Protest am Campus Tillschneider nicht willkommen

BAYREUTH. Sie waren wenige, dafür aber laut: Gut 30 junge Männer und Frauen haben am Samstagvormittag gegen den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider protestiert. Der ist Privatdozent der Universität Bayreuth und gilt in seiner Partei als Rechtsaußen.

Polizisten und ein Sicherheitsdienst sorgten dafür, dass die Gruppe das Gebäude GW I nicht betritt. Zwar haben dies einige durch eine Hintertür versucht. Doch die Polizei forderte sie auf, wieder nach draußen zu gehen.

Tillschneider kam mit einem Karton Bücher im Arm. Im Foyer begegnete er Prof. Anno Mungen vom Lehrstuhl Theaterwissenschaft und Musiktheater, Mitglied der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften. Er sei einer jener, der Gender Studies und Karnevalsforschung betreibe. Tillschneider schien überrascht und reagierte auf die Konfrontation ausweichend. An der Universität gelte die Freiheit der Wissenschaft, jeder dürfe seine Meinung äußern. Er habe selbst Judith Butler gelesen - eine amerikanische Philosophin ("Das Unbehagen der Geschlechter“) und das sei keine Wissenschaft. Dann entschuldigte er sich, er müsse zu seinem Seminar. Diese Aussage wertete Mungen als Zeichen von "Unkenntnis und Ignoranz".

"Kein Recht auf Nazi-Propaganda"

Wenige Minuten später war Tillschneider zurück. Offenbar waren keine Studenten gekommen. Von den Protestlern schallte ihm vor der Eingangstür ein "Es gibt kein Recht auf Nazi Propaganda entgegen". Die überschaubare Gruppe, die Transparente mit "Nazis vom Campus jazzen" und "Wir vertreten nicht die Uni Bayreuth" mitführte, beschallte den Platz auch mit lauter Musik. Der Aufruf zum "Spaziergang über den Campus" war vor ein paar Tagen mittels gelber Plakate ergangen. Mehrere angesprochene Teilnehmer, wer dies organisiert habe und ob sie sich äußern wollten zu dem umstrittenen Dozenten, blieben stumm.

Eine Studentin aus Aserbaidschan, Aygul Aliywa, hielt ein Schild hoch, das an den rassistischen und gewalttätigen Ku-Klux-Klan aus den USA erinnert. Sie sagte offen: "Ich bin keine Muslimin, aber es beunruhigt mich, wenn ein Mensch, der den Islam offensichtlich ablehnt, hier Islamwissenschaft unterrichtet."

"Nicht sehr scharfsinnig"

Tillschneider wirkte wenig beeindruckt von dem Protest. Auch nicht, als die lautstarke Gruppe etwas näher rückte. "Das erscheint mir nicht sehr scharfsinnig", sagte er gegenüber dieser Zeitung. "Ich bin an sich ein toleranter Mensch. Wer glaubt im Vollbesitz der Wahrheit zu sein, dem muss klar sein, dass dies der Keim des Totalitarismus ist." Tillschneider verschwand wieder im Gebäude. Er sei verpflichtet, das Seminar anzubieten. "Ich bleib da jetzt." Für seine Einführung in das islamische Recht, für die vier Termine angesetzt wurden, sind Arabisch-Kenntnisse erforderlich. Ob noch jemand kam? Die Tür zum Seminarraum blieb zu.

Der Kanzler der Universität, Markus Zanner, sagte auf Nachfrage, Tillschneider gehe es darum, seinen Status als Privatdozent nicht zu verlieren. Die Fakultät habe ihm die Lehrbefugnis erteilt, daher müsse er die Lehrveranstaltung anbieten. Zanner wird deutlich: "Wir brauchen ihn nicht." Wenn das Seminar ausfällt, weil keiner teilnimmt, seien das Gründe, die von Tillschneider nicht zu vertreten sind.