Experten beunruhigt Drastischer Anstieg neuer Ebola-Fälle im Kongo

Untersuchung einer Frau im kongolesischen Beni. Im Osten des Landes ist es zu einem drastischen Anstieg neuer Erkrankungen gekommen. Foto: Marco Frattini/UN World Food Programm/WFP

Die lebensgefährliche Seuche Ebola breitet sich im Kongo weiter aus. Helfer stehen vor einem Dilemma: Sie müssen sich vor Angriffen von Milizen schützen und gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen. Zudem gibt es üble Gerüchte.

Kinshasa - Rund zehn Monate nach Beginn der Ebola-Epidemie im Osten des Kongo ist die Zahl neuer Erkrankungen wegen anhaltender Angriffe auf Helfer stark angestiegen.

Ende März zählten die Behörden etwa 1000 Krankheitsfälle, inzwischen sind es rund 1500. Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen von 630 auf rund 970, wie am späten Dienstagabend veröffentlichte Zahlen der Behörden zeigten. Das entspricht jeweils einem Anstieg von rund 50 Prozent.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, zeigte sich nach einem Besuch in der betroffenen Stadt Butembo am Dienstag "zutiefst beunruhigt". Er erklärte: "Die Zahl der Erkrankungen steigt wegen Gewalttaten an, die uns jedes mal wieder einen Rückschlag versetzen." Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um den Kampf gegen Ebola zu unterstützen, forderte er.

In der vergangenen Woche habe man 126 bestätigte Neuerkrankungen des hämorrhagischen Fiebers und 83 Todesfälle registriert, erklärte das Gesundheitsministerium in Kinshasa. So viele neue Fälle in einer Woche habe es zuvor noch nicht gegeben. "Diese neuen Fälle sind beunruhigend", sagte Kongos Koordinator für den Kampf gegen Ebola, Aruna Abedi. Die Epidemie könne noch lange andauern, solange sich die Bevölkerung nicht an die Hygieneempfehlungen der Behörden halte, warnte Abedi.

Helfer tun sich schwer, den Ausbruch in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri einzudämmen, weil in der Region zahlreiche Milizen aktiv sind. Es gab wiederholt auch Angriffe auf Ebola-Zentren - erst vergangene Woche wurde ein Arzt der WHO in Butembo getötet. Nach Angriffen wird der Hilfseinsatz zumeist zeitweise ausgesetzt, um die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. In dieser Zeit steigt die Zahl der Neuerkrankungen jedoch wieder an. Der Afrika-Direktor der WHO, Matshidiso Moeti, lobte die Helfer: "Sie haben Unvorstellbares erlebt und sind trotzdem willens, ihr wichtige Arbeit fortzusetzen."

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Helfer machen es jedoch schwerer, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Das ist für einen Sieg über die Epidemie aber unerlässlich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Menschen in der seit vielen Jahren instabilen Region ohnehin kaum Vertrauen in die Behörden haben. Die Regierung aus dem fast 2000 Kilometer westlich liegenden Kinshasa hat dort seit Jahren kaum etwas zu melden. Wilde Gerüchte, wonach die Regierung mit Ebola nur die Bevölkerung dezimieren wolle, oder auch, dass Ebola eine Erfindung der Behörden sei, halten sich in der Region hartnäckig.

Die Epidemie, die offiziell im August begann, ist der bislang zweitschwerste bekannte Ausbruch des lebensgefährlichen Erregers. Bei der bisher weltweit folgenschwersten Ebola-Epidemie, in Westafrika 2014/2015, waren mehr als 11.000 Menschen ums Leben gekommen.

Um den Ausbruch im Ost-Kongo einzudämmen, haben in der Region bereits knapp 110.000 Menschen einen experimentellen Ebola-Impfstoff erhalten. Für den zentralafrikanischen Staat ist es bereits die zehnte bekannte Ebola-Epidemie. Die bisherigen Ausbrüche betrafen jedoch friedliche Regionen und konnten relativ zügig eingedämmt werden. Das Ebola-Virus ist nach einem Fluss im Kongo benannt.

 

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