Sechs Tote bei Massenkarambolage

Schreckliches Unglück in der Silvesternacht: Im dichten Nebel krachen auf der A7 mehrere Fahrzeuge ineinander. Sechs Menschen sterben, darunter Teenager. Zehn Menschen wurden verletzt, wie die Polizei Schwaben Süd/West am Sonntag mitteilte. Einige überleben schwer verletzt. Zunächst herrscht solch ein Chaos, dass die Rettungskräfte keinen Überblick haben.

 
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Etwa gegen 1 Uhr kollidierten nahe Bad Grönenbach drei Sattelzüge und neun Autos. Zunächst waren nach bisherigen Erkenntnissen die Lastwagen und mehrere Autos in den Unfall verwickelt, wie ein Polizeisprecher am Mittag sagte. «Das ging wohl relativ glimpflich aus.» Doch dann krachte ein Auto mit fünf Menschen in die Unfallstelle. Später folgte noch der Wagen eines 23-Jährigen, der alleine im Auto unterwegs war. Diese sechs Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Ein junger Mann und vier junge Frauen im Auto

Das mit fünf Leuten besetzte Auto hatte den Angaben zufolge ein 22-Jähriger gesteuert. Bei ihm im Wagen saßen vier junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Die Opfer stammen aus den Landkreisen Unterallgäu und Neu-Ulm sowie aus der Stadt Memmingen. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht.

«Von Routine kann in so einem Fall keine Rede mehr sein», sagt einer der Einsatzleiter von der Integrierten Leitstelle Donau-Iller des Bayerischen Roten Kreuzes, Thomas Pfaus, am Sonntag. Der Nebel sei so dicht gewesen, das habe er noch nie erlebt: «Wirklich nur wenige Meter Sicht.» Das gilt schon jetzt als eine der Unfallursachen.

Unübersichtliche Lage in der Nacht

In der Nacht war die Lage so unübersichtlich, dass die Polizei lange keine Angaben zur Zahl der Toten und Verletzten machen konnte. «Wir sind anfangs von 30 Betroffenen ausgegangen», sagt Pfaus. Entsprechend umfassend seien die Helfer alarmiert worden. 80 Prozent von ihnen arbeiteten ehrenamtlich, mussten Silvesterfeiern verlassen.

Hinzu kommt, dass der Unfallort in einem Gebiet ohne Ballungszentrum liegt. Das heißt: lange Anfahrtswege für die Rettungskräfte, wie Pfaus deutlich macht. Und auch in die Krankenhäuser sind es 30 bis 40 Kilometer. Weit mehr als 30 Fahrzeuge sind ihm zufolge letztlich im Einsatz, rund 100 Einsatzkräfte - einige kommen nach und bringen Getränke an die Unfallstelle, die von Wrackteilen übersät ist. Selbst ein Tierarzt war vor Ort, er musste sich um einen Hund kümmern.

Noch keine Angaben zu Tempo und Alkohol

Die Unfallursachen müssten noch geklärt werden, sagt Polizist Krautwald. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. «Vermutlich ist eine Nebelbank aufgezogen», sagt Krautwald. «An der Unfallstelle gilt die Richtgeschwindigkeit 130 km/h.» Ob das Tempo oder auch Alkohol eine Rolle spielten, könne er noch nicht sagen. Gegebenenfalls müssten Blutentnahmen angeordnet werden.

Vielleicht haben die Autofahrer die Lastwagen vor sich im dichten Nebel einfach viel zu spät gesehen. «Es sieht so aus, als seien sie mit voller Geschwindigkeit aufgefahren», sagt Pfaus.

Sperrung bis zum Nachmittag

Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, ebenso Kriseninterventionsteams. Die Polizei stoppte den Verkehr auf der A7 zunächst komplett. In Fahrtrichtung Ulm blieb sie wegen der aufwendigen Rettungsarbeiten bis in den Nachmittag gesperrt. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere Hunderttausend Euro.

Schon zuvor schwere Unfälle

Ebenfalls im Unterallgäu waren Ende November vier Teenager bei einem Unfall ums Leben gekommen. Auf dem Weg zu einem Jugendtreff hatte ein 18-jähriger in einer langen Rechtskurve in Markt Rettenbach bei stark überhöhter Geschwindigkeit die Gewalt über das Fahrzeug verloren. Das Auto kam von der Straße ab, prallte gegen einen Baum und wurde in zwei Teile gerissen. Ein 16-Jähriger überlebte schwer verletzt.

Weniger Verkehrstote deutschlandweit, mehr in Bayern

Am Donnerstag hatte der ADAC seine Prognose veröffentlicht, wonach die Zahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen 2016 auf einen Tiefststand gesunken sein dürfte. Der Berechnung des Autoclubs zufolge starben rund 3280 Menschen auf den Straßen in der Bundesrepublik, 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Diesem Trend entgegengesetzt war die Entwicklung zuletzt in Bayern. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamts kamen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres 531 Menschen bei Verkehrsunfällen im Freistaat ums Leben. Das war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 528 Todesopfer ein leichter Anstieg. Insgesamt gab es nach Angaben der Statistiker in dem Zeitraum fast 330 000 Unfälle auf Bayerns Straßen. Von Januar bis Oktober 2015 waren es rund 323 000.

Dieser Artikel wurde um 17.50 Uhr aktualisiert.

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