Main-Radweg Neue Strecken für Genussradler

Gabriele und Walter Franke aus Hegnabrunn stehen am Main-Radweg, der durch die Kulmbacher Innenstadt führt. An der gefährlichen Ecke Kronacher Straße und Heinrich-von-Stephan-Straße haben die Radfahrer Schwierigkeiten, den richtigen Weg zu finden. Foto: Stefan Linß

KULMBACH. „Der Main-Radweg ist für uns ein Geschenk“, betont Helmut Völkl. Der Leiter Tourismus- und Veranstaltungsservice in Kulmbach möchte das Potenzial besser nutzen, das im Radtourismus steckt. Dafür braucht es eine Reihe von Verbesserungen. Bei der Bürgerwerkstatt kamen einige Ideen zur Sprache, die den Main-Radweg noch schöner machen könnten.

„Wir hoffen auf eine deutliche Verbesserung der Situation“, sagte Völkl zu den Teilnehmern der Bürgerwerkstatt. Die Stadt hatte alle Interessierten eingeladen, ihre Wünsche und Vorschläge zum Fahrradverkehr in Kulmbach einzubringen. Besonders stadtauswärts fehle den auswärtigen Radfahrern die Orientierung, stellte Völkl fest. Die Wegführung sei das Hauptproblem.

Es gibt keine genauen Zahlen, wie viele Radtouristen die Stadt besuchen. Anhand der Belegung in den Fahrradgaragen vor der Dr.-Stammberger-Halle sei aber eine klare Tendenz abzulesen. Die zwölf Boxen seien in der Saison von April an häufig belegt. Je nach Wetterlage kommen bis Ende Oktober die Urlauber mit dem Rad an und machen in Kulmbach Station.

Radtouristen sind wichtige Einnahmequelle

Das haben in der Vergangenheit auch die Kulmbacher Hoteliers und Gastronomen bestätigt. Radtouristen sind für sie eine der wichtigsten Einnahmequellen. Dennoch werde die Zielgruppe immer noch unterschätzt, sagt Völkl.

Der Main-Radweg gilt als eine der schönsten Radwanderstrecken Deutschlands und erhält regelmäßig Bestnoten. Doch der Genuss hört auf, wenn der Radler die Orientierung verloren hat oder er auf einer viel befahrenen Straße neben Autos und Lastwagen um seine Unversehrtheit bangen muss.

Es ist in Kulmbach kein seltenes Bild, dass Radtouristen fragend an der Straße stehen und nicht mehr weiter wissen. Laut der offiziellen Streckenführung verläuft der Radweg aus Untersteinach kommend in Kulmbach am Grünwehr und am Schwedensteg-Parkplatz entlang des Weißen Mains. Dann geht es durch den Grünzug bis zur Dr.-Stammberger-Halle. Von dort schwenkt er Richtung Nordosten über die Sutte, die Kronacher Straße und die Saalfelder Straße bis Priemershof auf den Radweg an der Flutmulde.

Einbahnstraßen für Radler gesperrt

Der Weg aus Richtung Mainleus führt die Radwanderer durch das Industriegebiet in der Vorwerkstraße und in der Lichtenfelser Straße. Über den Kressenstein, die Klostergasse und die Grabenstraße erreichen sie die Innenstadt. Wer die Gegenrichtung befahren will, hat ein Problem, denn die Einbahnstraßen sind anders als in vielen anderen Städten für Fahrradfahrer gesperrt.

Generell fehlen an zahlreichen Ecken die Fahrradwege. Das müssen auch die Radwanderer feststellen, die entlang des Roten Mains auf der Etappe zwischen Neudrossenfeld, Gößmannsreuth und Melkendorf unterwegs sind. Sie teilen sich mit den Autos die Straße, was nicht selten zu Konflikten führt.

Bei der Bürgerwerkstatt haben Radfahrer eine Reihe von Ideen eingebracht, die den Main-Radweg betreffen. Der Weiße Main fließt einerseits entlang der Flutmulde an Kulmbach vorbei sowie in einem zweiten Arm mitten durch die Stadt. Weil er als ein Gewässer erster Ordnung gilt, muss der öffentliche Zugang zum Fluss überall möglich sein. Zum Beispiel auch auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs, das der Kulmbacher Brauerei gehört.

Der Main-Radweg soll seinem Namen gerecht werden und direkt am Main entlang führen, haben deshalb mehrere Kulmbacher während der Bürgerwerkstatt gefordert.

Eine neue Route für Genussradler könnte durch die Fischergasse möglich sein. Mit einem ebeneren Pflasterbelag versehen, sollte sie zur ersten Fahrradstraße Kulmbachs werden, schlägt Jürgen Tesarczyk vom ADFC vor. Ein durchgängiger Fahrradweg könne dann durch das Gasfabrikgässchen und am Einkaufszentrum „Fritz“ vorbei bis auf das Güterbahnhofsgelände führen. Von dort wäre am Fluss entlang ein Brückenschlag zur Kleingartenanlage „Zehn Eichen“ und auf den bestehenden Main-Radweg möglich.

Auch für Einheimische wichtig

Eine bessere und sehenswertere Anbindung ist das Ziel. Die Stadt plant ein Gesamtkonzept und will prüfen, inwieweit die Verbesserungsvorschläge realisierbar sind.

Aber nicht nur für Radtouristen, auch für die einheimischen Radler ist der Main-Radweg eine wichtige Verbindungsachse. Walter und Gabriele Franke aus Hegnabrunn nutzen die Strecke häufig. Sie fahren regelmäßig zum Einkaufen nach Kulmbach. Hin und zurück sind es rund 36 Kilometer.

„Ich bin dankbar für jeden Meter Radweg“, sagt Walter Franke. Dass er sich immer noch oft die Straße mit den Autos teilen muss, „ist ein Problem“. Gabriele Franke fühlt sich oft gefährdet, wenn Autofahrer ganz knapp an ihr vorbeifahren, ohne auf den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,50 Metern zu achten. Einmündungen und Kreuzungen seien ebenfalls riskant für schwächere Verkehrsteilnehmer.

In Kulmbach fangen für die beiden die Probleme richtig an. Von der Innenstadt aus die Einkaufsmärkte in der Lichtenfelser Straße zu erreichen, sei eine große Herausforderung. Es braucht echte Radwege, fordern sie. Gemeinsam mit Fußgängern den engen Raum zu teilen, sei auch keine Lösung. Die beiden Hegnabrunner hoffen, dass sich mit Blick auf den neuen Uni-Campus in Kulmbach auch für den Radverkehr etwas tut.

 

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