Die hohen Ansprüche an die Sauberkeit gelten schon bei der „Geburtsstunde“ des Impfstoffs: der Herstellung der mRNA in einem Bioreaktor. Unter Reinraumbedingungen wird dort der eigentliche Wirkstoff erzeugt. Die Mitarbeiter dort sehen in ihren Schutzanzügen fast wie Astronauten aus. Gut 20 Minuten brauchen selbst geübte Profis, bis sie ihre Arbeitskleidung angelegt haben. Sogar spezielle Unterwäsche, die kaum Fasern freisetzt, gehört dazu.
Das sehe schlimmer aus, als es tatsächlich sei, sagt eine Laborantin über ihr futuristisch anmutendes Outfit. Biontech hatte an diesem Tag Besucher in das neue Werk geführt und dabei auch die Arbeiten im Reinraum in einer Simulation vorgestellt. Schnelle Bewegungen sind hier verboten, schließlich will man Verwirbelungen vermeiden, auch wenn die Luft mehrfach gefiltert wird. Nach 3,5 Stunden gibt es eine Pause außerhalb der Sterilität des Reinraums.
400 Mitarbeiter
Mit einer einzigen mRNA-Charge können rund acht Millionen Impfdosen hergestellt werden. Bis die Charge fertig ist, dauert es etwa zwei Tage. Aufbewahrt wird die kostbare Flüssigkeit in einem speziellen, durchsichtigen Gefäß. Dieser lapidar als „Bag“ (Tasche) bezeichnete Behälter fasst 35 Liter. Darin sind gerade einmal 350 Gramm mRNA.
Von den insgesamt rund 400 Mitarbeitern sind 200 direkt am Produktionsprozess beteiligt, nicht nur bei der mRNA-Herstellung, sondern auch bei den folgenden Schritten, die genauso wichtig sind, damit das Endprodukt schließlich die geforderte Qualität hat. Sie arbeiten im Schichtbetrieb - rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche.
Der Zeitdruck, der wegen der Pandemie herrscht, sei sicherlich eine der großen Herausforderungen gewesen, um die Herstellung ins Rollen zu bringen, erklärt Schilling. Schließlich mussten alle Mitarbeiter auf die neuen Produktionsprozesse umgeschult werden. Glücklicherweise hätten auch die Zulieferfirmen und Partner in dieser kritischen Anlaufphase „fantastisch mitgearbeitet“.
Und nach diesen aufregenden Wochen freut sich das Marburger Biontech-Team, dass die hier produzierten Impfstoffe bald zur endgültigen Fertigstellung das insgesamt 1800 Quadratmeter große Werk verlassen und danach zu den Impfzentren gebracht werden. „Die erste Charge ist immer so ein bisschen das Sahnehäubchen auf den ganzen Bemühungen, die man da monatelang hatte“, erklärt die Produktionsleiterin.