Helfer in Selb protestieren Kinder dürfen nicht zur Schule

Adnan, Marwa und Shahd (von links) zeigen mit Plakaten, dass sie am morgigen Dienstag zur Schule gehen wollen. Doch die Zentrale Ausländerbehörde Bayreuth verweigert dies den syrischen Kindern. Mit im Bild ist die kleine Schwester Maria. Der große Bruder Mohamad Helal könnte eine Ausbildung beginnen, wenn die Familie endlich ein Bleiberecht bekäme. Foto: /pr.

Die Zentrale Ausländer-behörde verweigert syrischen Kindern aus Selb das Recht auf Bildung. Die Familie soll nach Lettland abgeschoben werden. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Selb - Das Trauerspiel um die syrische Familie aus Rakka, die in Selb Zuflucht gefunden hatte, aber am 3. August nach Lettland abgeschoben hätte werden sollen, geht weiter. Wiederum ist es die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB), die der Familie das Leben noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist. Denn sie erlaubt den drei eigentlich schulpflichtigen Kindern nicht, am morgigen Dienstag den Unterricht an der Dr.-Franz-Bogner-Schule in Selb zu beginnen.

Wie berichtet, waren die Eltern und ihre fünf Kinder bei dem Versuch, sie nach Lettland auszufliegen, auseinandergerissen worden. Die Mutter befindet sich laut Erwin Krug vom Unterstützerkreis „Haus am Park“ aufgrund eines psychischen Zusammenbruchs auch nach mehr als einem Monat immer noch in einer Klinik bei München.

Von Ängsten geplagt

Die Kinder sind in der Obhut eines Pfarrers, aber dennoch von großen Ängsten geplagt. Der Vater ist ebenfalls in Sicherheit und meldet sich per Handy immer wieder bei den Kindern und beim Helferkreis.

Dieser will die Abschiebung der Familie, die seit mehr als vier Jahren in Selb lebte und laut Erwin Krug gut integriert war, nach wie vor nicht akzeptieren. Auch deswegen, weil die Familie in ein Land gebracht werden solle, in dem Geflüchtete nicht zur Schule gehen dürften und zudem nicht in familiengerechten Unterkünften leben könnten. Zum Teil müssten dort die Flüchtlinge auf der Straße schlafen.

Deshalb versuche der Helferkreis, die Abschiebung mit einer Klage anzufechten. Außerdem sind die Unterstützer Erwin Krug zufolge darum bemüht, die Mutter in die Bezirksklinik Rehau verlegen zu lassen, damit die Kinder sie ab und zu besuchen könnten. „Fatema geht es sehr schlecht. Das sieht man an ihrem Gesicht, wenn man mit ihr per Videotelefonie Kontakt hat“, sagt Krug. Wenn am morgigen Dienstag die Schule wieder beginnt, werden Adnan, Marwa und Shahd nicht dabei sein. Sie sind sehr enttäuscht, dass für sie die Tür zur Schule verschlossen bleibt.

Ins Ankerzentrum

Die Frauen und Männer des Unterstützerkreises vermuten, dies sei deshalb der Fall, weil die ZAB die Familie ins Ankerzentrum nach Bamberg umsiedeln will. „Wir sind hellhörig geworden, da uns bei der Frage nach einem Krankenschein mitgeteilt worden ist, dass jetzt Bamberg dafür zuständig ist“, erläutert Krug.

Auf die Situation der Kinder will der Helferkreis morgen vor der Schule aufmerksam machen. Erwin Krug erklärt die Gründe dafür in einer Mitteilung so: „Nach Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention haben alle Mädchen und Jungen ein Recht auf Bildung. Die Zentrale Ausländerbehörde in Bayreuth sieht dies offensichtlich anders. Den Mädchen und dem Jungen der syrischen Flüchtlingsfamilie, die nach Lettland abgeschoben werden soll, ist es von der Regierung von Oberfranken untersagt, den Unterricht der Dr.-Franz-Bogner-Schule in Selb zu besuchen. Dabei haben sich fast alle Staaten der Welt, darunter auch Deutschland, verpflichtet, jedem Kind den kostenlosen und verpflichtenden Besuch einer Grundschule zu ermöglichen.“

Erwin Krug und die weiteren Helferinnen und Helfer hoffen, dass sie mit ihrem Protest Erfolg haben. Doch Adnan, Marwa und Shahd bleibt im Moment nur übrig, mit ihren Plakaten zu zeigen, dass sie die Schule vermissen und den Unterricht besuchen möchten. Dass sie auch ihre Eltern sehr vermissen, steht nicht auf den Plakaten.

Unterschriften
Mit einer Unterschriftenliste will die Flüchtlingshilfe „Haus am Park“ in Selb ihren Protest gegen die Abschiebung der syrischen Familie untermauern. Die Liste liegt noch bis 15. September im Foyer des Rathauses Selb aus. Außerdem ist es möglich, bei den Tagesmüttern „Minihelden“ in der Wittelsbacher Straße 18 zu unterschreiben. Die Bürgerinnen und Bürger, die sich in die Liste eintragen, treten dann mit ihrer Unterschrift für einen dauerhaften Verbleib der Familie in Deutschland ein und wenden sich gegen die Abschiebung.
 

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