Die 70er Jahre sind eine wechselvolle, schwierige Zeit für Dylan: die Trennung von Sara Lowndes, künstlerische Stagnation (abgesehen vom Album «Blood On The Tracks» und in Teilen «Desire»). Auch für die 80er fällt die Bilanz eher durchwachsen aus: Auf der Habenseite stehen immerhin Erfolge mit der All-Star-Band Traveling Wilburys und der Beginn der «Never Ending Tour», einer bis heute andauernden Konzertreise rund um den Erdball mit 100 Autritten pro Jahr.
Dylans künstlerische Rehabilitierung kommt 1997 mit dem ersten großen Alterswerk «Time Out Of Mind» - einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie «Modern Times» (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde «Tempest» (2012). Seine Alben steigen in den Charts so hoch wie nie zuvor. Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben.
Auch die Auszeichnungen sind kaum noch zu zählen: elf Grammys, ein Song-Oscar, der Pulitzer-Preis, die von Barack Obama höchstpersönlich verliehene «Presidential Medal of Freedom». Der US-Historiker Sean Wilentz, Autor des Buchs «Bob Dylan und Amerika», sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Seine Arbeit, damals wie heute, inspiriert, gefällt, unterhält und baut Menschen weltweit auf. Er ist ein großartiges amerikanisches Kulturgut.»
Allemal Grund genug, nun auch den Dichter Dylan mit den höchsten Würden zu ehren. Seinem Biografen Detering zufolge beziehen sich die Songtexte des Amerikaners «auf Dichtungen unterschiedlichster Zeitalter und Kulturen: von der Bibel und Homers "Odyssee" über die Dichtungen der römischen Kaiserzeit (Ovid, Vergil, Juvenal), die mittelalterlichen Mysterienspiele und Shakespeares Dramen bis zur amerikanischen Romantik, den französischen "poètes maudits" und dem Theater Bertolt Brechts». Und nicht zuletzt hebt der Literaturwissenschaftler die Geistesverwandtschaft Dylans mit «Beat-Poeten» wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg hervor.
dpa