Massentierhaltung Für eine bäuerliche Landwirtschaft

Symbolfoto: dpa

KOMMENTAR. Wie ökologisch ist die Landwirtschaft heute? Diese Frage stellt sich angesichts des Klimawandels, der Nitratbelastung im Grundwasser und den Folgen der sich ausbreitenden Massentierhaltung mit 10.000 und mehr Mastschweinen in einem Stall.

Viele Menschen sind nachdenklich geworden, ob die Art der Tierhaltung, wie sie heute betrieben wird, noch tier- und umweltgerecht ist. Der wachsende Wählerzuspruch für die Grünen, die ein Ende der Massentierhaltung fordern, zeigt ein gesellschaftliches Umdenken. In diese Richtung lässt sich auch das erfolgreiche Bienenvolksbegehren mit 18,4 Prozent Zustimmung deuten.

Klar ist: Die industrielle Landwirtschaft mit ihrer immensen Billigfleischproduktion ist nur auf den ersten Blick billig. Es bleiben Kosten und Schäden, die von der Gesellschaft getragen werden müssen. Und: Am Ende werden rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen – einfach so.

Dem steht eine handlungsunwillige Politik gegenüber. Abgesehen von Ankündigungen und runden Tischen ist auf Bundesebene kaum eine politische Veränderung eingetreten. Von dieser Entwicklung profitieren einige wenige Großunternehmen, kleine und mittlere bäuerliche Betriebe haben das Nachsehen.

Ja, im Landkreis Bayreuth ist in Sachen Betriebsgrößen die Welt noch in Ordnung. Nach aktuellen Behördenangaben stehen durchschnittlich 58 Milchkühe pro Betrieb im Stall, bei den Mastschweinen sind es im Schnitt 42. Die Besatzdichte im Landkreis beträgt 0,81 Großvieheinheiten pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Zum Vergleich: Zwei Großvieheinheiten sind zwei Rinder oder zehn schlachtreife Schweine oder 667 Masthähnchen. Bundesweite Spitzenreiter sind hier die niedersächsischen Landkreise Vechta mit 3,64 Großvieheinheiten pro Hektar, gefolgt von Cloppenburg mit 3,05. Wo besonders viele Tiere gehalten werden, ist die Umweltbelastung besonders groß. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen überdimensionierte Ställe ablehnen. Denn die Folgen sind drastisch: die Anreicherung von Nährstoffen in Böden und Gewässern sowie die Geruchsbelastung. Da will niemand mehr Urlaub machen.

Die Bundesregierung sollte stärker auf eine flächengebundene Tierhaltung setzen und klare Vorgaben machen. So könnte den riesigen Tierfabriken und der Gülleproblematik Einhalt geboten werden. Denn das betrifft auch die heimischen Bauern. Sie werden im Landkreis Bayreuth mit ihren begrenzten Möglichkeiten, die auch landschaftlich bedingt sind, auf Dauer nicht mit den großen Strukturen in Niedersachsen oder in den neuen Ländern mithalten können.

Eine Triebfeder dieser Entwicklung sind die EU–Agrarzuschüsse, die vorwiegend nach Flächengröße vergeben werden. Das heißt, kleine und mittlere Höfe erhalten im Vergleich zu den großen Genossenschaften im Osten oder zu den Großbetrieben im Nordwesten relativ wenig Mittel. Das muss sich ändern.

Glaubt man Umfragen, sind viele Verbraucher bereit, für gute Ware mehr Geld auszugeben. Klasse statt Masse – und weniger Nahrungsmittel in die Mülltonne. Das könnte die Lösung sein.

peter.engelbrecht@kurier.de

 

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