Insolvenz Eine Lösung für Wedlich

Christian Wedlich hofft auf eine gute Zukunft seines Unternehmens. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Es gibt eine Lösung für die Spedition Wedlich, die seit einem guten Jahr in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung war. Allerdings sieht diese Lösung anders aus als gedacht.

„Zurück zu den Wurzeln.“ So nennt Christian Wedlich das, was er und sein Bruder Alfred mit Sachwalter Nils Freudenberg vereinbart und auch schon notariell beurkundet haben. Es geht um einen sogenannten Asset Deal oder übertragende Sanierung. Demnach übernimmt die seit fast 20 Jahren bestehende Umzugsfirma der Wedlichs, die Alfred Wedlich & Nicolaus Ibel Umzug und Logistik GmbH, den Geschäftsbetrieb der insolventen Spedition. Also alle wesentlichen Vertragsverhältnisse und Vermögensgegenstände, wie den Fuhrpark sowie die Betriebs- und die Geschäftsausstattung. Auch die 80 verbliebenen Mitarbeiter werden übernommen. „Mit allen Rechten und Pflichten. Ihnen entstehen keine Nachteile“, betont Wedlich. Die Firma heißt in Zukunft Wedlich Logistik-Transport-Umzug GmbH und bündele damit die Aktivitäten, wie es einst auch unter seinem Vater der Fall gewesen sei, so Wedlich.

70 Beschäftigte weniger als vor der Insolvenz

Das neue Unternehmen startet mit rund 95 Mitarbeitern, inklusive Wedlich & Ibel, die im Herbst noch die Umzugsfirma Männlein & Volkert übernommen hat. Das bedeutet aber auch, dass gegenüber vor der Insolvenz rund 70 Beschäftigte nicht mehr dabei sind. Darunter seien rund 30 Zeitarbeiter, andere hätten sich neu orientiert. „Tatsächlich entlassen mussten wir gut zehn Mitarbeiter“, sagt Wedlich. Zusammen mit der Lastwagen-Werkstatt habe die Gruppe künftig knapp 120 Beschäftigte.

Weiter vorhandene Risiken

Sachwalter Freudenberg sagt auf Kurier-Nachfrage, die Insolvenzverwaltung in Eigenverwaltung habe letztlich auch deshalb nicht zum Erfolg geführt, weil ein Insolvenzplan auch wegen weiterhin bestehender Risiken nicht oder zumindest nur noch sehr schwer zu realisieren gewesen wäre. Rein rechtlich befinde sich die Spedition mittlerweile in einer Regel-Insolvenz, er sei nunmehr Insolvenzverwalter. Und damit auch der Verkäufer an die Wedlichs.

Die zahlen rund 220.000 Euro. Dieser Betrag sei allerdings nicht zu verwechseln mit der Summe, die er später an die Gläubiger verteilen könne, sagt Freudenberg. Wie hoch diese sei, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Die Zahl der Gläubiger hatte er im Herbst als dreistellig bezeichnet, ihre Forderungen als insgesamt siebenstellig. Er rechnet für das Insolvenzverfahren noch mit zwei Jahren.

Insolvenzverwalter: Abwicklung wäre deutlich schlechter

Freudenberg bezeichnete den Asset Deal als die unter den gegebenen Voraussetzungen beste Lösung für alle Beteiligten. Eine Abwicklung der Spedition hätte nach seiner Berechnung Auslaufkosten in Höhe von 435.000 Euro verursacht und wäre deshalb auch für die Gläubiger die deutlich schlechtere Lösung gewesen. Deshalb habe auch der Gläubigerausschuss zugestimmt. Die endgültige Zustimmung muss nun noch von der Gläubigerversammlung kommen, die am 2. Juli stattfindet.

Eine Einschätzung über die Zukunftsaussichten der Wedlich Logistik-Transport-Umzug GmbH wollte Freudenberg nicht abgeben. Allerdings bedeute der Asset Deal die bestmöglichen Startvoraussetzungen, weil die genannten Risiken nicht übernommen werden und bei der insolventen Spedition bleiben.

Für Zukunft gerüstet

Christian Wedlich sieht das Unternehmen jetzt wieder gut für die Zukunft gerüstet. In Schwierigkeiten geraten war die Spedition Wedlich, weil sie bei der Neuausschreibung eines langjährigen Großkunden für dessen Logistik leer ausgegangen war, woraus sich ein Risiko im hohen sechsstelligen Bereich ergeben hatte. Mittlerweile ist die entsprechende Geschäftsbeziehung komplett gelöst, was aber auch einen Rückgang des Jahresumsatzes um rund ein Drittel auf zehn Millionen Euro zur Folge hat.

Wedlich räumt ein, dass das teils rasante Wachstum in der Vergangenheit letztlich zum Problem wurde. „Wenn man einen solch guten Kunden hat, dann geht man halt auch den einen oder anderen Schritt mehr mit. Aber das war sicher nicht gesund.“ So drückte es vor einiger Zeit Klaus-Peter Schulz aus, der bis vor kurzem Sanierungsgeschäftsführer war und den Wedlichs jetzt noch einige Zeit beratend zur Seite steht.

Gesundgeschrumpft

Entsprechend radikal war der Prozess des Gesundschrumpfens. Die Logistikflächen wurden von 110.000 auf 30.000 Quadratmeter heruntergefahren, die nun allesamt im Eigentum der Wedlichs sind. Ein Teil davon wurde an andere Firmen untervermietet, im Logistikpark etwa an die aufstrebende Motorsport-Eventagentur Eila.

Künftig moderates Wachstum

Für die Zukunft habe man sich ein moderates Umsatzwachstum von fünf Prozent im Jahr vorgenommen und aus Fehlern gelernt. Bis auf den Großkunden seien alle anderen an Bord geblieben. Gerade gebe es aussichtsreiche Verhandlungen mit einem neuen Kunden. Nicht zuletzt deshalb stecke man auch viel Energie in die eigene Ausbildung von Berufskraftfahrern. Außerdem habe man Personal in den Bereichen Controlling und Prozesse aufgebaut, um künftig schneller reagieren zu können.

 

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