Prozess Nasenstüber mit Salatgurke

Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

BAYREUTH/KULMBACH. Was passiert, wenn eine Salatgurke eine Nase trifft? Die Nase blutet, die Gurke bricht. So soll es im Fall eines 36-Jährigen aus Kulmbach gewesen sein, der nun bei der Berufungskammer des Landgerichts eine wesentliche Korrektur seines erstinstanzlichen Urteils erreichte. Aber nicht, weil er sagte: „Ich bin ein ganz Lieber“, sondern weil das Tatopfer seine belastende Aussage abänderte.

In dem Fall geht es um die Auseinandersetzung zweier Flüchtlinge aus dem Iran. Und es geht um Respekt, den der Angeklagte dem sechs Jahre älteren Kontrahenten versagt haben soll: Er soll im April 2018 einen Gruß nicht erwidert haben, weshalb der Ältere den Jüngeren in der Obstabteilung des Kauflands zur Rede stellte. Ein Streit entstand, an dessen Ende der Ältere aus der Nase blutete, eine Verkäuferin darauf bestand, die zerbrochene Gurke müsse bezahlt werden und zwei Polizisten eine Anzeige wegen Körperverletzung aufnahmen.

Im Prozess vor dem Amtsgericht in Kulmbach sagte der 42-Jährige aus, der Angeklagte habe ihm die Gurke auf die Nase geschlagen. Und weil der Angeklagte aufgrund dreier kleinerer Delikte vorbestraft war, setzte es diesmal eine Freiheitsstrafe: Vier Monate für eine vorsätzliche Körperverletzung, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

In der Berufungsverhandlung erklärte Verteidiger Ralph Pittroff, warum man trotz der Bewährung Rechtsmittel eingelegt habe: Der Vorfall sei nicht so passiert. Eine vorsätzliche Körperverletzung sei der Nasenstüber nicht gewesen. Und der Angeklagte kündigte an: Sein Kontrahent von damals werde diesmal die Wahrheit sagen – der Mann sei nämlich zwischenzeitlich vom Islam zum Christentum konvertiert. Als auch der Zeuge betonte, er spreche die Wahrheit, weil er nun Christ sei, warf der Vorsitzende Richter Torsten Meyer ein, zahllose Christen hätten in der Vergangenheit schon die Unwahrheit vor Gericht gesagt.

Doch die Aussage des Zeugen ließ die Tat in milderem Licht erscheinen: Der Zeuge sagte, er sei seit Kindheit Epileptiker, nehme aber ab und an seine Medikamente nicht. So auch im April 2018, so dass er über den Umstand, von dem Jüngeren nicht gegrüßt worden zu sein, sehr erbost gewesen sei. Er habe ihn zur Rede gestellt, ihn bei dem Streit an der Schulter gepackt und ihm ins Gesicht gespuckt. Da habe der Angeklagte sich losgerissen, ihn im Gesicht getroffen, vielleicht mit der Faust, vielleicht mit der Gurke.

Weil die Verletzung nicht schwerwiegend war, weil die Tat schon sehr lange zurück liegt und weil nunmehr ein Vorsatz nicht mehr sicher war, wurde das Verfahren gegen eine Arbeitsauflage von 100 Arbeitsstunden eingestellt.

 

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