Rap im Museum Im Iwalewahaus treten lokale Rapper und Flüchtlinge auf

In diesem Jahr verwandelt sich das Iwalewahaus zum zweiten Mal in ein kleines Mekka für Hip-Hop-Interessierte: Die Puerto Session bringt Bayreuther und Flüchtlinge mit Musik zusammen. Foto: Michael Sack

BAYREUTH. Eigentlich ist Bayreuth vor allem bekannt für die Wagner-Festspiele. Klassische Musik. Hochkultur. Dass es hier auch außerhalb des Klassik-Kosmos’ eine sehr lebendige Hip-Hop-Subkultur gibt, ist vielen kaum geläufig. Die Puerto Session im Iwalewahaus, dem Museum mitten in der Innenstadt, soll heute Abend Rap-Musik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Das Besondere: Es werden nicht nur lokale Musiker auf der Bühne stehen, sondern auch Flüchtlinge, die ihre selbst geschriebenen Texte performen.

„Rap-Musik ist ein Stil mit ganz vielen Komponenten“, sagt Michael Sack, der unter dem Pseudonym Zac bereits seit über 15 Jahren in Bayreuth Musik macht. Er hat die Puerto Session, die heute im Iwalewahaus zum zweiten Mal stattfindet, maßgeblich auf die Beine gestellt. Es ist ein Musikstil, sagt Sack, mit dem man „viel ausdrücken“ kann. „Man benötigt sehr wenig, um Rap zu machen.“ Er lacht. „Eigentlich braucht man nur seine Stimme und das Gehirn.“ Es sei ein Musikstil, der eine breite Teilhabe ermögliche. „Die meisten Beats bekommt man einfach bei Youtube. Dann kann man schon loslegen.“

Michael Sack arbeitet seit sechs Jahren als Sozialpädagoge beim Verein Condrobs, einem Träger für soziale Hilfsangebote. „Seit 2013 betreuen wir dort auch Flüchtlinge.“ Die Jugendlichen hätten meistens sehr schwierige Vergangenheiten. Rap-Musik sei für viele seiner Schützlinge ein wichtiges Ventil, um ihre Erlebnisse auf eine kreative Art zu verarbeiten. „Die meisten komponieren Lieder, die ihren Familien in der Heimat gewidmet sind. Sie wollen denen daheim Hoffnung machen, ihnen sagen, dass sie hier in Sicherheit sind.“

Es gehöre aber auch viel dazu, sich auf eine Bühne zu stellen und seine eigene Musik vor Publikum zu singen. „So ein Auftritt steigert natürlich das Selbstvertrauen und es ist für die jungen Künstler ein schönes Gefühl, wenn sie für ihre Texte Zuspruch ernten und möglichst viele interessierte Zuhörer erreichen.“

Das Iwalewahaus biete außerdem „perfekte Bedingungen“ mit seinem großen Foyer. Die Leitung des Museums sei sofort dabeigewesen, als Michael Sack sie für die Veranstaltung angefragt hatte. „Mir half auch der private Kontakt zu Lena Naumann, sie ist Assistentin der Museumsleitung.“ Die Räume im Iwalewahaus werden den Künstlern heute kostenlos zur Verfügung gestellt. „Das ist natürlich auch wichtig für uns“, sagt Sack.

„Wir betreiben im Iwalewahaus quasi eine Politik der offenen Tür“, sagt Lena Naumann. „Es ist uns wichtig, solche Veranstaltungen zu unterstützen.“ Die Puerto Session sei ein guter Abschluss für den Auftakt der Interkulturellen Woche, die bereits heute Nachmittag am La-Spezia-Platz offiziell beginnt.

Auf der Bühne werden lokale Szene-Rapper wie Superphad, b-kwem und Da Why stehen. Die Flüchtlinge, die ihre Texte rappen, stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Somalia.


Info: Die Puerto Session #2 findet heute um 21 Uhr im Iwalewahaus statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

 

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