Zudem gibt es die Sorge, dass Produkte nach Europa kommen könnten, die nicht den hohen EU-Standards entsprechen. Vor zwei Jahren erschütterte ein Gammelfleischskandal Brasilien. Mehrere Fleischverarbeiter hatten abgelaufenes Fleisch unter ihre Ware gemischt. Um trotzdem die notwendigen Zertifikate zu erhalten, waren Lebensmittelkontrolleure bestochen worden.
Sind die Sorgen berechtigt?
Die EU-Kommission, die auf EU-Seite für die Verhandlungen zuständig war, sagt Nein. Das Abkommen sichere bei Nahrungsmittelsicherheit- und Verbraucherschutz die hohen EU-Standards, heißt es. Zu den Sorgen um den Umweltschutz sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Samstag: "Handelspolitik ist ein wichtiges Instrument der Klimapolitik geworden." Über das Abkommen verpflichte sich jeder Staat, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Dies solle dazu führen, dass Länder zum Beispiel die Abholzung des Amazonasgebiets stoppten.
Und was ist mit den Protesten der Bauern?
Viele europäische Landwirte befürchten, dem Wettbewerb mit den Agrargroßmächten aus Südamerika nicht gewachsen zu sein. Im Gegensatz zu anderen Branchen gilt der Agrarsektor in der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig. Im Mercosur wird in deutlich größerem Maßstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Die EU-Kommission räumt ein, dass es für europäische Bauern neue Herausforderungen geben werde. Sie verweist aber darauf, dass zunächst einmal nur bestimmte Mengen an Produkte eingeführt werden dürfen. Zudem will die EU betroffene Landwirte unterstützen, mit der neuen Situation zurechtzukommen.
Die bereits 2000 gestarteten Verhandlungen über das Abkommen gestalteten sich lange schwierig und waren zeitweise sogar ganz ausgesetzt. Warum gab es nun doch eine Einigung?
Neben wirtschaftlichen Gründen spielten für die EU auch politische Erwägungen eine Rolle. Die Europäer wollen US-Präsident Donald Trump zeigen, dass es ein Fehler ist, Handelsabkommen in Frage zu stellen. Die EU wollte eigentlich mit den USA eine Freihandelszone namens TTIP gründen. Die Verhandlungen darüber wurden aber von Trump gestoppt, weil er der Ansicht ist, dass TTIP die US-Wirtschaft benachteiligt hätte. Der Deal mit der Mercosur-Gruppe zeige, dass auch in turbulenten Zeiten Kompromisse gefunden werden könnten, die am Ende für beide Seiten vorteilhaft seien, sagt Juncker nun in Richtung Trump.