Größte Deutschlands Kulmbacher Supermarkt eröffnet Unverpackt-Abteilung

Die Mehrweg-Behälter, in denen die unverpackten Lebensmittel transportiert werden, kann man entweder von zu Hause mitbringen oder im Edeka-Markt käuflich erwerben, wie Inhaber Michael Seidl demonstriert. Foto: Gabriele Fölsche

KULMBACH. Oft werden sie klimaschädlich produziert und ebenso entsorgt – oder werden in der freien Natur sich selbst überlassen: Verpackungen. Gebraucht werden sie meist nur einmal, auf jeden Fall aber nur vorübergehend. Wer darauf verzichtet, ein Produkt verpackt zu kaufen, wenn es dies auch in lose gibt, trägt er seinen Teil dazu bei, die Welt zu retten.

„Ich bin kein Fanatiker“, sagt Michael Seidl, Inhaber von Edeka Seidl in Kulmbach. Das bedeutet für ihn: „Ich kaufe natürlich die unverpackten Lebensmittel, die mir auch schmecken. Wenn es ein Lebensmittel eben nicht unverpackt gibt, verzichte ich allein aus diesem Grund allerdings nicht darauf. Aber wenn viele so denken, ist der Anfang schon gemacht.“

240 Nahrungsmittel werden angeboten

Den Anfang hat er in seinem Geschäft in Kulmbach auch gemacht und dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ab kommenden Mittwoch wird Seidl in Kulmbach Deutschlands größte Unverpackt-Abteilung in seinem Supermarkt mit insgesamt 240 Nahrungsmitteln zu bieten haben, die lose erhältlich sind. Jeder Kunde kann sie sich dort, wo bis zum Wochenende noch die Kaffeeabteilung zu finden ist, in eine von zu Hause mitgebrachte Box oder in ein Glas abfüllen und abwiegen. Besondere Anforderungen an das Gefäß gibt es nach Worten von Michael Seidl nicht. „Sauber sollte es halt sein.“ Und wer keine geeigneten Gefäße zur Hand hat, kann im Laden Mehrweg-Behälter kaufen.

Bei gekühlten Produkten gibt es Schwierigkeiten

Praktisch sieht das so aus, dass die Kunden eben jenes Behältnis auf einer Waage, die ebenfalls in dieser Abteilung zu finden ist, abwiegen, um das Gewicht der Box oder des Glases festzustellen. Dies wird dann abgezogen, damit tatsächlich nur der Inhalt bei der Endabrechnung zählt. Lose erhältlich werden dann bei Seidl vorwiegend trockene Lebensmittel sein, die nicht gekühlt werden müssen. Aber auch Essig und Öl gehören dazu. Dabei müssen, wie in Deutschland üblich, auch die gesetzlichen Vorgaben beachtet werden. Michael Seidl: „Olivenöl beispielsweise dürfen wir offen nicht verkaufen. Fragen Sie mich nicht warum, aber es ist so. Wir haben uns erkundigt.“ Und auch mit gekühlten Produkten gibt es teilweise Schwierigkeiten.

Plastikmüll gab den Ausschlag

Die Idee, eine Unverpackt-Abteilung in dieser Dimension zu eröffnen, „stammt von uns“, wie Seidl sagt. Und warum er denkt, dass dies der richtige Schritt ist, erläutert Michael Seidl auf Facebook. Er bezieht sich auf Daten, die die Wissenschaftszeitschrift National Geographic auf ihrer Internet-Plattform veröffentlich hat. Und dort heißt es: „Bis 2015 haben wir mehr als 6,9 Milliarden Tonnen Plastikmüll erzeugt. Etwa neun Prozent davon wurden recycelt, zwölf Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent landeten auf Deponien oder in der Umwelt. In unseren Meeren schwimmen bereits mehr als fünf Billionen Plastikteile. Schätzungen zur Langlebigkeit von Plastik reichen von 450 Jahren bis ,für immer‘.“

Jetzt schon viele lose Produkte

Bereits jetzt finden Kunden im Kulmbacher Edeka-Markt zahlreiche Produkte, die im Verkauf ohne Einweg-Verpackung auskommen. So können Fleisch, Wurst, Käse, frische Backwaren, Obst, Gemüse, Eier und Tiernahrung in von zu Hause mitgebrachten Behältern transportiert werden. Ab Mittwoch werden dann bei Edeka Seidl mehr als tausend verpackungsfreie Artikel erhältlich sein. Das umfangreiche Angebot umfasst auch eine Bio-Seife im Mehrweg-Glas und eine Milchtankstelle mit frischer Milch direkt vom Bauern aus der Umgebung.

Manches wird auch frisch hergestellt

Die Mehrzahl der Lebensmittel in der Unverpackt-Abteilung stammt nach Worten von Michael Seidl aus biologischer Erzeugung. „Wir arbeiten bereits mit einem Bio-Großhändler zusammen, der uns dann diese Produkte lose, also in Säcken beispielsweise, anliefern wird.“

Und so birgt die Abteilung, die ab Montag aufgebaut wird, auch für den Marktinhaber selbst noch den einen oder anderen Überraschungseffekt. Das gilt auch für den Clou der Abteilung, eine Flockenquetsche, zwei Mühlen und eine Mus-Creme-Maschine. Damit können Getreide zu Frühstücksflocken gequetscht, Getreide und Nüsse gemahlen und Nüsse zu einem natürlichen Brotaufstrich verarbeitet werden. „Die Mus-Creme-Maschine muss man sich so vorstellen, dass es dort verschiedene Behälter mit Nüssen gibt, der Kunde drückt dann drauf, um eine bestimmte Menge zu bestimmen, und das Gerät verarbeitet die Nüsse dann automatisch und ohne jeden Zusatz zu einer Creme, die zu hundert Prozent aus Nüssen besteht“, erläutert der Chef des Edeka-Markts.

Alles geht aber nicht

Auch unabhängig von dieser Abteilung achtet Michael Seidl nach eigenen Worten darauf, dass die Produkte in seinem Supermarkt mit möglichst wenig Verpackungsmaterial auskommen. Und er bietet auch umweltfreundliche Zellulosebeutel zum Kauf an, die auch auf dem eigenen Komposthaufen „entsorgt“ werden können und nicht nur in der Biotonne. „Aber alles geht freilich nicht. Ich kann natürlich nur das ins Sortiment nehmen, was ich auch mit wenig Verpackungsmaterial bekomme. Und letztlich entscheidet sowieso der Kunde, ob solche Dinge wie die Unverpackt-Abteilung Bestand haben.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading