Öffentliches WLAN Wenig Internet auf dem Land

Der Internet-Hotspot am Kulmbacher Marktplatz gehört zu den rund 20 000 Zugängen des kostenlosen Bayern-WLAN. 2017 startete der Punkt 
seinen Betrieb. Foto: Stefan Linß

KULMBACH/MAINLEUS. Der Ausbau des drahtlosen Gratis-Internets kommt in Bayern voran. Doch abseits der Hotspots sind öffentliche Zugangspunkte im Landkreis Kulmbach weiterhin rar gesät.
Weltweit gehört das Gratis-Netz mittlerweile in Hotels und Flughäfen, Imbissfilialen und Einkaufszentren ebenso zum Standard wie in vielen Taxis oder Bussen. Wer mit dem Smartphone unterwegs ist, kann an unzähligen Orten ohne Probleme kostenlos im Internet surfen. In Deutschland kam der Ausbau der WLAN-Hotspots vergleichsweise langsam voran. Wie kleine Oasen in der WLAN-Wüste sind nun neue Standorte auch im Landkreis Kulmbach entstanden. Trotzdem gilt immer noch: Je ländlicher die Region, desto seltener die Hotspots.

Bayern erreicht sein Ziel: Bayern wollte sich an die Spitze des WLAN-Ausbaus setzen und den Freistaat mit einem engmaschigen Netz überziehen. Im Juni dieses Jahres hat die bayerische Staatsregierung ihr Ziel vorzeitig erreicht. 2015 lautete die Vorgabe des damaligen Finanz- und Heimatministers und heutigen Ministerpräsidenten Markus Söder, dass spätestens bis 2020 in Bayern 20 000 sogenannte Accesspoints entstehen sollten. Die Investition in die digitale Infrastruktur kostete mehr als 15 Millionen Euro. Mittlerweile sind alle 20 000 öffentlichen drahtlosen Internet-Zugangspunkte in Betrieb.

Von der Plassenburg bis zum Finanzamt: Zu den Standorten des Bayern-WLAN in Kulmbach zählen die Plassenburg, das Rathaus im Innen- und Außenbereich, die Touristinformation am Eku-Platz, das Finanzamt, das Max-Rubner-Institut und der Bahnhofsplatz mit dem alten Spinnereigelände. Wer abseits von den stärker frequentierten Orten aufs Land fährt, sucht meist vergeblich nach einem kostenfreien WLAN-Signal.
Im Landkreis Kulmbach gibt es immerhin noch eine Reihe weiterer Zugangspunkte zum Bayern-WLAN: in Mainleus am Rathaus und am Freibad, im Thurnauer Schloss, auf den Marktplätzen in Kasendorf und Wonsees, in der Dorfmitte von Großenhül, in Himmelkron am Bauhof und im Schwimmbad, in Wirsberg am Rathausplatz, am Radonplatz in Marktleugast und im Ortskern von Marienweiher.
Nicht jeder Nutzer ist mit einem mobilen Datenvolumen ausgestattet. Wer beispielsweise als Tourist unterwegs ist, lernt die öffentlichen WLAN-Zugänge zu schätzen. Die Digitalisierung schreitet voran. Das erkennen auch Unternehmen, die Kunden an ihr Haus binden wollen. In Kulmbach bietet unter anderem das Einkaufszentrum „Fritz“ einen kostenlosen Zugang an.

Digitale Chancengleichheit: Kostenfrei, sicher, unbegrenzt und anonym surfen die Nutzer des Bayern-WLAN im Internet, verspricht das Finanz- und Heimatministerium. Es gehe dabei um die digitale Chancengleichheit. Damit Menschen, die keine Mobilfunk-Flatrate haben, auch ins Netz gehen können. Das Bayern-WLAN ist mit einem Jugendschutzfilter ausgestattet, der mehrmals täglich aktualisiert wird. Nach Auskunft des Bayern-WLAN-Zentrums in Straubing werden aktuell an den 20 000 Hotspots monatlich 850 000 Gigabyte Daten von rund 7,2 Millionen Nutzern umgesetzt. Es sind keine Registrierung, Passwörter oder Anmeldedaten nötig. Darüber hinaus gibt es das Bayern-WLAN rund um die Uhr. Nur in Mainleus ist neuerdings die Zeit begrenzt.

Nachts ist WLAN-Pause: Der Mainleuser Marktgemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, das WLAN-Signal am Rathaus um 20 Uhr abzuschalten. „Anwohner haben sich beschwert und es gab Verunreinigungen“, sagte Bürgermeister Robert Bosch. Der Hotspot war bislang besonders in den Abend- und Nachtstunden stark frequentiert. Einige der Internet-Nutzer haben offenbar Müll hinterlassen. Seit die Betriebszeiten auf die Zeit zwischen 8 Uhr und 20 Uhr beschränkt worden sind, habe sich die Situation verbessert und morgens schaut der Fritz-Hornschuch-Platz immer noch ansehnlich aus.

Gutschein über 15 000 Euro: Der Markt Mainleus hat von der Europäischen Union einen Gutschein in Höhe von 15 000 Euro für die Installation von WLAN-Netzen erhalten, sagte Bürgermeister Bosch. Der Gemeinderat schlug daraufhin vor, die freien WLAN-Außenhotspots an den Feuerwehrhäusern Danndorf, Rothwind, Schimmendorf, Buchau, Wüstenbuchau, Gundersreuth, Wernstein, Schmeilsdorf und Veitlahm anzubringen sowie am alten Feuerwehrhaus Willmersreuth, am Gemeindezentrum Schwarzach und am Motschenbacher Sportheim.

Gemeinde fragt die Bürger: Ganz sicher ist sich der Gemeinderat seiner Sache aber noch nicht. Ob es wirklich überall und rund um die Uhr das WLAN braucht, dazu gibt es in Mainleus sehr unterschiedliche Meinungen und Standpunkte. Deshalb sollen nun die Einwohner entscheiden, ob die jeweiligen Standorte in den Ortsteilen überhaupt gewünscht sind. Jeder Mainleuser im Alter ab zwölf Jahren kann seine Zustimmung oder Ablehnung vom 16. September bis 15. Oktober im Rathaus während der Öffnungszeiten in Eintragungslisten bekunden.
Unabhängig von staatlichen Initiativen verschwinden durch private Aktionen weiße Flecken ohne freies WLAN von der Karte. Das Projekt Freifunk Franken stellt unter anderem im Raum Kulmbach und Bayreuth kostenlose Hotspots zur Verfügung. Ziel ist es, mehr und mehr Landstriche mit freier Infrastruktur auszustatten. Damit die WLAN-Wüste wieder ein Stück kleiner wird.

 

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