Allenthalben hat die Junge Liste Begehrlichkeiten geweckt mit ihrem Antrag, bei einer Vergrößerung des Landratsamtes auch Standorte im Landkreis zu prüfen. Es geht um Arbeitsplätze, höhere Attraktivität durch neue Behörden und die Nutzung von Leerständen. Warum sollte auf Landkreisebene nicht auch möglich sein, was auf Landesebene als Strukturpolitik der Staatsregierung gewürdigt wird? Wenn der Freistaat Behörden nach Franken verlagert, gibt es dafür stets Beifall von den Regionalpolitikern, deren Heimat profitiert.

Der Wettbewerb der Kommunen im Landkreis Bayreuth um ein, zwei oder alle auszulagernden Ämter ist in vollem Gange. Ein wenig erinnert das Ganze an das berühmte Fell des Bären, das verteilt wird, noch ehe das Tier erlegt ist. Im Landratsamt sind die Beharrungskräfte groß. Man will in Bayreuth bleiben. Höhere Effizienz der Arbeit und zentrale Lage werden als Gründe genannt. Aber was ist, wenn ein Standort im Landkreis auch gut geeignet wäre – und das deutlich preisgünstiger als ein Neubau neben dem jetzigen Landratsamt?

Glaubt man den Bad Berneckern und dem Eigentümer, wäre genau das beim ehemaligen Popp-Areal der Fall: reichlich Platz auch für große Lösungen mit 50 und mehr Arbeitsplätzen, barrierefrei, genug Parkplätze, auf der Straße gut erreichbar – und eben vergleichsweise günstig. Klar, hier wird im wohl verstandenen Eigeninteresse geworben. Man muss abwarten, was eine unabhängige Prüfung ergeben wird.

Vielleicht wird dann Bad Berneck von allen Bewerbern die besten Karten haben. Zumal der Landkreis mit einer Verlagerung dorthin das politische Signal senden würde, dass er zugunsten einer Konsolidierungsgemeinde Eigeninteressen hinten anstellt. Eine ganz andere Frage ist, ob Bad Berneck, ob überhaupt irgendein Bewerber aus dem Landkreis politisch eine Chance auf die Ämter hat. Werden Kreisräte aus Gemeinden, die leer ausgehen, anderen kurz vor der Kommunalwahl den Erfolg gönnen?

Landrat Hübner hat ein „ergebnisoffenes Verfahren“ mit Transparenz versprochen. Man darf gespannt sein. Immerhin hat er gerade erst einen Vertrag über besseres Leerstandsmanagement im Landkreis unterschrieben.

peter.rauscher@ nordbayerischer-kurier.de