bei einem Regattawochenende schafften Benjamin Strauß und Jan Porzler auf dem Starnberger See nach drei Wettläufen den zweiten Platz.

Wenn der Wind kräftig weht, die Gischt am Bug spritzt und das Boot wie von Geisterhand bewegt über das Wasser flitzt, dann sind Benjamin Strauß aus Illafeld, den alle nur Benni nennen, und sein Freund Jan Porzler aus Speikern in ihrem Element. Beide 17 Jahre alten Jugendlichen üben ein seltenes Hobby und einen anspruchsvollen Sport aus: das Segeln. Und sie haben noch mindestens eine Gemeinsamkeit. Beide lernen das Zimmermannshandwerk.

Zwei Zimmermänner auf hoher See, könnte man jetzt sagen. Aber so weit ist es noch nicht. Auf dem Meer haben die beiden Freunde ihre Jolle – so nennt man ein kleines Segelboot – noch nicht durch die Wellen getrieben, aber auf dem Happurger Stausee, wo ihr Segelverein, der Segelclub Hersbruck, zu Hause ist, und auf bayerischen Seen.

Gemeinsames Training hat sich ausgezahlt

Das gemeinsame Training von Steuermann Jan und seinem Vorschoter – so nennen Segler den Mann, der das Vorsegel bedient und bei Bedarf mit Sitzpositionen für das Gleichgewicht des Boots sorgt – hat sich erst kürzlich ausgezahlt. Bei einem Regattawochenende schafften sie kürzlich beim Ammerlander 420er Cup auf dem Starnberger See nach drei Wettläufen den zweiten Platz. „Die Freude war natürlich riesig“, so Carsten Porzler, stellvertretender Vorsitzender des Segelvereins: „Nicht nur vom Ergebnis her ist die Leistung der beiden zu würdigen, auch technisch sind sie auf einem sehr guten Stand. Jan und Benni hatten ihre Jolle jederzeit im Griff – auch vor dem Hintergrund, dass in Wettfahrt zwei und drei bei teils kräftigem Wind einige Konkurrenten und auch in der parallel stattfindenden Korsar-Regatta Boote kenterten.“

Über ihre Väter das Segeln kennengelernt

Carsten Porzler ist der Vater von Jan und es liegt auf der Hand, wo Jan seine Leidenschaft für das Segeln herhat. Bei Benni ist das nicht anders, Vater Uli Strauß ist selbst Segler und Inhaber einer Zimmerei in Illfeld. Beide erzählen ungefähr das Gleiche, wie sie zum Segelsport gekommen sind. Über die Väter haben sie als Kinder das Segeln kennengelernt und sind dann in die Jugendgruppe des Segelvereins Hersbruck eingetreten. Das hat sie auch zu Freunden gemacht und zu Berufskollegen. Benni tritt in die Stapfen des Vaters und lernt zurzeit das Zimmererhandwerk außerhalb des Elternhauses. Jan wurde von Bennis Vater als Auszubildender eingestellt.

Wasser ist für sie ein Element, mit dem sie sich auskennen, auch wenn sie nicht in einem Boot sitzen. Beide schwimmen gerne und sind auch sonst gerne draußen an der frischen Luft. Abgesehen von der Leidenschaft für das nasse Element dürfte für beide die Freundschaft zu Wind und Wetter ein großer Vorteil bei der Ausübung ihres Berufes sein. „Ich mag Wasser und bin gerne draußen.“ Benni kann da nur zustimmen.

„Es ist einfach cool, ohne Motorunterstützung schnell im Wasser unterwegs zu sein“, begründet Benni sein Engagement für sein Hobby. Und außerdem sei es ein Sport, für den man Kenntnisse, Taktik und Körpereinsatz braucht. Beigebracht haben ihnen dies nicht nur ihre Väter sondern, der Jugendwart des Vereins, Wolfgang Neumüller.

Das Segeln zu lernen sei eigentlich nicht schwierig, meint Jan, aber man brauche eben das, was man für jeden Sport braucht, wenn man ihn ausübt und dabei auch noch erfolgreich sein will: „Du musst dabei bleiben und Spaß haben“, erklärt Jan das einfache Rezept. Trainiert wird in der Jugendgruppe des Segelvereins ein Mal in der Woche.

Die Frage, ob Segeln ein kostspieliges Hobby ist, verneinen Benni und Jan. „Man braucht nicht unbedingt ein eigenes Boot.“ Immerhin gebe es den Segelverein, auf dessen Booten man den Sport ausüben kann. Einen Segelschein, welcher ab 15 Jahren gemacht werden kann, benötige man auch nicht unbedingt für das Hobby, für die Teilnahme an Wettbewerben allerdings schon. Aufwendiger hingegen sei dann allerdings die Teilnahme an Segelregatten. Das fängt mit dem Transport des Bootes an den jeweiligen See an, was ohne Übernachtung kaum machbar sei. Dann folge die Hoffnung auf guten Wind am nächsten Tag und dann folgt der Wettbewerb. Das alles brauche immer ein ganzes Wochenende und sei zeitintensiv. Und weil die beiden noch keinen Autoführerschein haben, braucht es auch die Unterstützung der Eltern und des Vereins, auf die sie sich aber verlassen können.

Bald mit Meerwasser unter dem Kiel

„Wir wollen nächstes Jahr möglichst viele Regatten segeln“, sagen beide.

Der Erfolg am Starnberger See hat für das Vorhaben auch mächtig Motivation gebracht. In naher Zukunft wollen Benni und Jan auch Meerwasser unter dem Kiel haben. Bennis Vater Uli sorgt da für Zuversicht. Beide Seglerfamilien wünschen sich einen gemeinsamen Urlaub am Meer. Mit Segelboot natürlich, viel Wasser drumherum und einer Handvoll fränkischer Zimmermänner an Bord.

 

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