Graserschule Mit dem Stadtbus aufs Land

BAYREUTH. In Scharen drängen sich die Kinder um das Coburger Fuchslamm. „Wie süß!“, ruft ein Mädchen rein. „Es ist gerade erst ein paar Stunden alt. Vielleicht ist es diese Nacht geboren. Oder gestern Abend“, sagt Erlebnisbauer Martin Höpfer.

Die Jungen füttern die anderen Schafe durch den Zaun. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) organisiert das Projekt „Sommer. Erlebnis. Bauernhof – Entdecken, wo das Essen herkommt“. Höpfer führt die vierte Klasse der Graserschule deshalb über die Felder der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Die Kinder sind am Morgen mit dem Stadtbus aufs Land gefahren. Jetzt schauen sie den Bauern erstaunt an. Die Schüler sind neugierig. Sie stellen viele Fragen. „Wieso schlüpft kein Küken aus meinem Sonntagsei?“, fragt eine Schülerin. Der Bauer erklärt, welche Wiesenkräuter man essen kann und wieso manche Hühner grüne Eier legen.

Lernen von wo das Essen herkommt

Die nächste Station ist ein Lernpfad. Die Kinder sollen Karten mit abgebildeten Produkten der Pflanze zuordnen. Das klappt gut, bei Zuckerrübensirup und Raps hapern die Schüler. Höpfer hakt nach: „Was kann man alles aus Raps herstellen? Wenn Margarine aus Raps gemacht wird, aus was wird dann Butter gemacht?“ Es dauert etwas, bis hier die richtige Antwort fällt. Immer weniger Kinder würden mit dem Verständnis aufwachsen, wo ihr Essen herkommt. „Es ist sehr wichtig und gut, den Kindern als zukünftige Verbraucher klarzumachen, dass die Milch nicht von vornherein in der Tüte ist. Es gibt immer mehr Allergien. Die Kinder sollen wissen, was in ihren Lebensmitteln steckt und woher sie kommen“, sagt Maria Schmitt, Organisatorin des „Erlebnis Bauernhof“. Der Name ist Programm, die Grundschüler erfahren vieles, was man hinter der Schulbank nicht lernt. Sie dürfen sich beim Melken ausprobieren. Außerdem nimmt jedes Kind am Ende des Tages seine selbst gequetschten Haferflocken mit.

Kinder schon vorbereitet

Lehrerin Martina Metzner erklärt, dass die Kinder schon im Unterricht recherchiert haben, was der Unterschied zwischen Weizen und Roggen ist. Darüber hinaus haben sie gelernt, wie sie kompostieren können und erfahren, wie man Blühflächen nutzen kann. „Auf dem Lernort Bauernhof können die Mädchen und Jungen dann aber bildhaft und natürlich die Praxis erfahren. Durch die Anschaulichkeit vereinfachen sich die Infos“, fügt Klaus Meier-Harnecker, landwirtschaftlicher Direktor des AELF hinzu. Maria Schmitt erklärt weiter: „Hier geht es nicht um Detailwissen. Die Kinder sollen spielerisch ein Grundverständnis entwickeln.“ Schon seit vier Jahren führt sie das Projekt „Erlebnis Bauernhof“ durch. Schüler der 2. bis 4. Klasse haben so die Möglichkeit, kostenlos mit allen Sinnen zu erleben, wo unsere Nahrungsmittel herkommen. Für die Aktionswochen „Sommer. Erlebnis. Bauernhof.“ öffnen viele oberfränkische Landwirte ihre Stallungen für Schulklassen.

Die Mädchen reden noch immer über das Lamm. Sie möchten ihm einen Namen geben. Es soll Elias heißen.

 

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