Kommunalwahl 2020 Neuer Ortsverband der Grünen in Bindlach

BINDLACH. Es grünt nun auch in Bindlach: In der Gemeinde hat sich am Montagabend ein neuer Ortsverband der Grünen gegründet. Gemeinsam wollen sie insbesondere das Thema Flächenfraß in Bindlach angehen. Dazu hat die Gruppe den Landtagsabgeordneten Christian Zwanziger für einen kurzen Vortrag eingeladen.

An diesem Abend gibt es in der Gaststätte des Bindlacher Sportvereins keinen Schweinebraten, sondern Couscous, Camembert und Salat. "Es ist enorm, was überall an allen Ecken und Enden entsteht", sagt Susanne Bauer, Kreisvorsitzende der Grünen Bayreuth-Land, die zur Ortsverbandsgründung gekommen ist. Aktuell gebe es in Oberfranken 959 Mitglieder, 2016 seien es noch 575 gewesen. Zuletzt habe die Partei einen "großen Schwung" bekommen, sagt Bauer. Das bayerische Polizei-Aufgabengesetz, das Volksbegehren Artenvielfalt und nun auch die Flächenfraß-Problematik habe Leute mit den Grünen ins Gespräch gebracht, "die sonst vorsichtig sind, mit uns zu sprechen". 

Keine Vorzeige-Grünen im Vorstand

Torben Schlieckau und Jana Hoffmann sind das Sprecherduo, Gabi Wilfert Schriftführerin. Die Drei bilden den Vorstand, den die sieben anwesenden Neu-Mitglieder einstimmig gewählt haben. Und sie alle eint, dass sie keine Vorzeige-Grünen sind. Das geben sie auf der Gründungsveranstaltung auch offen zu, rechtfertigen sich fast schon für ihre Einfamilienhäuser und Autos. Torben Schlieckau, Verkaufs- und Produktmanager bei Voith Paper und nun auch Erster Vorsitzender des Ortsverbandes, sagt bei seiner Rede, dass er trotz Haus und "großem Auto" dennoch darauf achtet, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Er will Bindlach „familien-, menschen- und naturfreundlich“ machen. Ein Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus wolle dagegen Jana Hoffmann setzen und Gabi Wilfert „frischen Wind“ ins Rathaus bringen.

Thema Flächenfraß

Denn in der Gemeinde brodelt es angeblich: Der wachsende Flächenfraß in der Gemeinde und der hohe Zuzug durch Menschen aus Bayreuth bereitet vielen Bindlachern Sorge. Eine Bürgerinitiative hat sich deshalb gegründet, zehn Mitglieder sind ebenfalls zur Ortsverbandsgründung erschienen. Denn der Erlanger Landtagsabgeordnete Christian Zwanziger ist extra mit dem Zug angereist, um dazu einen Vortrag zu halten. Er ist Sprecher für Landesentwicklung und für das Thema zuständig. 

In seiner Powerpoint-Präsentation zeigt er, wie sich die Zahlen zum Flächenverbrauch in den letzten Jahren verändert haben: 2017 seien es in Bayern 11,7 Hektar pro Tag gewesen. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Schnitt der Werte, die zwischen 2001 und 2017 vom Bayerischen Landesamt für Statistik erhoben wurden und die Zwanziger in seinem Vortrag präsentiert (Screenshot in der Bildergalerie). Die Grünen streben einen Verbrauch von „unter fünf Hektar pro Tag und auf Einwohner verteilt“ an – „verbindlich per Gesetz", auch wenn Zwanziger klar macht, dass die Grünen "keine Verbotspartei" seien. Stufenweise soll das passieren von 2021 bis 2025. Zwanziger selbst sagt, er wisse nicht, ob er die perfekte Lösung für diese Problematik kenne. Aber: „Um die Hälfe verringern finde ich gut.“

Ganz generell plädiert Zwanziger, um Flächen zu sparen, für Mehrgeschossbauten und eine Modernisierung von Gebäuden, die bereits da sind. Er wolle "weg vom Einfamilienhaus mit großem Garten" und lieber in öffentliche Spielplätze investieren, die alle nutzen können. Viele Seitenhiebe teilte er außerdem gegen die bayerische Landesregierung aus.

Lebhaftes politisches Interesse

Zurück zu den Grünen in Bindlach. Schon vor einigen Wochen habe es ein Schnuppertreffen gegeben in der Bindlacher Bärenhalle, sagt Schlieckau. Dort habe sich gezeigt, dass es genug Leute gebe, die den Grünen in Bindlach beitreten würden. Er sagt: "In Bindlach gibt es ein lebhaftes politisches Interesse." Es gebe viele Themen, die die Grünen angehen "müssen". "Vor allem Flächen und Verkehr“, sagt Vorsitzender Schlieckau. „Das wird ein Haufen Arbeit, aber wir sind viele.“ 

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