Schmerzensgeld Mann für homophobe Prügel-Attacke verurteilt

Foto: red

BAYREUTH. Strafrichter Daniel Götz ist überzeugt, dass ein 33-jähriger Bauarbeiter einen 32-jährigen Gastronomieangestellten geprügelt hat. Der mutmaßlich homophobe Angriff kostet den Verurteilten 4500 Euro Geldstrafe und zusätzlich 1200 Euro Schmerzensgeld.

Die Tat vom 21. November 2018 war jetzt bereits ein zweites Mal Gegenstand eines Strafprozesses. Bei einem ersten Versuch im März – noch bei Amtsrichter Torsten Meyer – hatte der wegen Körperverletzung angeklagte Bauarbeiter die Vorwürfe bestritten und einen Entlastungszeugen mitgebracht: Einen Freund, der wie der Bauarbeiter aus Russland stammt. Der Prozess wurde damals abgebrochen und Nachermittlungen in Auftrag gegeben. Im zweiten Anlauf bei Meyers Nachfolger Götz blieb der Angeklagte dabei: „Ich war das nicht. Das ist eine Verwechslung.“ So musste sich der Richter zunächst einmal auf die Aussage des Opfers stützen. Der Mann, der als Nebenkläger am Prozess teilnahm, schilderte, dass er an jenem Tag etwas zu feiern hatte, nämlich einen festen Job. Als Ort der Feierlichkeiten suchte man sich eine der wenigen Kneipen in Bayreuth aus, die rund um die Uhr geöffnet haben: Die „Endstufe“ in der Friedrich-Ebert-Straße.

Schläge für eine alltägliche Bemerkung

Dort feierte der Nebenkläger mit einem Freund, auch der Angeklagte war mit einem Trinkkumpan vor Ort. Und es kam dazu, dass der Nebenkläger am Morgen gegen 4.20 Uhr mit den zwei Deutschrussen Darts spielte: „Es gab eine Unterhaltung über Eheprobleme.. Ich sagte, ich hätte keine Eheprobleme und den Satz: Mit meinem Mann ist alles in Ordnung.“ Da habe er vom Angeklagten einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Zunächst baff ging der Nebenkläger dem Angreifer hinterher, stellte ihn vor der Kneipe zur Rede und bekam weitere Prügel: „Ich wehrte mich. Sein Freund ging dazwischen.“

Polizei liefert entscheidende Hinweise

Gegen diesen Freund, einen 41-Jährigen, ermittelt die Staatsanwaltschaft seit dem ersten Prozessversuch wegen Verdachts auf Falschaussage. Trotzdem sagte er beim zweiten Prozess erneut aus: Da sei „nix“ gewesen. Warum Richter Götz den Angeklagten trotzdem für überführt hält? Der Verletzte ging gleich nach den Prügeln um die Ecke, wo ein Polizeiauto stand, beschrieb einer Polizisten einen Mann, der ihn „wegen meiner sexuellen Ausrichtung“ verprügelt habe und zeigt der Beamtin wenige Minuten später den mit seinem Freund kommenden Täter. Die Aussage der Polizistin und Fotos von den geröteten Fingerknöcheln gaben bei der Abwägung des Richters den Ausschlag, dem Opfer zu glauben. Der Verurteilte beharrt weiter darauf, verwechselt worden zu sein. Noch im Gerichtssaal wurde protokolliert, dass er Berufung einlegt.

 

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