Neue Beleuchtung
Die besondere Herausforderung in Bayreuth sieht Mösch darin, für das Publikum verständlich zu sein und das bei einer sehr anspruchsvollen Inszenierung, die ja eigentlich das Stück belässt, es aber in einen Kontext setzt, der es neu beleuchtet. Was ihm an diesem Lohengrin gefällt? Neuenfels zerfetzt das Stück nicht, wie es andere Inszenierungen machen, sondern setzt neue Akzente. Beispiel? Entgegen der bisherigen Aufführungstradition ist ja in dieser Inszenierung Lohengrin der einzig Normale. Während er sonst immer der Überirdische ist, der aus dem Gralsreich kommt. Der Perspektivwechsel bei Neuenfels ist zentral. Und wenn man den verstanden hat, versteht man die ganze Logik dieses Abends.
Bayreuth zu modern, alles nicht mehr wie früher? Der Opernfachmann Mösch hat dazu eine eindeutige Haltung: Bayreuth muss immer die Speerspitze auch dessen bilden, was eine Wagner-Aufführung heute sein kann. Was sich aber sicher auch verändert hat gegenüber den ersten Jahrzehnten von Neu-Bayreuth, ist, dass auch das Niveau der anderen Bühnen zwischenzeitlich enorm hoch ist. Das heißt: Die Differenz zwischen ,drinnen und draußen, wie das noch bei Cosima hieß, die gibt es in der Form längst nicht mehr. Auch die Sänger sind längst überall zu hören. Also muss man versuchen, durch die Konstellation der Ereignisse das Besondere zu schaffen. Dazu dienen auch Symposien, Kinderoper oder Public Viewing. Was er nicht glaubt: dass man durch einen Ring wie dem des Jahres 2013 Wagner noch mal neu erfinden oder auch justieren könne: Das hat bei Chéreau noch geklappt wie zuvor auch bei Wieland Wagner und Cosima. Zwischenzeitlich aber sei das ästhetische Spektrum so breit geworden, dass Bayreuth nicht mehr, wie in früheren Jahren, alles andere überstrahlen könne. Mösch: Es gibt ja schon alles. Da noch mal etwas draufzusetzen das müsste ein Übermensch sein!, glaubt Mösch.
Hausausweis gleich "Acces All Areas"
Mösch hat übrigens selbst schon Bayreuther Bühnenerfahrung vorzuweisen: Mitte der 70er Jahre, als ich zwölf, 13 Jahre alt war, durfte ich beim Chéreau-,Ring mitmachen. Und mit dem Hausausweis, den man damals bekam, konnte man in alle Proben rein. Ich habe diese Chance häufig genutzt. Er war also fasziniert? Und wie, räumt Mösch ein um sogleich zu ergänzen: Man muss sich von diesem Wagner auch wieder lösen können. Und die Distanz zu ihm gewinnen. Mösch tat das, indem er seine Dissertation über einen total antiromantischen Komponisten geschrieben hat Boris Blacher nämlich. Am 14. August aber, da gilts wieder Wagner.
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