"Etwas überstanden" Taylor Swift über Politik und Angst

Taylor Swift. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa

DÜSSELDORF. Weltstar Taylor Swift auf Stippvisite in Düsseldorf. Millionen TV-Zuschauer verfolgen ihren Überraschungsauftritt bei den Finalistinnen von «Germany's next Topmodel». Doch ihre Welt ist nicht nur glamourös, verrät sie im Interview.

Bodyguards überprüfen den Hotelflur, mustern jeden kritisch. Das Zimmermädchen wird freundlich gebeten, später wiederzukommen. Gerüchte sind durchgesickert, vor dem Hotel versammeln sich immer mehr Schaulustige. Superstar Taylor Swift (29) wird abgeschirmt, auch weil sie von Stalkern verfolgt wird - eine äußerst unangenehme Nebenwirkung ihres Weltruhms. Erst vor wenigen Wochen ist Berichten zufolge erneut ein Stalker in ihr Haus eingebrochen.

Lange Zeit galt die pastellfarbene, bonbonbunte Musikwelt der Taylor Swift als Gute-Laune-Bällebad: ein «All-American-Girl» ohne Ecken und Kanten. Sie sang viel über Gefühle, stets perfekt produzierter Pop, befeuert aus ihren ebenso perfekt inszenierten Social-Media-Kanälen, machte außerhalb davon Schlagzeilen mit Ihren wechselnden Beziehungen. Das änderte sich mit ihrem sechsten Album «Reputation». Darin ging es um Intrigen, üble Nachrede und mediale Hysterie. Das war 2017. Es war düster und hart - für Taylor-Swift-Dimensionen.

Liveauftritte als echtes Problem

Inzwischen spricht sie offen über ihre Ängste: «Ich denke, die Angst ist ein sich stetig veränderndes Gefühl. Das ist etwas, was man jeden Tag unterschiedlich stark empfindet», sagt Swift in ihrer Hotelsuite in Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur in einem ihrer wenigen Interviews. Sie ist für einen Überraschungsauftritt bei den Finalistinnen von «Germany's next Topmodel» in der Modestadt zu Gast.

«Wir gehen mit unserer Angst von Tag zu Tag um - manchmal von Moment zu Moment. Und meine Ängste flackern auf, wenn etwas passiert - wie etwa, wenn jemand versucht, in eins meiner Häuser einzubrechen oder es eine Gewalttat irgendwo in der Welt gibt.»

Vor einiger Zeit hatte sie nach der Reihe von Anschlägen auf Konzerte ihrer Musikerkollegen bekannt, dass Live-Auftritte aus ihrer Sicht ein echtes Problem geworden seien. Doch die Abstinenz soll nun ein Ende haben. «Dankenswerterweise habe ich ein sehr, sehr großes Sicherheitsteam und einen Sicherheitsplan, wenn wir Live-Shows geben», sagt die aus Tennessee stammende Sängerin. Dieses Jahr noch wolle sie auf Tour gehen «an Orten, an denen ich länger nicht gewesen bin. Ich stecke gerade mitten in der Planung dafür.»

Schlange und Schmetterlinge

Bald dürfte auch ihr siebtes Album erscheinen. Ein erster Song davon («ME!») ist bereits da. Im Video zu «ME!» zerspringt eine Schlange in viele bunte Schmetterlinge. Für ihre Fans, die «Swifties», die jeden vermeintlichen Hinweis auf Swifts Social-Media-Kanälen und in ihren Videos diskutieren, ist das ein deutliches Zeichen.

Was Swift nun in Düsseldorf bestätigt: Ihr letztes Album sei eine Art Sturm gewesen, der sich verzogen habe: «Das neue Album fühlt sich so an wie der Himmel nach einem Sturm aussieht - farbenfroh, ruhig und friedlich, aber auch irgendwie besser, weil er etwas überstanden hat.»

Die Rückkehr zur «alten» Taylor Swift? Wohl nicht ganz, denn die fast 30-Jährige zeigt sich inzwischen deutlich politisiert. Im vergangenen Oktober hatte sie ihr Missfallen über Donald Trumps Politik zum Ausdruck gebracht. Bei der Kongresswahl machte sie sich für die Demokraten stark. US-Präsident Trump erklärte, er möge ihre Musik nun «ungefähr 25 Prozent weniger».

Politische Untertöne

Umgerechnet 100.000 Euro spendete Swift zudem an eine Organisation, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben in ihrem Heimatstaat Tennessee einsetzt. Es gebe «auf jeden Fall politische Untertöne in der neuen Musik», verrät sie und kündigt an: «Ich habe nicht vor damit aufzuhören, junge Leute zum Wählen zu bewegen und zu versuchen, junge Leute dazu zu bringen, dabei mitzureden, was in unserem Land vor sich geht.» Für Trump könnte das ein echtes Problem werden. Swift hat 118 Millionen Follower allein auf Instagram.

 

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