Kennametal Beschäftigte verunsichert

KOMMENTAR. Der Werkzeughersteller Kennametal ist ein Beispiel dafür, wie sich das Denken der Manager negativ verändert. Hieß es einst, ein profitables Unternehmen sei die beste Garantie für sichere Arbeitsplätze, stellt Kennametal mit seiner jüngsten Entscheidung, drei Standorte zu schließen und knapp 700 Mitarbeiter zu entlassen, dieses Vorgehen auf den Kopf.  

Beispiel: Im Werk Essen wurden die vergangenen zwei Jahre nach Angaben der IG Metall satte 20 Millionen Euro investiert, das Werk arbeitete mit guten Gewinnen, doch nun wird es dichtgemacht. Das zeigt: Auch hohe Investition sind keine Garantie für sichere Arbeitsplätze.

Der weltweit tätige Konzern wird aus Pittsburgh gesteuert. Die Manager in den USA versuchen offenbar, die bislang guten Gewinne weiter zu steigern, indem sie durch die Stilllegung der drei Standorte nach eigenen Angaben binnen zwei Jahren 60 bis 75 Millionen US-Dollar sparen wollen, um unter anderen „Mehrwert für unsere Anteilseigner zu generieren“, wie es Konzernchef Christopher Rossi formulierte.

Doch was bedeutet das für den Standort Mistelgau, der aktuell von den Standortschließungen nicht betroffen ist? „Mistelgau steht nicht zur Debatte, im Gegenteil, auch hier wird weiter in Modernisierung und Automation investiert“, erklärte Pressesprecherin Gaby Mlnarik mit Sitz in der Schweiz. Aus wettbewerbstechnischen Gründen veröffentliche man keine standortspezifischen Zahlen, fügte sie hinzu.

Fakt ist: Das Werk Mistelgau ist derzeit sicher. Doch verfestigt sich das zynische Denken, gute Gewinne seien keine Job-Garantie, steht das Werk vor einer ungewissen Zukunft. Was wird sein, wenn es im fernen Pittsburgh einen Wechsel im Management und neue Strategien gibt? Dann werden die Karten neu gemischt. Die Gier, die Gewinne immer weiter zu maximieren, und die davon ausgelöste Unsicherheit und Angst schaden der Motivation der Mitarbeiter und dem Betriebsfrieden. Fachkräfte lassen sich so nicht binden.

peter.engelbrecht@kurier.de

 

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