Vor French Open "Ohne große Erwartungshaltung" - Kerber zurückhaltend

Wimbledonsiegerin Angelique Kerber trifft erstmals auf die Russin Anastasia Potapowa. Foto: Gtres/gtres Foto: dpa

Grippaler Infekt, Absage für den Fed Cup, frühes Aus beim Heimturnier in Stuttgart, Knöchelverletzung in Madrid, kein Start in Rom - die vergangenen Wochen müssen Angelique Kerber wie ein Alptraum vorgekommen sein. Vor den French Open gibt sie sich zurückhaltend.

 
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Paris - Mit ihrem großen Vorbild Steffi Graf hat Angelique Kerber noch nicht über den Karriere-Grand-Slam gesprochen. Erst sechs Spielerinnen in der Geschichte des Profi-Tennis haben den Titel bei allen vier großen Turnieren gewonnen.

Doch kurz vor Beginn der French Open versucht die Wimbledonsiegerin die hohen Erwartungen zu dämpfen. "Ich starte mit einem Mix aus Zuversicht und Gelassenheit in die French Open, ohne große Erwartungshaltung", sagte Kerber der Deutschen Presse-Agentur. "Die Grand Slams sind immer ein Spektakel und diese Debatten sind eben Teil der Vorfreude aller Beteiligten. Ich sehe das gelassen und kann es mittlerweile gut einordnen."

Seit Mitte der Woche trainiert die 31-Jährige aus Kiel auf den roten Ascheplätzen am Bois de Boulogne. "Ich bin glücklich, dass ich hier sein kann. Vor zwei Wochen war ich nicht sicher, ob ich überhaupt würde spielen können", sagte Kerber in Paris. Denn ihre Vorbereitung durchwachsen zu nennen, ist noch untertrieben.

Erst ein grippaler Infekt und die Absage für den Fed Cup, dann das frühe Aus beim Heimturnier in Stuttgart, die Knöchelverletzung beim Turnier in Madrid und die Absage für Rom - vor ihrer Erstrunden-Aufgabe gegen die 18 Jahre alte Russin Anastasia Potapowa am Sonntag hat Kerber nur drei Matches auf ihrem ohnehin am wenigsten geschätzten Belag absolviert. "Jetzt muss ich mit der Situation umgehen und mich auf die erste Runde hier konzentrieren", sagte sie.

Und dennoch zählt die Weltranglisten-Fünfte quasi qua Amt natürlich auch in den kommenden zwei Wochen wieder zum Kreis der Titel-Anwärterinnen. Wie so oft im Damen-Tennis der jüngeren Vergangenheit, lässt sich die eine Top-Favoritin - wie es Rafael Nadal bei den Herren ist - im erlesenen 128er-Feld nicht bestimmen.

2016 triumphierte Kerber bei den Australian Open und den US Open, im vergangenen Jahr holte sie beim Rasenklassiker in Wimbledon den Titel im Finale gegen Serena Williams - und immer lag die Rechtshänderin, die mit links spielt, mit ihrer Taktik des Understatements und der Zurückhaltung vor Turnierbeginn richtig. Auch für die Damen-Chefin und frühere Bundestrainerin Barbara Rittner zählt Kerber mit ihrer "Akribie und Disziplin" immer zur erweiterten Titelkandidatenschar.

Auch Kerber weiß um die öffentlichen Erwartungen. "Wenn ich die die Chance bekomme, den Karriere-Grand-Slam zu komplettieren, wäre das großartig, aber noch denke ich nicht daran. Ich mache mir keinen Druck", sagte sie in einem Interview der Damen-Organisation WTA.

Über das Viertelfinale kam sie bei den French Open noch nicht hinaus, fünfmal war bereits in Runde eins Schluss. Ob sie denn schon Tipps von Steffi Graf bekommen habe, wurde Kerber gefragt. Zum Umgang mit dem Druck und wie es ist, den Karriere-Grand-Slam zu komplettieren?

"Ich habe noch nicht mit Steffi darüber gesprochen, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, würde ich mich gerne mit ihr darüber unterhalten", sagte Kerber und ergänzte: "Sie kennt diese Emotionen und die Last auf den Schultern. Und sie weiß, wie man so etwas Besonderes erreichen kann." Zu gerne wäre Kerber die Nummer sieben, die bei allen vier Grand-Slam-Turnieren triumphiert hat.

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