Als Ausnahme wäre der Rocco von Felix Rathgeber zu nennen, der überhaupt die stimmigste Vorstellung abgibt, mit einem schönen, runden Bass. Aber auch er kann eine zentrale Frage im Drama nicht beantworten: Warum ist dieser Gefängniswärter, der bei Frey eigentlich ein Totenfährmann ist, erst Helfer der Diktatur und dann geläuterter Tugendbold? Das aber ist ein Problem des Librettos: Oper halt, viel Gefühl, nicht immer viel Logik. Über Zweifel erhebt sich das von Roland Kluttig herausragend geleitete Orchester. Was in dieser musikalischen Darbietung - übrigens mit der 3. Leonoren-Ouvertüre statt der "Fidelio"-Eingansmusik - an Dynamik drinsteckt, von Leisesten bis zum Forte, was bei der nachsichtigen Begleitung der vertrackten Stellen mit voller Sängerkraft noch an Transparenz bleibt: dem gebührt Beifall.