Kronacher Freischießen Mann wird von Zug erfasst und stirbt

Foto: Feuerwehr

KRONACH. Ein tragisches Unglück überschattet die Festlichkeiten in Kronach: Am späten Samstagabend überquert ein Besucher die Gleise unweit des Festgeländes. Er wird von einem Zug erfasst.

Es ist gegen 22.45 Uhr am Samstag, als ein junger Mann über die Leitplanke der Bundesstraße auf Höhe des nördlichen Ausgangs des Kronacher Schützenplatzes steigt. Als er die angrenzenden Bahngleise überquert, erfasst ihn ein in Richtung Probstzella fahrender Güterzug. Für den Mann kommt jede Hilfe zu spät. Nach Auskunft von Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken dürfte es sich bei dem Toten nach bisherigen Erkenntnissen um einen 20-Jährigen aus Mittelfranken handeln.

"Es ist fürchterlich"

Für Jörg Schnitzler ist es das erste Freischießen als 1. Schützenmeister der Kronacher Schützengesellschaft. "Es ist fürchterlich", sagt er am Sonntag auf Nachfrage leise am Telefon. Kurz nach dem Unfall sei im Geschäftszimmer im Schützenhaus ein Krisenstab zusammengetroffen. Vertreter der Schützen, von Polizei, THW, Feuerwehr und BRK hätten alle Optionen erörtert. Nachdem das Unglück außerhalb der Hofwiese geschehen sei, habe man sich dazu entschieden, das Fest so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen. Ein abruptes Ende hätte dazu geführt, dass alle Besucher gleichzeitig den Platz verlassen hätten. Außerdem wären alle Busse ja erst später gefahren. Der nördliche Ausgang sei schließlich gesperrt worden, weil er direkt gegenüber der Unglücksstelle lag. "Wir haben seit ein paar Jahren einen Notausgang beim Riesenrad. Der wurde dann vom THW ausgeleuchtet", erklärt Schnitzler.

Einige Besucher waren Zeugen

Einige Freischießen-Besucher, die im Bereich der Absperrung standen, hätten etwas von dem Unfall mitbekommen. "Die Masse hat davon aber wohl nichts erfahren", meint der Schützenmeister. Am Sonntagvormittag beim Schützenumzug habe er am Rathausplatz um eine Schweigeminute für den getöteten 20-Jährigen gebeten. "Ich habe in das Gedenken auch die Familie und Freunde des Opfers miteinbezogen, ebenso wie die erschütterten Augenzeugen", meint Schnitzler. Die Nachricht sei für viele auf dem Marktplatz überraschend gewesen. Am Telefon sagt Schnitzler später, dass etwa eineinhalb Stunden nach dem Unfall zwei junge Festbesucher versucht hätten, die Bahngleise gegenüber des südlichen Eingangs zu überqueren: "Darüber kann man nur noch den Kopf schütteln."

Unfall kam in einer ruhigen Zeit

Wie Ralf Schmidt vom BRK Kronach mitteilt, sei er am Samstag gerade vom Festplatz nach Hause gekommen, als sein Piepser losging. "Wir hatten uns gerade kurz vorher noch in einer Sicherheits-Besprechung mit der Polizei darüber gefreut, dass unerwartet alles sehr ruhig ist." 24 Kräfte des BRK seien rund um die Hofwiese im Einsatz gewesen. Acht Leute seien von der Rettungswache am Parkplatz vor dem Schützenhaus zur Unfallstelle beordert worden. Hinzu sei noch der reguläre Rettungsdienst und der Notarzt gekommen. "Wir sind von der Rettungsleitstelle alarmiert worden. Außerdem sind ein paar Festbesucher zu uns in die Wache am Parkplatz gekommen. Sie haben gesagt, dass da hinten etwas passiert ist", erzählt Ralf Schmidt. Einige hätten das, was sie gesehen haben, nicht verkraftet: "Die psychosoziale Betreuung hat sich im Schützenhaus in einem abgetrennten Raum um die Leute gekümmert."

Es gab keine Gaffer

Laut Anne Höfer vom Polizeipräsidium hat auch der Lokführer einen Schock erlitten. Er sei ebenfalls vom Rettungsdienst behandelt worden. Die Aufgabe des THW sei es gewesen, zum einen den Notausgang für die Besucher auszuleuchten, wie Udo Höfer, Leiter vom Dienst beim THW Kronach, mitteilt. Zum anderen habe man an der Unfallstelle wegen der Beweisaufnahme durch den Kriminaldauerdienst für Licht sorgen müssen. "Der Zug war lang. Er stand mit dem Triebkopf schon in der Blumau. Der letzte Waggon kam gegenüber dem nördlichen Ausgang zum Stehen. Dort, wo der Unfall passiert ist", sagt Udo Höfer. Alarmiert worden sei man gegen 22.45 Uhr. Bis kurz vor 3 Uhr sei man mit zwölf Mann vor Ort gewesen. "Die Festbesucher haben sich vorbildlich verhalten. Am Einsatzort gab es keine Gaffer", lobt Udo Höfer.

Auch die Feuerwehren Kronach und Gundelsdorf waren im Einsatz. Christian Büttner, der Kommandant der Kronacher Wehr, erklärt, seine Kameraden hätten die Unfallstelle mit ausgeleuchtet. Die Gundelsdorfer Kollegen hätten sich um die Absperrung des Kreisels in Gundelsdorf gekümmert. Die B 85 sei während des Rettungseinsatzes und für die Dauer der polizeilichen Unfallaufnahme bis gegen 2.45 Uhr komplett gesperrt gewesen.

Wie Anne Höfer vom Polizeipräsidium weiter mitteilt, sei für die Zugfahrgäste eine Weiterfahrtmöglichkeit organisiert worden. Schließlich ging auch auf der Bahnstrecke erst einmal nichts mehr. Beamte der Polizei Kronach und der Bereitschaftspolizei hätten in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei die ersten Ermittlungen aufgenommen. Die Kriminalpolizei Coburg untersucht nun die Todesumstände.

 

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