Herr Hornfeck, Sie bei Sandler bekommen derzeit viele Anfragen, ob Sie Schutzmasken liefern könnten: Was antworten Sie darauf?

Ulrich Hornfeck: Dass wir keine Masken herstellen, sondern nur die Vliese dafür. In der Tat haben wir derzeit sehr viele Anfragen, ob wir nicht mal ein paar Kartons Masken vorbeibringen könnten. Können wir leider nicht: Wir sind nur ein Teil der Herstellungskette.

Wer fragt an?

Hornfeck: Momentan ist ja die gesamte Gesellschaft extrem nervös. Ob berechtigt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt Papier, aber Fakt ist: Jeder möchte sich vorbeugend schützen. Behörden, Verbände, die Industrie, Hospitäler und Krankenhäuser – jeder versucht, für sich einen Notfallplan zu entwickeln, was passiert, wenn sich das Corona-Virus in größerem Umfang in Deutschland ausbreitet. Dazu kommen noch Anfragen aus dem Handel, wo ein gewisses Geschäft gewittert wird. Und natürlich auch die anderen Glieder der Herstellungskette fragen an, viele davon aus Fernost. Gerade in China brauchen sie viel Rollenware. Denn das ist es, was wir herstellen: Vliese als Rollenware, die beispielsweise in China zu Masken verarbeitet werden.

Was ist an der jetzigen Situation neu für Sie?

Hornfeck: In der Tat liefern wir zum ersten Mal Vlies für Masken direkt nach China. Das ist schon in etwa so wie Eulen nach Athen tragen: Dort werden ja generell viel mehr Masken getragen, daher gibt es dort auch eine Vielzahl an Herstellern. Normal ist die Situation momentan also nicht.

Welche Rolle spielt das besagte Vlies normalerweise in Ihrem Produktionsalltag?

Hornfeck: Es ist in den vergangenen Jahren immer ein Nischenprodukt gewesen. Es ist im Portfolio vorhanden, aber nicht in großem Umfang. In der jetzigen Situation versuchen wir, neue Kapazitäten aufzubauen, ohne bestehende Lieferketten zu verletzen.

Wie schnell können Sie aufstocken?

Hornfeck: Wir haben tatsächlich sehr schnell gehandelt. Aus unseren Erfahrungen mit Sars und der Vogelgrippe wussten wir, dass die Anfragen kommen würden. So haben wir zügig ein Kernteam aufgebaut, das sich um Beschaffung, Produktion und Vertrieb gekümmert hat – wir konnten das auch relativ schnell umsetzen.

Welche Mengen an Vlies für Masken produzieren Sie mittlerweile?

Hornfeck: Momentan liefern wir täglich Vlies für fünf Millionen Masken aus. Das ist gerade so möglich, das wird sicher auch nicht das ganze Jahr so bleiben können, aber in der Spitze schaffen wir das.  

Wie schnell ist diese Menge vergriffen?

Hornfeck: So schnell, wie wir sie produzieren. Es gibt unheimlich viele Anfragen, eine insgesamt wirklich große Nachfrage. Allein die chinesische Staatsregierung hat die Order herausgegeben, dass die gesamte Bevölkerung OP-Masken zu tragen habe. Da muss man nicht viel rechnen, wenn man bedenkt, dass 1,3 Milliarden Menschen jeweils drei bis vier Masken kaufen müssen. Diese enorme Nachfrage verteilt sich aber auf sehr viele Nachfrager und Hersteller, sodass der tatsächliche Bedarf für uns schwer einzuschätzen ist. Ich glaube, dass alle Hersteller weltweit die nächsten drei bis vier Monate schwer damit beschäftigt sein werden.

Wie lange hat die Produktionsspitze bei Sars und der Vogelgrippe angedauert?

Hornfeck: Etwa ein halbes Jahr. Das ist so bei Epidemien: Erst ist der Bedarf da, und danach müssen die Lager wieder gefüllt werden. Da jetzt allerdings China so stark betroffen ist, gehe ich davon aus, dass sich das Ganze länger hinziehen wird. Dazu sei gesagt: Eine OP-Maske, wie sie dort vorgeschrieben ist, ist nur ein Ansteckungsschutz für andere, nicht für einen selbst – man trägt sie, wenn man nicht weiß, ob man infiziert ist und andere nicht anstecken möchte. Will man sich selbst schützen, braucht man eine Atemschutzmaske, die dicht abschließt. Die Vliese dafür fertigen wir ebenfalls. Auch hier stellen wir eine höhere Nachfrage fest, wenn auch nicht vergleichbar mit den Vliesstoffen für OP-Masken.  

Leiten Sie aus den regelmäßig wiederkehrenden Nachfrage-Spitzen schon eine generelle Aufstockung Ihrer Produktionskapazitäten ab?

Hornfeck: Der Markt der Medikalprodukte ist auf viele Lieferanten aufgeteilt. Und neue Produktionsanlagen zu errichten, braucht Zeit. Bislang leiten wir aus der Situation keine Handlungsempfehlung an uns ab.