Ex-Fußballstar in Bayreuth Jimmy Hartwig: Theater ist wie Fußball

Die drei Hauptdarsteller der Luisenburgpremiere Amadeus (von links): Jimmy Hartwig, Philipp Moschitz und Paul Kaiser. Foto: Manfred Scherer

Ex-Fußballstar Jimmy Hartwig spielt eine der drei Hauptrollen bei der Luisenburg-Premiere des Stücks Amadeus. In Bayreuth spricht er darüber, warum Theater wie Fußball ist und gegen welchen Bayreuther Fußballer er selbst noch spielte.

Salieri gegen Mozart. Der ernsthafte Hofkapellmeister gegen das kindische Komponisten-Genie. Wer den mit acht Oscars bedachten Film nach den Schauspiel des Autors Peter Shaffer ja sah, weiß: Salieri gegen Mozart ist ein epischer Kampf. Mozart verliert und stirbt – aber die Menschheit gewinnt sein Requiem.

Amadeus ist am 10. Juni bei den Luisenburg-Festspielen die Eröffnungspremiere und hat drei Theaterstars als Hauptdarsteller aufgeboten: Philipp Moschitz als der lebenslustige, verrückte und am Ende todtraurige Mozart. Paul Kaiser als Hofkapellmeister Antonio Salieri, der das musikalische Genie erkennt, als Mozart an den Hof des Kaiser Josef II nach Wien berufen wird, und in dem eine tödliche Eifersucht entbrennt. Die dritte Hauptrolle hat Jimmy Hartwig inne.

Er – und auch andere – kommen nicht drum rum: Hartwig ist berühmt. Aber eher als Fußballprofi. Mit dem HSV gewann er Meisterschaften, den Europapokal, wurde Nationalspieler. Jimmy Hartwig macht das nichts aus, denn: Er hat aus seiner Karriere als Berufsfußballer viel mitgenommen für seine Laufbahn als Theaterschauspieler: „Fußball ist wie Theater. Der Trainer ist wie ein Regisseur, die Spieler sind das Ensemble.“

Und so spricht Hartwig an diesem Freitagnachmittag, am Tag vor so vielen Entscheidungen in den deutschen Fußballligen, bei einem Werbetermin des Luisenburgsponsors MGS-Autohaus in Bayreuth erst mal über seinen HSV: Klar, die steigen heute auf. Worauf sofort die Frage folgt: „Ja, und die Altstadt? Die Spielvereinigung?“ Hartwig erinnert sich: Zuletzt in Bayreuth habe er gespielt, da trat noch ein Bobby Breuer gegen den Ball, aber: Ein Aufstieg der Altstadt, das wäre „toll. Die gehören schon mal wieder rein in die Abteilung.“

Hartwig berichtet, wie er nach seiner Fußballerkarriere Schauspieler wurde: In einer Kneipe gegenüber der Schaubühne in Berlin traf er den bekannten Darsteller Thomas Thieme. Der outete sich als Fußballfan und „nach vier Flaschen Rotwein hatte ich meine erste Theaterrolle.“ Mittlerweile hat sich Hartwig auf deutschsprachigen Bühnen nach vorne gespielt, zuletzt in einem Ein-Mann-Stück am Grand Theatre de la Ville in Luxemburg: „Mir stand das Wasser in der Unterhose. Danach erhielt ich den Ritterschlag. Alle kamen und sagten: Jetzt bist du Schauspieler.“ Und als Wunsiedel anfragte für die Rolle des Kaisers im Amadeus, da erbat er sich Bedenkzeit, weil ihm das Theater dort kein Begriff war. 15 Minuten Internetrecherche genügten und er rief zurück: „Freilich mach’ ich das.“

Alle drei Hauptdarsteller sind voll des Lobes für die besondere Atmosphäre in dem Freilichttheater: Die Felsen. Die Bäume. Die Natur. Einzigartig. Das Publikum – von überall her. Wunderbar. Und abends – „du gehst ins Wirtshaus, jemand kommt an deinen Tisch und klopft auf die Platte.“ Jimmy Hartwig hat das nicht gekannt und findet diese Sitte ein gutes Beispiel dafür, welch besondere Menschen im Fichtelgebirge leben.

Philipp Moschitz hat für die Mozart-Rolle ein anderes Engagement abgesagt. Paul Kaiser ist kein Neuling auf der Luisenburg, er war schon im Brandner Kaspar, im Faust oder in der Päpstin zu sehen und sagt: Für die Luisenburgbühne brauche man Kraft. Und Konzentration, fügt Hartwig hinzu, um vor 1800 Zuschauern Präsenz rüberzubringen. Wer also ist die Rampensau im Amadeus? Moschitz oder Kaiser, Profis, die schon im Tatort zu sehen waren? Oder Hartwig, der auf den größten Fußballbühnen der Welt, etwa im Bernabeu-Stadion in Barcelona spielte? Könnte sein, dass jeder aus dem Trio für sich genommen eine Rampensau ist.

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