"Noch alles möglich" WM-Einschätzung der Medi-Nationalspieler

BASKETBALL. Nach dem Auftaktspiel wird man genauer wissen, was der deutschen Mannschaft zuzutrauen ist. Diese vorsichtige Einschränkung machten die meisten Experten bei ihrem Ausblick auf die Weltmeisterschaft in China. Deswegen stellten wir diese Frage den beiden aktuellen Nationalspielern im Bundesligateam von Medi Bayreuth erst jetzt, nachdem die 74:78-Niederlage gegen Frankreich die ersten gesicherten Erkenntnisse geliefert hat.

„Es war ein holpriger Start, aber nach dem Verlauf der zweiten Halbzeit kann man doch sagen, dass die Mannschaft ins Turnier gefunden hat“, fasst Bastian Doreth seine Einschätzung zusammen. „Deswegen ist noch immer alles möglich. Jetzt müssen die nächsten beiden Spiele gewonnen werden, was dem Team absolut zuzutrauen ist, dann werden in der Zwischenrunde die Karten neu gemischt.“ Allerdings erschwere die Niederlage die Ausgangsposition für die zweite Gruppenphase mit zwei Teams aus Gruppe H (Australien, Litauen, Kanada, Senegal).

Anlass zur Zuversicht für die kommenden Aufgaben gegen die Dominikanische Republik (heute) und Jordanien (Donnerstag) sieht der gar nicht so weit von einer WM-Nominierung entfernte 90-malige Nationalspieler vor allem in der Moral nach dem hohen 28:52-Rückstand (26.): „Da hat man gesehen, dass die Mannschaft intakt ist. Sie hat nie aufgegeben und bewiesen, dass sie auf dem Niveau einer Spitzenmannschaft wie Frankreich mitspielen kann.“

DUNK.FM - Alle medi Bayreuth Basketball Spiele live im Audiostream

Auch Andreas Seiferth zweifelt nicht daran, dass die DBB-Auswahl den zweiten Turnierabschnitt erreicht: „Wenn es normal läuft, reicht es für den zweiten Gruppenplatz. Jetzt kommen zwei Gegner, um sich Selbstvertrauen und Schwung zu holen.“ Der Center mit 49 Länderspielen, der wegen der NBA-Konkurrenz auf den großen Positionen relativ wenig eigene WM-Chancen hatte, denkt sogar schon einen Schritt weiter: „Durch die Niederlage droht eine schwierigere Aufgabe, wenn es dann hoffentlich ins Viertelfinale geht.“

Extreme Schwankungen im Spielverlauf

Gar nicht so sehr überrascht zeigen sich beide Nationalspieler vom extrem schwankenden Verlauf des Auftaktspiels: erst ein 0:14-Fehlstart (7.), dann bald 13:0 Punkte zum 17:21 (15.), am Ende der ersten Halbzeit wieder 0:12 zum 20:36 und nach dem höchsten Rückstand ein 18:2-Lauf zum 46:54 (29.), der für das letzte Viertel sogar noch eine reelle Siegchance eröffnete. Seiferth sieht die Hauptursache dafür eher beim Gegner, und zwar in Person des französischen 2,15-m-Centers von den Utah Jazz: „Rudy Gobert! Wenn der in der Abwehr stand, ging unter dem Korb fast nichts – und wenn man dann auch nicht von außen trifft . . .“ In den besseren Phasen habe man die Würfe mit mehr Selbstvertrauen genommen: „Da hat anfangs auch Nervosität eine Rolle gespielt. Das wurde später besser. Aber solche Läufe kosten eben auch jedes Mal viel Kraft.“

Die Nerven waren auch für Doreth ein wesentlicher Faktor: „Die Atmosphäre eines so großen Turniers kann man eben auch in der besten Vorbereitung nicht simulieren.“ Dabei habe das deutsche Team auch während der Durststrecken gar nicht rundum schlecht gespielt: „Die Verteidigung war sogar ganz gut, aber sie haben halt nichts getroffen. Später hat man dann gesehen, dass so etwas auch den Franzosen passieren kann.“

Einzelne Spieler verantwortlich?

Die Statistik liefert durchaus Argumente, um das extreme Auf und Ab auch mit einzelnen Spielern in Verbindung zu bringen. Unter den großen Spielern konnten Danilo Barthel und Robin Benzing glänzende Plus-Minus-Bilanzen von +20 beziehungsweise +15 vorweisen, standen aber nur 15 Minuten lang auf dem Feld. NBA-Profi Maxi Kleber (Dallas) hatte dagegen zehn Einsatzminuten mehr, in denen die Deutschen aber 22 Punkte mehr kassierten als sie erzielten, und Daniel Theis (Boston) schnitt mit -14 in nur knapp zwölf Minuten kaum besser ab. „Ich bin eigentlich ein Fan solcher Plus-Minus-Bilanzen, weil sie zeigen, ob ein Spieler funktioniert“, sagt Bastian Doreth. Aber die Trainerentscheidungen könne man damit nicht ersetzen: „Robin war offensiv gut, aber in der Abwehr wurde er von den Franzosen oft gezielt attackiert. Maxi hatte keinen guten Rhythmus und hat sogar manchen guten Wurf verweigert, aber defensiv war er der Beste.“

Andreas Seiferth sieht sich durch diese Zahlen in seiner These bestätigt: „Gegen Gobert haben Kleber und Theis in der Offensive kaum stattgefunden.“ Man müsse aber auch beachten, dass einer der großen Spieler das Team herangeführt hat – Johannes Voigtmann (25 Punkte, 8/10 Würfe, Effektivität 28): „Der hat Ruhe reingebracht.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading