Auch der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann als Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft und zwischen den Konfessionen gewürdigt. «Wir haben Bruder Lehmann als einen echten Pontifex, einen Brückenbauer, erlebt: Er hat Konfessionen übergreifend Brücken geschlagen und dabei immer wieder auf die Quellen verwiesen, aus denen wir gemeinsam schöpfen», so der rheinische Präses in seinem Kondolenzschreiben an Kohlgraf.
Letzter öffentlicher Auftritt im August 2017
Im Mai 2016 war Lehmann mit 80 Jahren in den Ruhestand gegangen. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an - das war der letzte öffentlicher Auftritt von Lehmann.
Lehmann bezog in vielen Debatten klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.