Neuer Vertrag mit Doreth Kapitän bleibt über aktive Zeit hinaus

Dank Emotionen und Kampfgeist ist Bastian Doreth (Nr. 10) bei Medi Bayreuth zur Führungspersönlichkeit und zum Publikumsliebling geworden. Ein Aushängeschild für den Klub soll er nun auch über die aktive Zeit hinaus bleiben. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Das Gesicht der Mannschaft ist Bastian Doreth bei Medi Bayreuth schon längst, doch künftig soll er den Bundesliga-Standort auch über das Spielfeld hinaus noch stärker prägen. Der bislang bis zum Ende der kommenden Saison gültige Vertrag des 31-jährigen Kapitäns wurde daher nun nicht nur vorzeitig bis zum Sommer 2024 verlängert, sondern es wurde dabei auch gleich eine Zusammenarbeit für die Zeit nach der aktiven Laufbahn vereinbart.

„Wir haben mit Basti verabredet, parallel zum Profisport eine Entwicklung hin zu einer Funktion in der Organisation zu gestalten“, wird Geschäftsführer Björn Albrecht in einer Mitteilung des Klubs zitiert. Wie außergewöhnlich das ist, unterstreicht Alleingesellschafter Carl Steiner: „Dieser Vertragsabschluss ist etwas noch nie Dagewesenes, ein weiterer großer Schritt für die langfristige Zukunft des Klubs. Wir wollen Basti zu einem zentralen Baustein der zukünftigen Organisation machen.“

Wie genau diese künftige Rolle aussehen soll, ist noch nicht definiert. „Die Trainerschiene erscheint mir als das Unwahrscheinlichste“, sagte Doreth im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich denke eher an eine Ausrichtung darauf, den sportlichen Bereich mitzugestalten – das Gesamtkonzept, oder vielleicht das Jugendkonzept.“ Für eine genauere Festlegung sei es noch zu früh: „Man muss erst mal sehen, wie der Klub in vier Jahren aufgestellt ist.“ In jedem Fall plane er einen „fließenden Übergang“: „Wenn das Ende der aktiven Laufbahn in Sicht ist, will ich mich schon auf die Zeit danach vorbereiten und beispielsweise mal bei einem Sponsor reinschnuppern.“ Nachdem er einmal angefangen hatte, internationales Management zu studieren, ist ihm die Materie nicht ganz unbekannt, „aber das ist jetzt doch schon zehn Jahre her“.

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Abstriche beim Gehalt in Kauf genommen

Diese langfristige Ausrichtung war Doreth gerade in den unsicheren Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig: „Es ist gut, dass man einen Plan hat, den man verfolgen kann, und nicht perspektivlos dasteht.“ Bayreuth habe er in den fünf Jahren seit seinem Debüt im Medi-Team als passend für eine so langfristige Planung kennengelernt: „Es ist ja bekannt, dass der Standort zu Beginn der Corona-Krise wegen der ungewissen Zukunft ein wenig gewackelt hat. Inzwischen habe ich aber miterlebt – auch durch viele Kontakte mit Sponsoren –, wie man sich hier auch in so einer Situation auf viele unterschiedliche Faktoren verlassen kann. Sponsoren, Fans, Eigentümer – überall wird Vertrauen und Loyalität geschätzt und zurückgegeben. Dieses Familiäre gibt einem ein gutes Gefühl für so einen langen Vertrag.“ Dafür habe er auch persönliche Abstriche in Kauf genommen: „Es ist ja klar, dass der Etat etwas nach unten gehen muss. Da haben wir uns darauf geeinigt, das Gehalt anzupassen. Es gehört dazu, dass man in so einer Lage solidarisch ist.“

Plätze acht bis 13 „realistische Ziele“

Auf diesem Fundament sieht Doreth seinen Klub auch stabil genug, um unvermindert konkurrenzfähig aus der Krise hervorzugehen: „Sicher wird man in Bayreuth keine ganz großen Sprünge machen können und finanziell begrenzt bleiben auf das Mittelfeld der Liga. Aber seit Raoul Korner hier ist, hat man auch gesehen, was in guten Jahren möglich ist. Ich möchte noch ein paar Jahre als Spieler daran mitwirken, den Verein so zu positionieren, dass er – wenn es toll läuft –, an den Playoffs schnuppern und international spielen kann.“ Ebenso wichtig sei es aber, Ruhe zu bewahren, wenn einmal nicht alles optimal läuft: „Solange wir uns zwischen den Plätzen 13 und acht in der BBL orientieren, sind das realistische Ziele.“

Ungefragt fügt Doreth bei den Zielsetzungen auch die Nachwuchsarbeit an: „Wir müssen Rahmenbedingungen schafften, die jungen Spielern etwas bieten“, sagt er nicht zuletzt mit Blick auf den Plan einer eigenen Trainingshalle, dessen schnelle Verwirklichung derzeit kaum wahrscheinlicher geworden ist. Hört man da schon den künftigen Mitorganisator heraus? „Tatsächlich will ich schon jetzt ein Bindeglied sein und meine Expertise als aktiver Spieler einbringen. Schließlich ist mir dieser Klub ans Herz gewachsen.“

Schon 214 Spiele für Bayreuth

Die Laufbahn von Bastian Doreth begann in seiner Heimatstadt Nürnberg, wo er für die Franken Hexer und den Nürnberger BC spielte. 2010 wechselte er zum FC Bayern München. Mit den Münchnern stieg er in die BBL auf und wurde zum Youngster des Jahres in der Pro A gewählt. Es folgten 123 Bundesligaspiele für den FC Bayern sowie die TBB Trier und Artland Dragons, ehe der Aufbauspieler zur Saison 2015/16 nach Bayreuth wechselte. Mit dem Medi-Team schaffte der 90-fache Nationalspieler zweimal den Sprung in die Playoffs der Bundesliga, erreichte 2018 das Final Four um den BBL-Pokal sowie das Viertelfinale in der Champions League und zog in der abgelaufenen Saison ins Halbfinale des Fiba-Europe-Cups ein.

In fünf Spielzeiten im Trikot von Medi Bayreuth stand Bastian Doreth in insgesamt 153 Bundesligaspielen auf dem Parkett, sowie sieben Mal in den Playoffs, sechs Mal im BBL-Pokal, 34 Mal in der Champions League und 14 Mal im Fiba-Europe-Cup Spielen. Insgesamt hat Doreth somit also schon 214 Pflichtspiel-Einsätze für Bayreuth absolviert.