Gemüse statt Rendite Aktionäre unterstützen Öko-Landwirt

Freigärtner Florian Blank produziert ökologisch gezogenes Gemüse auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen in der Nähe von Busbach. Was noch fehlte, war ein Gewächshaus, um auch im Winter Gemüse anbauen zu können. Dessen Kosten finanziert nun die Regionalwert AG. Foto: Gunter Becker

Florian Blank betreibt eine Solidarische Landwirtschaft auf einem Hof bei Busbach. Die Regionalwert AG vergibt Gelder an ökologisch produzierende Betriebe. Jetzt haben die beiden zusammengefunden. Ihr gemeinsames Projekt: ein Gewächshaus.

Busbach -

Von Gunter Becker

Der eine produziert Obst und Gemüse, die andere unterstützt Ökobetriebe oder solche, die es werden wollen, durch finanzielle Zuschüsse. Jetzt haben der Freigärtner Florian Blank und die Regionalwert AG Oberfranken zusammengefunden. Zum Wohle seiner Kunden und zum Wohle ihrer Aktionäre. Ihr gemeinsames Projekt ist ein Foliengewächshaus.

Wind- und schneesicher

Wenn der Begriff Freigärtner bedeutet, dass Blank seine Gemüsepflanzen ausschließlich unter freiem Himmel anbaut, dann muss er diese Berufsbezeichnung – zumindest in den Wintermonaten – ändern. Denn schon diesen Winter kann er sein Wintergemüse unter einem Folienhimmel anbauen. Rund 20.000 Euro kostet dieses nachhaltig konzipierte Gewächshaus, das auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb namens Stein unweit des Eckersdorfer Gemeindeteils Busbach aufgestellt wird. Es sei, sagt Blank, wind- und schneesicher, bestehe aus unverwüstbaren Alurahmen und verzinktem Stahl und werde mit Folien, die nicht verwittern, sondern wiederverwertet werden können, bedeckt. Eigentlich sollte das rund acht mal 40 Meter große Gewächshaus bereits bezugsfertig aufgestellt sein, doch Lieferschwierigkeiten bei der Beschaffung des Materials habe den Zeitplan der Herstellungsfirma durcheinandergewirbelt. Jetzt sei es endlich angekommen, paketweise, und warte auf die Profimonteure. Trotz der lange Verzögerung bleibt Blank optimistisch. Sind ja noch einige Monate bis zum nächsten Winter.

Landwirtschaftsschule besucht

Freigärtner Blank und die Regionalwert AG haben mehr gemeinsam als dieses erste gemeinsame Projekt. Im Fichtelgebirge aufgewachsen kam er über einen weiten beruflichen Umweg – er lernte Mechatroniker und reparierte später Eurofighter bei der Bundeswehr – zurück nach Oberfranken. Ein Studium an der Uni Bayreuth schmiss er zwar nach drei Semestern hin, um seine Idee einer ökologischen Landwirtschaft zu verwirklichen. An der Uni kam er in Kontakt mit Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung und dem von Miosga und Studierenden entwickelten Forum 1.5. Über diesen Kontakt fand Blank auch das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen Stein bei Busbach. Doch bevor er loslegte, besuchte er die Landwirtschaftsschule, um sich das notwendige Wissen anzueignen.

Ökologisch und solidarisch

Doch eine konventionelle Landwirtschaft zu betreiben lag nie in der Absicht von Blank. Ökologisch sollte sie sein und solidarisch. Hätte er den Betrieb in Stein rein privatwirtschaftlich betreiben wollen, sagt er, hätte er rund eine Million Euro investieren müssen, um überhaupt loslegen zu können. Stattdessen pachtet er zusammen mit zwei anderen Familien die rund fünf Hektar große Fläche und gründet mit Gleichgesinnten eine Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, namens „Selbstversorgergemeinschaft im Freigarten Stein“. Rund 54 sogenannte Ernteteiler beteiligen sich an diesem laut Blank „reinem Solidaritätsmodell“. Bis Ende des Jahres sollen es 80 werden. Sein Businessplan sieht vor, langfristig 100 Familien mit dem täglichen Bedarf an Gemüse zu versorgen.

Saisonale Produkte

Worin die Solidarität besteht, wenn einer ackert und die anderen seine Produkte konsumieren? Hier beginnt schon der Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft. Die Ernteteiler, also die Abnehmer der Produkte des Hofs, zahlen nicht für die Produkte, sondern decken die Kosten des landwirtschaftlichen Betriebs. Dafür versorgt sie Blank mit seinen saisonalen Produkten. Die Abnehmer helfen also dabei, die anfallenden Kosten, wie Investitionen, Pacht, Betriebsmittel, Strom und Wasser zu decken. Und haben noch einen zweiten Nutzen: sie leisten einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Produktion natürlicher und regionaler Lebensmittel unter fairen Bedingungen. Und sie haben ein weitgehendes Mitspracherecht: Bei der jährlichen Zusammenkunft im Winter stellen alle zusammen einen Anbauplan auf. Darin wird genau festgehalten, welches Gemüse in welcher Reihenfolge angebaut wird. Abholen können die Ernteteiler ihr Gemüse vor Ort oder an zwei Abholstellen, wohin Blank die Produkte liefert.

Von 19 auf 42 Aktionäre gewachsen

Zum Kreis der Ernteteiler gehört auch Maria Zeußel. Zusammen mit Dietrich Pax, der einen Demeter-Gärtnereibetrieb bei Coburg betreibt, bildet sie aber auch den Vorstand der Regionalwert AG Oberfranken. Die Idee einer Regionalwert AGs besteht darin, schreiben sie auf ihrer Homepage, „das bestehende agrarindustrielle Lebensmittelsystem zu verändern“. Ziel sei eine „Landwirtschaft ohne Massentierhaltung, Bienensterben, Nitratbelastungen im Grundwasser, Rückstände von Pestiziden in Lebensmitteln oder Billiglöhne in der Verarbeitung“. Bei der Gründung im Jahr 2017, sagt Zeußel, erwarben 19 Gründungsmitglieder Aktien im Wert von 71.000 Euro. Im April dieses Jahres fand eine Kapitalerhöhung um 35.000 Euro statt. Die Zahl der Aktionäre stieg auf 42. „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagt Pax. Der Kauf des Gewächshauses für die Selbstversorgermeinschaft Stein sei Premiere. Und zeige auf, worin der Sinn der Regionalwert AG liegen: „In der Regionalisierung des Geldes.“ Mit dem Geld der Aktionäre wurde das Gewächshaus finanziert, das fünf Jahre lang vermietet wird. Dann könne es Freigärtner Blank für einen Restwert erwerben. Unterstützend finanziert würden auch solche Betriebe, die auf ökologischen Landbau umstellen wollen. Oder ein Öko-Bäcker, der eine Bäckerei eröffnen wolle. Den Aktionären gehe es nicht um eine gute Rendite, sondern darum, in regionale Betriebe zu investieren, die eine ökologische und damit naturerhaltende, umweltschonende und gesunde Produktionsweise betreiben. Oder, wie Blank sagt: „Die Rendite, das sind die Betriebe selbst, die vor Ort Gemeinwohl schaffen.“

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