Erotic-Markt Himmelkron Die Lust-Verkäuferin

HIMMELKRON. Auf dem Bildschirm läuft ein Porno. Der Mann mit gegelten Haaren zieht sich langsam sein Oberteil aus und setzt sich zwischen die nackten Beine der Frau. Er beginnt, ihren Oberschenkel zu küssen. Man hört ein leises Stöhnen. Im Hintergrund Radio, Staumeldungen, ein Song von Shawn Mendes aus den Charts. Das ist Melanie Vogels Arbeitsplatz.

Der Erotic-Markt Himmelkron steht ein paar Hundert Meter neben dem Autorasthof im Industriegebiet. Der Laden ist groß, über 8000 Porno-DVDs gibt es im Angebot, dazu Regale mit Sexspielzeug, Videokabinen und ein Kino.

Mit anderen ins Gespräch kommen

Das Kino ist eher ein Swinger-Club. Es gibt mehrere Räume, die schwarz ausgekleidet sind. Innen stehen jeweils drei schwarze Kunstleder-Sofas und direkt vor dem Bildschirm eine schwarze Kunstleder-Matratze. Hier gibt es nichts zum Zusperren, die Kinobesucher können für 17 Euro überall zugucken und auch mitmachen. Es gibt eine Partner-Lounge, „um mit anderen ins Gespräch zu kommen“, sagt Vogel. Im Kino stehen Snack-Automaten, dazu Partnerräume, in die man reingucken und reinfassen kann.

Melanie Vogel, gebürtige Kulmbacherin, machte zunächst eine Ausbildung zur Gärtnerin. Sie zog nach München, wechselte in einen besser bezahlten Job. Doch dann wurde sie arbeitslos. Sie stieß durch ihre ehemalige Chefin auf eine Stelle bei Beate Uhse, einer großen Erotikmarktkette, die mittlerweile insolvent ist.

Melanie Vogel hatte dabei keine Hemmungen: „Ich finde es schade, dass das Thema noch so ein Tabu ist.“ Ihr Vater war zunächst nicht begeistert, fand sich aber damit ab. Mittlerweile wissen es viele ihrer Bekannten. „Die Freunde meiner Eltern sind schon über 70, die wissen das auch, und sogar sie sind sehr gelassen“, berichtet sie. „Ich erzähle es aber auch nicht groß rum, wenn mich jemand nach meiner Arbeit fragt, dann sage ich, dass ich im Verkauf arbeite. Wenn jemand noch mehr nachfragt, sage ich, dass ich alles Mögliche verkaufe: DVDs, Bücher, Kleidung – stimmt ja auch.“

Anspruchsvoller Beruf

Die gibt es tatsächlich im Erotikmarkt in Himmelkron: DVDs von allen erdenklichen Pornogenres, von Amateurfilmen zur Oma-Kategorie, Erotikromane wie Shades of Grey, sogar Pornocomics, Dessous und eine Schuhabteilung. Für einen Euro pro Minute kann man Virtual-Reality-Pornos gucken.

Vor zwei Jahren zog Melanie Vogel wegen der Familie zurück in ihre Heimat. Dort stieß sie auf die Anzeige des Erotikmarkts. „Ich finde, dass das ein sehr anspruchsvoller Beruf ist. Es geht ja um etwas sehr Intimes. Da muss man als Verkäufer ein richtiges Gespür dafür haben, wie und wann man die Kunden anspricht.“

Auch im Zeitalter von Internetpornografie sind die Videokabinen noch beliebt. „Die Leute wollen nach einem Stau oder nach der Arbeit einfach mal entspannen. Außerdem haben wir die neuesten Filme, im Internet gibt es hingegen eher Zusammenschnitte und keine hochwertigen Filme“, sagt Melanie Vogel.

Seit 2010 würden die Erotikmärkte aber stark die Konkurrenz durch den Online-Markt spüren, sagt Elvis Gutgesell, der Geschäftsführer. Viele Kunden ließen sich zum Beispiel im Laden beraten, aber kauften online.

Mittlerweile kehrten jedoch viele wieder zum Laden zurück. „Ich habe schon öfter gehört, dass Kunden im Internet schon benutzte Produkte bekommen haben. Die Online-Märkte müssen die Ware zwei Wochen lang zurücknehmen, egal ob sie kaputt oder schon benutzt ist. Sie haben nicht das Geld, die dann wegzuschmeißen“, sagt Elvis Gutgesell.

So normal wie Essen, Trinken oder Zähneputzen

Die Geschäfte der Kette der Erotic-Märkte sind alle an der Autobahn. Viele Kunden kämen für eine Pause und Entspannung zu ihnen. Dazu hätten sie Stammkunden aus Nürnberg, Weiden oder Coburg. „Die Stammkunden kommen aus einem Umkreis von 150 Kilometern. Es geht ihnen um gute Beratung und das Einkaufserlebnis“, berichtet Melanie Vogel.

Das klingt wie in einem beliebigen anderen Laden. Für Melanie ist Vogel ist es auch „ein stinknormaler Job“. Sie wünscht sich einen entspannteren Umgang mit der Sexualität: „Das ist doch genau so normal wie Essen, Trinken oder Zähneputzen.“