Wolfgang Maier, der Alpinchef im Deutschen Ski-Verband, nutzt jede Gelegenheit, vor der drohenden Talfahrt zu warnen. Weil Deutschland zwar zwölf Millionen Skifahrer habe, aber viel zu wenige Leistungssportler. Und dies nicht so leicht zu ändern sei. Im Gegenteil. Maier klagt, dass es kaum noch Rennen oder Trainingsmöglichkeiten auf Naturschnee gebe, die Finanzen deshalb immer wichtiger würden: „Viele Kinder kommen aus dem städtischen Bereich, unser Sport hat einen gewissen elitären Charakter erhalten.“ Maier erklärt, dass heute fünf Einheiten wöchentlich nötig seien, um es nach ganz oben zu schaffen – ein Pensum, das viele nicht leisten wollen, die Zahlen im Nachwuchs hätten sich halbiert. Und Maier schimpft auf die Politik, die in der Corona-Pandemie die Lifte schloss: „Man hat uns die Kinder komplett aus dem Skisport genommen, während in ganz Europa intelligentere Lösungen angestrebt wurden. Ich habe die Sorge, dass die Kinder den Bewegungstrieb verlieren, denn es ist einfacher und bequemer, an der Konsole Fifa 20 zu spielen.“ Das sind Ansichten, die Skilegende Markus Wasmeier teilt. Zugleich nimmt der Doppel-Olympiasieger von 1994 aber auch den Verband in die Pflicht – weil dieser sich nicht mit genug Engagement und Empathie um die Talente kümmere. „Es wird immer nur kritisiert und angegriffen, so bekommen die Athleten kein Vertrauen zu ihren Trainern“, sagte Wasmeier gegenüber Sport 1, „in allen anderen Sportarten wird auf Motivation gesetzt, aber wenn bei den Alpinen etwas nicht funktioniert, bist du als Athlet sofort weg. Da wird nicht professionell genug gearbeitet, es fehlt das Menschliche und das Psychische, um die Leute zu halten.“