Ruf nach Ordnungsgeld Eichelberg: Zoff um Zartner

BAYREUTH. Die emotionale Debatte um das Bebauungsplan-Verfahren für den Eichelberg hat durch ein verbale Auseinandersetzung zwischen dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Bauske und dem DU-Stadtrat Helmut Zartner einen Endpunkt bekommen. Und: Zartner soll auch gegenüber Zuschauern ausfällig geworden sein. Durch zweimaligen Zeigen des Stinkefingers.

In den Sitzungen der Stadtratsgremien ist es oft Zartner, der poltert, dazwischen ruft, sich von der Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wiederholt Ermahnungen ob seiner Ausdrucksweise eingefangen hat. So auch am Dienstag. Gegen Ende der drei Stunden, in denen es um den Tagesordnungspunkt Eichelberg geht, holt Zartner Luft und beschwört „die zwei Heiligen, die hier im Raum schweben: St. Florian und St. Bürokratius“. Zartner spricht von „erschütternder Polemik“ im Laufe der Diskussion. Er fühle sich, als wolle man sich, „wegen einer Fläche, auf der Mais und Raps angebaut werden“, aufschwingen, „um in Bayreuth die Welt zu retten.

Kühe pupsen zu viel, sagt Zartner

Feldfrüchte, die angebaut werden, um anschließend an Kühe verfüttert zu werden. Die wiederum – tritt Zartner der vorher geführten Klima-Diskussion entgegen – mit Methan ein viel schlimmeres Gas produzieren und viel pupsen würden. Am Eichelberg, sagt Zartner, wollten doch nur Menschen ein Haus bauen. Menschen, die nach Bayreuth kommen wollten. Die sollte man willkommen heißen, mitsamt der Investition „von 80 bis 90 Millionen Euro“. Das solle man gefälligst „nicht schlecht reden“.

Bauske wendet sich mit persönlicher Erklärung ans Gremium - Zartner kontert

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske setzt zum Ende des Tagesordnungspunktes wegen der Aussagen Zartners zu einer persönlichen Erklärung an: Der sei „vielleicht ein guter Tierarzt, aber ein elender Polterer“, der sich oft nur zu Wort melde, „um alle anderen zu diskreditieren. Das ist leidig und lästig“, sagt Bauske. Obwohl eine persönliche Erklärung nach der Geschäftsordnung des Stadtrats nicht mit Gegenrede beantwortet werden darf, verschafft sich Zartner Rederecht und zitiert frei nach Adenauer: „Die einen kennen mich, die anderen können mich. Dankeschön.“ Was Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe als Sitzungsleiterin mit einer Rüge für Zartner beantwortet.

Tierarzt und Stadtrat: Dr. Helmut Zartner. Foto: Archiv
Tierarzt und Stadtrat: Dr. Helmut Zartner. Foto: Archiv

Zeugen sagen: Zartner zeigt zwei Mal den Stinkefinger

Was zu dem Zeitpunkt dem Stadtrat nicht bekannt ist: Zartner soll um 17.52 und um 18.06 Uhr dem Publikum zwei Mal den Stinkefinger gezeigt haben, „um seine Missachtung gegenüber der im Großsen Sitzungsaal anwesenden Zuschauern zum Ausdruck zu bringen“, schreibt Mirko Matros in einer Mail an die Oberbürgermeisterin und den berufsmäßigen Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer, die unserer Zeitung vorliegt. Die Zuhörer saßen dicht gedrängt nicht nur auf den Zuhörer-Stühlen hinten im Saal, sondern zum Teil auch in den Reihen, die sonst vom Stadtrat belegt werden. Mirko Matros, der die Bürgerinitiative für Augenmaß am Eichelberg mit angestoßen hat, sagt im Kurier-Gespräch, mindestens sieben Zuschauer hätten gesehen, wie der DU-Stadtrat den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt habe. Matros fordert, ein Ordnungsgeldverfahren gegen Zartner einzuleiten. Die Zeugen behielten sich vor, Strafantrag wegen Beleidigung zu stellen. Matros entschuldigt sich in dem Schreiben aber auch wegen „geäußerten Vorhalten“ von Mitgliedern der Initiative, die Merk-Erbe und Stadträte gefragt hätten, wie viel Geld sie denn vom Investor bekämen. Das sei „ebenso nicht tolerierbar“.

Helmut Zartner dementiert: "Das ist Quatsch"

Helmut Zartner dementiert das auf Anfrage unserer Zeitung: „Das ist Quatsch.“ Er habe sich „nicht mal umgedreht“. Hinter ihm habe außerdem der Chef des Bauhofs gesessen. Er habe sich ausschließlich mit Bauske auseinander gesetzt mit dem Adenauer-Zitat, weil es sich bei der ganzen Diskussion aus seiner Sicht um Wahlkampf handle. Ihn habe vielmehr gewundert, „dass Merk-Erbe nicht den Saal geräumt hat“ wegen der Unmutsbekundungen aus dem Publikum. Er habe für sich sowieso beschlossen: „Ich kandidiere nicht mehr. Ich habe jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich da drin hocke.“

 

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