Gegen rechte Gefahr Daniel Schauf radelt für die Demokratie

Wem gehört dieses Fahrrad? Noch steht das Demokratie-Bike in der Garage und wird auffällig dekoriert. Ab März soll es auf Bayreuths Straßen unterwegs sein. Foto: red

Demokratie ist kein Selbstläufer. Sagt der Vorsitzende des Vereins Schoko, Peter Weintritt. Deshalb ist er froh, dass das Programm „Demokratie leben“ weitere vier Jahre in Bayreuth umgesetzt werden kann. Unter anderem kommt ein Demokratie-Bike zum Einsatz.

Bayreuth - Für diese Aufgabe ist Daniel Schauf prädestiniert: Der 39-Jährige, am Lehrstuhl der Theaterwissenschaft der Uni Bayreuth für die Theaterpraxis zuständig, arbeitet für soziokulturelle Projekte im Bereich der politischen Bildung und Jugendarbeit. In diesem Jahr, so es Corona zulässt, kommt ein weiteres Vorhaben hinzu. Schauf wird für das Projekt „Demokratie leben“ in die Pedale treten. Mit einem Demokratie-E-Bike wird Schauf „aufsuchende Bildungsarbeit“ leisten, in dem er an Plätze fährt, wo sich Jugendliche aufhalten, um mit ihnen im weitesten Sinne über Demokratie zu diskutieren.

Förderung vom Staat

Die erfreuliche Nachricht ging im Dezember im Rathaus ein. Die Stadt erhält für weitere vier Jahre vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben eine staatliche Förderung in Höhe von 500.000 Euro. Voraussetzung war, dass sich die Stadt mit einem Eigenanteil beteiligt. Diesem, in Höhe von 56.000 Euro, stimmte der Stadtrat zu. Vier Jahre lang können nun, unter Federführung der beim Verein Schoko angesiedelten Koordinierungsstelle, Projekte zur Demokratieförderung und Extremismus-Prävention erarbeitet und durchgeführt werden.

In einer Pressemitteilung hatte die Stadt im Dezember als lokale Schwerpunkte des Programms „Demokratie leben“ die frühkindliche Demokratieerziehung und die Heranführung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Strukturen demokratischer Willensbildung genannt.

Kein Selbstläufer

Wie wichtig das Programm „Demokratie leben“ ist, fasst der Vorsitzende des Vereins Schoko, Peter Weintritt, in einem Satz zusammen: „Demokratie ist alles andere als ein Selbstläufer.“ Demokratie müsse bewusst gewollt, von einer großen Mehrheit getragen und als Idee geliebt werden, sagt Weintritt. Nur dann könne es sie in der Realität auch geben. Dass das Programm in Bayreuth weitere vier Jahre gefördert werde, sei der Beweis dafür, dass alle Beteiligten in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet haben. „Und dass wir uns mit unseren Konzepten für die zukünftige Umsetzung des Bundesprogramms auf dem richtigen Dampfer befinden“, so Weintritt. Der Verein Schoko stehe jedenfalls, als Bildungseinrichtung für junge Menschen, „mit Leib und Seele“ hinter den Ideen dieses Bundesprogramms.

Die Gefahr wächst

Ein Programm wie „Demokratie leben“ sei notwendig, auch wenn wir meinten, in einer gefestigten Demokratie zu leben. Denn Demokratie sei nicht selbstverständlich. Im Gegenteil, sagt Weintritt. Rechtstaats- und Demokratie feindliche Stimmen würden zunehmen, das Spektrum der Demokratiegegner werde immer breiter. Klar habe es seit Anbeginn Feinde der Demokratie gegeben. Aber die Demokratiefeindlichkeit habe eine neue Dimension erreicht. „Heute vernetzen sie sich in den sozialen Kanälen und erreichen damit viel mehr Menschen“, sagt Weintritt. Dem müsse man mit aller Macht gegenhalten. Ein Mittel sei, die Jugend zu gewinnen, sich mit Demokratie auseinander- und für Demokratie einzusetzen.

Tragende Rolle

Hier kommt wieder Daniel Schauf ins Spiel. Er wird eine tragende Rolle im Programm „Demokratie leben“ spielen, zu dem neben anderen, noch nicht endgültig ausgearbeiteten Projekten auch zwei Leuchtturmprojekte gehören.

Das eine ist ein Theaterprojekt an Kindergärten, das schon in den vergangenen Jahren viel Erfahrung sammeln konnte, mit der Fröhlichen Puppenbühne. Das andere ist das sogenannte Demokratiebike, das in diesem Jahr erstmals Fahrt aufnimmt.

Gefahren wird das Lastenrad anfänglich von Theatermann Daniel Schauf. Zu sehen ist es noch nicht, sagt Schauf. Es werde derzeit dekoriert, damit es im öffentlichen Raum auffällt. Aber der Zweck ist klar: Bildungspolitische Arbeit vor Ort betreiben.

Die unter anderem darin besteht, Jugendlichen dort aufzusuchen, wo sie sich bevorzugt aufhalten: Auf Schulhöfen, Basketballplätzen und Jugendzentrum und dort mit ihnen ins Gespräch kommen.

Viele Menschen fühlen sich abgehängt, nicht mitgenommen und schon gar nicht gehört. Sie sind anfällig für rechtes Gedankengut, sagt Schauf. Darunter viele Jugendliche, die sich keine Gedanken darüber machen, was Demokratie eigentlich bedeutet.

Es finde, so Schauf, eine Demokratisierung und eine Entdemokratisierung gleichzeitig statt. Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme nutzten die Vorzüge der Demokratie wie Versammlungsrecht und Meinungsfreiheit, um sie abzuschaffen. „Rechtes Gedankengut ist weit verbreitet“, sagt Schauf. Und stoße auf immer mehr Resonanz.

Im März soll es losgehen

Schauf, seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig, und seine Mitstreiter von der Koordinierungsstelle, darunter Kerstin Guthmann, die die Idee für das Demokratie-Bike entwickelt habe, haben aber noch mehr vor. Eine Ideenwerkstatt mit und von Jugendlichen vielleicht, auch ein Theaterprojekt sei vorstellbar.

Noch sind die Akteure in der Findungs- und Planungsphase, noch wissen sie nicht, was in den nächsten Wochen und Monaten überhaupt möglich ist. Die Corona-Pandemie hat alle Pläne erst mal verlangsamt oder gar gestoppt. Schauf ist allerdings optimistisch, ab dem 7. März endlich in die Pedale treten zu dürfen. Radeln für die Demokratie.


Info: Unter www.schoko-bayreuth.de finden sich weitere ausführliche Informationen zum Programm „Demokratie leben“, unter anderem auch Antragsformulare.

 

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