Merlins-Sieg in München Dramatisches Spitzenspiel

Das Spitzenspiel des Wochenendes in der Basketball-Bundesliga hielt alles, was die Tabelle versprach. Nach spannendem Verlauf setzten sich die Crailsheim Merlins beim FC Bayern München durch.

Basketball - Es fühlt sich noch immer nicht selbstverständlich an, die Crailsheim Merlins zu den Spitzenmannschaften der Bundesliga zu zählen. Wem der dritte Tabellenplatz beim Abbruch der vergangenen Saison als Eintagsfliege erschien und auch der aktuelle zweite Rang noch nicht Beweis genug ist, der wurde nun durch den Auftritt der Hohenloher beim FC Bayern München vielleicht etwas mehr überzeugt. Das war ein würdiges, abwechslungsreiches und am Ende dramatisches Spitzenspiel, das am Ende schließlich sogar mit dem Sieg des vermeintlichen Außenseiters: Nach einem Schlagabtausch mit 22 Führungswechseln setzten sich die Merlins in der Verlängerung mit 105:103 durch. Nachdem sich der FC Bayern in letzter Sekunde mit dem 92:92-Ausgleich in die Verlängerung gerettet hatte, erzielte der einmal mehr überragende Crailsheimer Spielmacher Trae Bell-Haynes (31 Punkte, elf Assists) 1,2 Sekunden vor dem Ende der fünf Extraminuten den entscheidenden Treffer. Auch der Schock über die schwere Verletzung von Tim Coleman (Schienbeinfraktur und Riss des Außenmeniskus/27.) brachte die Merlins nicht aus dem Konzept.

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„Es ist beeindruckend, was die Crailsheimer da geleistet haben“, sagt der Kapitän von Medi Bayreuth, Bastian Doreth. „Das ist eine sehr gut gecoachte Mannschaft, die mit viel Selbstvertrauen spielt und einen überragenden Bell-Haynes in den Reihen hat – Hut ab!“ An der Bewertung ändere es auch nichts, dass der FC Bayern durch zwei enge Euroleague-Spiele in Moskau gestresst war und auf Leistungsträger wie Wade Baldwin, Vladimir Lucic und Paul Zipser verzichten musste: „Trotzdem musst du erst mal so ein Spiel abliefern.“

Aus ähnlicher Überlegung heraus sieht Doreth die Schwächen des Gegners auch beim Sieg der eigenen Mannschaft in Chemnitz nicht als Makel: „Wir haben einen extrem wichtigen Sieg errungen bei einer Mannschaft, die zuvor hoch verloren hatte und daher sicher ganz besonders zeigen wollte, dass sie es besser kann. Dafür haben wir eine solide und fokussierte Leistung gezeigt.“ So wertvoll wie für die Tabelle sei der Erfolg auch für die Moral: „Die Bestätigung war wichtig, dass sich unsere Arbeit bezahlt macht.“ Dass Osvaldas Olisevicius dabei als Topscorer herausragte, überraschte den Kapitän nicht: „Wir kennen ja seine hochwertigen Qualitäten vor allem in der Offensive. Wir haben einen Vorteil für uns gesehen auf der Position 3-4 und haben ihn gut genutzt.“ Überbewerten will er den Erfolg aber auch nicht: „Wir haben jetzt fünf Siege – das ist nicht das, was wir uns zu diesem Zeitpunkt vorgestellt hatten.“

Kein klarer Kandidat für den achten Platz

Trotzdem sind die Bayreuther nun gleich wieder bis auf zwei Punkte an den achten Playoff-Platz heran gerückt, für den sich nach wie vor niemand konstant empfehlen kann. Trotz negativer Bilanz liegen aktuell die Skyliners Frankfurt dort, nachdem sie wieder einmal vor allem dank der individuellen Qualität von Matt Mobley mit 84:79 gegen die Baskets Bonn einen möglichen Mitbewerber bezwungen haben. „Auf Dauer sehe ich sie aber eher nicht dort“, legt sich Bastian Doreth fest.

Die in der unteren Tabellenhälfte wohl immer noch am höchsten eingeschätzten Bamberger vergaben eine Chance im Spiel bei der BG Göttingen, das wegen der Begegnung der jeweiligen Ex-Trainer Roel Moors und Johan Roijakkers besonderen Reiz hatte. „Bei den Bambergern weiß man nicht recht, woran man ist“, sagt Doreth. „Sie spielen eine tolle Saison in der Champions League, lassen in der BBL aber immer wieder Punkte liegen.“

Info: Die Baskets Oldenburg übertrafen beim 124:84 gegen Würzburg ihren eigenen Punkterekord der Saison, den sie mit 119:73 gegen Chemnitz aufgestellt hatten.

Falls die Facebook-Seite von Medi Bayreuth ein verlässlicher Maßstab ist, war für die Anhänger des Bundesliga-Teams gestern nicht so sehr dessen Sieg in Chemnitz das vorherrschende Thema und auch nicht die Ergebnisse der BBL-Konkurrenz – sondern vielmehr das 20-jährige Dienstjubiläum von Eddy Hübner.

Bastian Doreth überrascht das nicht im Geringsten: „Für mich ist er die wichtigste Bezugsperson im Verein“, sagt der Mannschaftskapitän über den Betreuer, der seit dem Aufstieg des erst ein Jahr zuvor neu gegründeten Klubs in die 2. Bundesliga dabei ist. „20 Jahre sind ein Meilenstein. Ich freue mich ganz besonders, dass das so viel Resonanz findet. Eddy hat es verdient, dass ihm so viel Anerkennung und Wertschätzung zuteil wird.“

Sein persönliches Verhältnis zur hilfreichen Hand beim Training und auf der Mannschaftsbank am Rande jedes Spiels beschreibt Doreth als „über die Jahre gewachsene sehr enge Freundschaft“: „Eddy war auf meiner Hochzeit, und wir waren auch schon mal zusammen im Urlaub. Ich denke, wir haben einen recht ähnlichen Charakter und verstehen uns deswegen so gut. Ich finde es großartig, dass wir so eine Ikone in unserem Verein haben.“ es

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